Mundhöhlenkrebs

Krankheitsbild Mundhöhlenkrebs

Was ist Mundhöhlenkrebs?
Mundhöhlenkrebs (Mundhöhlenkarzinom) ist eine bösartige Erkrankung, bei der sich Zellen in der Mundhöhle unkontrolliert vermehren und so Geschwülste (Tumoren) bilden. Diese können die Bildung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) in anderen Organen bewirken.

Entstehung
Mundhöhlenkrebs ist eine insgesamt seltene Krebserkrankung. Er ist jedoch einer der häufigsten bösartigen Tumoren im Hals-Nasen-Ohren-Bereich und tritt gehäuft nach dem 40. Lebensjahr auf. Männer sind dreimal so häufig betroffen wie Frauen.

Mundhöhlenkrebs kann am Mundboden entstehen, der Zunge oder dem Teil des Ober- und Unterkiefers, der die Zahnfächer (Alveolen) trägt. Zellen (meist Plattenepithelzellen der obersten Schleimhautschicht) entarten, das heißt, es kommt zu Veränderungen in den Erbinformationen der Zellen. Diese sorgen für eine schnellere Teilung der Zellen. Außerdem beachten sie die Grenzen der Organe nicht mehr, sodass das benachbarte Gewebe ebenfalls betroffen ist. Der Krebs kann sich über die Lymphflüssigkeit oder die Blutbahn im Körper ausbreiten und Metastasen in den örtlichen Lymphknoten und in Leber, Lunge und Knochen bilden.

Das Risiko für die Entstehung von Mundhöhlenkrebs wird erheblich durch Rauchen gesteigert: Rund neun von zehn Betroffenen sind langjährige Raucher. Auch ein übermäßiger Alkoholgenuss kann zu einem höheren Risiko führen. Besonders der Missbrauch hochprozentiger Alkoholika und das Rauchen erhöhen das Risiko. Insbesondere in Kombination zählen Alkohol- und Nikotinmissbrauch zu den größten Risikofaktoren. Weitere Risiken sind schlechte Mundhygiene sowie die Infektion mit dem Humanen Papillomavirus (HPV). Eine Infektion mit diesem Virus kann sowohl bösartige Veränderungen in der Mundhöhle als auch im Rachenraum und am Gebärmutterhals auslösen. Manche Patienten entwickeln Mundhöhlenkrebs ohne erkennbare Ursache, besonders mit steigende im Alter. 

Krankheitszeichen
Der Krebs der Mundhöhle verursacht in vielen Fällen keine oder kaum Beschwerden. Erste Zeichen können vergrößerte Halslymphknoten sein.

Ein Zeichen für einen Tumor in der Mundhöhle kann eine wunde Stelle im Mund (Ulcus) sein, die länger als zwei Wochen besteht und nicht abheilt. Auch weißliche, nicht abwischbare Schleimhautveränderungen können ein frühes Anzeichen für Mundhöhlenkrebs sein. Im fortgeschritten Stadium können Sprach- und Schluckstörungen, Mundgeruch und Zahnschmerzen auftreten.


Ob und welche Krankheitszeichen auftreten, hängt entscheidend davon ab, wo sich der Tumor befindet und wie weit er sich ausgedehnt hat. Erste Zeichen einer Erkrankung, die bereits weiter fortgeschritten ist, können beispielsweise Blutungen des Gewebes und Empfindungsstörungen bis hin zu Lähmungen sein. Der Tumor wächst in der Regel unregelmäßig mit lappigem Rand; das Gewebe um ihn herum ist verhärtet.

Eine rasche Gewichtsabnahme oder ein plötzlicher Leistungsknick mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Schwäche sind allgemeine Zeichen, die bei einem – vor allem fortgeschrittenen – Krebsleiden vorkommen.

 

Diagnostik Mundhöhlenkrebs

Der HNO-Arzt oder der Arzt für Zahn-Mund-Kieferheilkunde nimmt zunächst eine ausführliche Befragung (Anamnese) hinsichtlich der aktuellen Beschwerden, deren Verlauf, möglichen Risikofaktoren (wie Rauchen und Trinken) und Begleiterkrankungen vor.

Dann schaut er sich die Mundschleimhaut genau an. Dazu benutzt er in der Regel optische Instrumente, um die Mundhöhle besser einsehen zu können. Um die Ausdehnung des Tumors beurteilen zu können, tastet er die gesamte Mundhöhle sowie die Lymphknoten am Hals ab.

Sollte sich der Verdacht auf einen Mundhöhlenkrebs verhärten, wird unter Umständen unter einer örtlichen Betäubung eine Gewebeprobe aus der Mundhöhle entnommen (Biopsie). Die Probe wird von einem Arzt für Pathologie feingeweblich unter dem Mikroskop auf bösartige Veränderungen hin untersucht.

Danach erfolgt häufig − zum Ausschluss von Metastasen in den benachbarten Regionen – eine Spiegelung der Speiseröhre, des Kehlkopfes und des Nasenrachenraums (Panendoskopie). Sie wird unter Vollnarkose durchgeführt. Der Arzt benutzt für diese Untersuchung starre oder flexible Instrumente, die Endoskope. Sie bestehen aus einem optischen System mit Objektiv und Okular, einer Lichtquelle und manchmal einer Spül- und Absaugvorrichtung. Unter Sicht schiebt der Arzt das Endoskop bis in die zu untersuchende Region der oberen Atem- und Speisewege vor. Durch eine Öffnung am Instrument können medizinische Instrumente zur Entnahme von weiteren Gewebeproben (Biopsien) oder für kleine operative Eingriffe eingeführt werden.

