Medikamententausch in der Apotheke

Medikamente können unterschiedlich aussehen, heißen, andere Preise und Hersteller haben, aber dennoch den gleichen Wirkstoff beinhalten. Für die Wirkung von Arzneimitteln im Körper sind vor allem der Wirkstoff selbst und die Dosierung ausschlaggebend. Oft bekommen Patienten vom Apotheker ein anderes Medikament als das vom Arzt auf dem Rezept verordnete – vorausgesetzt, die Medikamente sind vergleichbar. Für den Wechsel kann es therapeutische und wirtschaftliche Gründe geben, die Regeln für den sogenannten Aut-idem-Austausch sind gesetzlich fest verankert. „Aut idem“ ist lateinisch und bedeutet „oder das Gleiche“.

Aut-idem-Austauschregeln
Jedes Rezept enthält wichtige ärztliche Angaben zu Wirkstoff, Wirkstärke, Menge und Darreichungsform − beispielsweise Tablette, Retardkapsel oder Tropfen. Der Apotheker hält sich an diese ausschlaggebenden Vorgaben und händigt nach bestimmten Regeln ein vergleichbares Arzneimittel aus. In jeder Apotheke gelten die gleichen Austauschregeln:

  • Wirkstoff und Wirkstärke dürfen nicht verändert werden.
  • Die Packungsgröße bleibt identisch, die genaue Menge kann aber leicht abweichen. Die Packungsgröße beschreibt, genau genommen, einen Mengenbereich: Beispielsweise kann eine Packung der Größe N3 zwischen 95 und 100 Tabletten beinhalten.
  • Es kann eine gleiche oder austauschbare Darreichungsform abgegeben werden. Welche Arten von Medikamenten austauschbar sind, ist für jeden Wirkstoff festgelegt. So werden beispielsweise Kapseln oft gegen Tabletten getauscht.
  • Das Medikament muss für mindestens ein gleiches Anwendungsgebiet zugelassen sein wie das vom Arzt verordnete. Wenn ein Wirkstoff gegen mehrere Erkrankungen hilft, kann es also sein, dass die Erkrankung des Versicherten selbst im Beipackzettel nicht aufgeführt ist.

Hinzu kommen wirtschaftliche Vorgaben, ein preisgünstiges Medikament auszuwählen und so die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen zu senken:

  • Häufig geben Apotheker ein preisgünstiges Arzneimittel ab, beispielsweise ein sogenanntes Rabatt-Arzneimittel, wenn die Krankenkasse des Patienten mit Arzneimittelherstellern einen Preisnachlass ausgehandelt hat.
  • Jede Krankenkasse handelt ihre Rabattverträge individuell aus. Deshalb kann es passieren, dass Patienten, die bei unterschiedlichen Krankenkassen versichert sind, bei gleicher ärztlicher Verordnung unterschiedliche Medikamente erhalten. Wenn die Krankenkasse einen neuen Rabattvertrag mit einem anderen Hersteller schließt, bekommt der Patient in der Apotheke für ein neues Rezept ein anderes Medikament als zuvor.

Neben der Verpflichtung zur Auswahl von preisgünstigen Medikamenten gibt es weitere Situationen, in denen Apotheker ein Medikament nach beschriebenen Regeln austauschen. Ist das abzugebende Medikament nicht lieferbar und ist eine dringende Versorgung notwendig, sodass nicht zur nächsten Belieferung der Apotheke gewartet werden kann, sollen Patienten dennoch versorgt werden können.

Austausch in besonderen Situationen vermeiden
Für einzelne Patienten können durch den Produkttausch kritische Situationen entstehen, die die Therapiesicherheit gefährden. Beispielsweise durch:

  • eine bekannte Allergie gegen Hilfsstoffe in einem möglichen Austauschprodukt, die das verordnete Medikament nicht enthält
  • eine problematische Anwendung von Austauschmedikamenten: So lassen sich beispielsweise manchmal Tabletten anderer Hersteller schlechter schlucken, weil sie größer oder nicht teilbar sind. Ein anderes Beispiel hierfür könnte die unterschiedliche Handhabung von austauschbaren Inhalationsgeräten sein – beispielsweise in der Asthmatherapie.
  • eine veränderte Freisetzung von Wirkstoffen, bei denen eine genaue Dosiseinstellung wegen geringer therapeutischer Breite besonders wichtig ist

Damit Arzt und Apotheker einschätzen können, ob durch den Medikamententausch eine kritische Situation entsteht, ist es wichtig, Probleme oder Bedenken offen anzusprechen. Manchmal kann auch eine gezielte Beratung helfen, Probleme und Unsicherheiten zu beseitigen, beispielsweise bei der Anwendung von Medikamenten.
Wird ein Medikamententausch vom Arzt, Apotheker oder Patient kritisch beurteilt, gibt es für jeden Beteiligten die Möglichkeit, den vorgeschriebenen Austausch zu umgehen.

Der Arzt kann den Aut-idem-Austausch verhindern. Am linken Rand des Kassenrezeptes befinden sich drei Kästchen mit der Bezeichnung „aut idem“, also „oder das Gleiche“. Auf dem Rezept steht automatisch, dass der Apotheker das verordnete oder ein vergleichbares Produkt abgeben darf und sich an die Austauschregeln halten muss. Bei medizinischen Gründen gegen den Tausch kann der Arzt ein Kreuz in das Aut-idem-Kästchen setzen. So zeigt er an, dass das verordnete Medikament nicht ausgetauscht werden darf.
Hat der Apotheker pharmazeutische Bedenken gegen die Abgabe eines bestimmten Medikaments, so kann er den Austausch verhindern und ein anderes aushändigen, solange es den Austauschregeln entspricht. 

Auch Patienten selbst können auf die Abgabe eines anderen Medikamentes, als es der Rabattvertrag vorschreibt, bestehen: Dazu können sie von der sogenannten Wunscharzneimittelregel Gebrauch machen. Ist das Wunschmedikament teurer als das vergleichbare abzugebende Präparat, muss der Patient die Differenz selbst zahlen. Zunächst bezahlt er den vollständigen Preis des Wunscharzneimittels in der Apotheke und richtet sich anschließend für die Kostenübernahme an seine Krankenkasse. Diese erstattet nur die Kosten für das günstigere Medikament. Zusätzlich können etwaige Gebühren der Krankenkasse anfallen. Deshalb ist es sinnvoll, im Vorfeld bei der Krankenkasse zu erfragen, in welcher Höhe die anfallenden Kosten erstattet werden.

Für einige Wirkstoffe, vor allem mit geringer therapeutischer Breite, hat der Gesetzgeber den Austausch verboten – selbst für den Fall, dass günstigere wirkstoffgleiche Präparate verfügbar sind. Für welche Wirkstoffe dieses Austauschverbot gilt, steht in der sogenannten Substitutionsausschlussliste des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Medikamente mit Wirkstoffen, die in dieser Liste genannt sind, darf der Apotheker – auch ohne Setzen des Aut-idem-Kreuzes durch den Arzt – nicht ersetzen.

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