Bildgebende Verfahren wie Ultraschalluntersuchungen (Sonografie), Röntgenuntersuchungen, eine Computertomografie (CT), eine Magnetresonanztomografie (MRT), ein Skelettszintigramm oder eine Positronenemissionstomografie (PET) liefern weitere Informationen über die Ausdehnung des Tumors. Sie geben außerdem Hinweise, ob der Tumor in den Knochen eingewachsen ist oder möglicherweise auch schon Metastasen in anderen Organen oder in den Lymphknoten gebildet hat. Das Prinzip einer Ultraschalluntersuchung beruht auf der Anwendung von Ultraschallwellen, die in den Körper gelenkt werden. Dort werden sie – je nach Struktur und Konsistenz des zu untersuchenden Gewebes – reflektiert, das Echo wird registriert und in ein Bild vom Inneren des Körpers umgewandelt. Der Arzt schaut sich den Bereich des Halses und Mundbodens sowie bei Bedarf auch Organe wie die Leber, die Nieren und die Lymphknoten an.

Bei einer Röntgenuntersuchung des Kiefers und des Schädels wird der Körper mit Röntgenstrahlen bestrahlt, die von verschieden dichten Geweben unterschiedlich stark aufgenommen werden. So entsteht durch Verschattung und Aufhellung eine Abbildung des Körperinneren. Der Arzt kann Veränderungen an den Zähnen und den Knochen beurteilen.

Eine CT (Computertomografie) dient der Aufnahme detaillierter Schnittbilder des Schädels. Eine Röntgenröhre umkreist den Patienten und sendet gleichzeitig ein dünnes Röntgenstrahlbündel aus, um den zu untersuchenden Bereich aus mehreren Richtungen zu röntgen. Bei einer MRT (Magnetresonanztomografie) werden ebenfalls Schnittbilder erstellt. Sie setzt allerdings keine Röntgenstrahlen dazu ein, sondern ein starkes Magnetfeld und Radiowellen.

Eine MRT kann besonders die Weichgewebe im Bereich des Halses, der Zunge und des Mundbodens gut abbilden. Ein Skelettszintigramm kann Metastasen in den Knochen abbilden. Dabei wird die Aktivität verschiedener Gewebe mithilfe (radioaktiv) markierter Stoffe gemessen. Welche Stoffe eingesetzt werden, ist abhängig vom untersuchten Gewebe. Bei Knochenuntersuchungen eignen sich sogenannte Phosphonate. Röntgenaufnahmen zeigen dann, ob ein Knochen befallen ist oder nicht.

Eine PET gehört wie die MRT und CT zu den Schnittbildverfahren. Dem Patienten wird eine schwach radioaktive Substanz (in der Regel Traubenzucker, der radioaktiv markiert ist) gespritzt, mit deren Hilfe der Stoffwechsel der Körperzellen dreidimensional sichtbar gemacht werden kann.

Blutuntersuchungen geben zusätzliche Informationen über den Allgemeinzustand des Patienten. Die Laborergebnisse können mögliche Hinweise auf Blutungen, Entzündungen oder die Anwesenheit von Metastasen liefern. In manchen Fällen werden die sogenannten Tumormarker bestimmt. Tumormarker sind spezielle Eiweiße, die von einem Tumor in hohem Maße gebildet und im Blut nachgewiesen werden können. Tumormarker sind einerseits nicht sehr spezifisch, da sie zum einen auch bei Gesunden vorkommen können und andererseits ihre Abwesenheit eine Krebserkrankung keinesfalls ausschließt. Die Bestimmung von Tumormarkern wird deshalb in der Hauptsache zur Beurteilung des Krankheitsverlaufes und der Wirkung der Behandlung zurate gezogen: Wenn sich Markerwerte über einen bestimmten Zeitraum auffällig entwickeln, kann das ein Hinweis auf ein weiteres Fortschreiten einer zuvor festgestellten und bereits behandelten Krebserkrankung sein, beziehungsweise darauf, dass die Therapie nicht anschlägt.

Aus den Untersuchungsergebnissen ermittelt der Arzt das genaue Krankheitsstadium (Staging) und die verschiedenen Zelltypen:

Tumorstadium (TNM-System)
Neben der Bestimmung der Krebsart anhand des Gewebes werden Therapie und Prognose der Mundhöhlen-Krebserkrankung hauptsächlich vom Grad der Ausbreitung (Tumorstadium) bestimmt. Das Tumorstadium wird international nach dem sogenannten TNM-System klassifiziert:

  • Die Klasse „T“ (Tumor) beschreibt dabei die Größe und die Ausdehnung des Tumors. Angefügt wird jeweils der Zusatz 0 bis 4. Die Klassifizierung je nach Tumorgröße reicht von T1 (kleiner als zwei Zentimeter) bis T3 (größer als vier Zentimeter) und T4 (Tumor jeder Größe mit Befall von umliegenden Strukturen wie von Knochen, Mundboden, Gesichtshaut, Kaumuskulatur, von innerer, hirnversorgender Schlagader oder Schädelbasis).
  • „N“ (Nodulus) bezeichnet, ob umliegende Lymphknoten befallen sind. Der Buchstabe N gibt in der TNM-Klassifikation das Ausmaß der von Krebszellen befallenen Lymphknoten an. Im Stadium N0 sind gar keine Tumorzellen in den Lymphknoten nachweisbar, wohingegen die Stadien N1 bis N3 die Ausprägung des Befalls der Lymphknoten anzeigen.
  • „M“ (Metastasen) macht eine Aussage darüber, ob Metastasen in anderen Organen gefunden wurden. M0 bedeutet, dass keine Metastasierung stattgefunden hat, M1 spricht hingegen für den Nachweis von Tochtergeschwülsten als weiteres Zeichen einer fortgeschrittenen Krebserkrankung.

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