Nierenversagen

Krankheitsbild Nierenversagen

Was ist Nierenversagen?
Bei dem Krankheitsbild Nierenversagen unterscheidet man zwischen akutem und chronischem Nierenversagen.

  • Akutes Nierenversagen
    Ein akutes Nierenversagen ist ein plötzlich einsetzendes und rasch verlaufendes Versagen der Nierenfunktion.
  • Chronisches Nierenversagen
    Ein chronisches Nierenversagen (chronische Niereninsuffizienz) ist ein dauerhafter, beständig fortschreitender Funktionsverlust der Nieren.

Entstehung und Ursachen
Die Nieren erfüllen im Organismus viele Aufgaben. Sie sind insbesondere – über den Urin – für die Ausscheidung von Stoffwechselabbauprodukten sowie Giften zuständig. Über die Nieren reguliert der Körper zudem seinen Wasser- und Mineralstoffhaushalt. Je nach Bedarf werden diese Substanzen von der Niere vermehrt in den Urin abgegeben oder im Blut zurückgehalten. Die Steuerung des Flüssigkeitshaushalts und damit auch die Kontrolle des Blutdrucks sind weitere zentrale Aufgaben der beiden Nieren. Zudem produzieren die Nieren Substanzen, die für die Blutbildung und den Knochenstoffwechsel wichtig sind. Ein Versagen der Nieren hat weitreichende Folgen für den gesamten Organismus. Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Ursachen für ein akutes Nierenversagen: Probleme bei anderen Organen, die zur Störung der Nierendurchblutung führen (prärenales Nierenversagen), Erkrankungen der Nieren selbst (intrarenales Nierenversagen) sowie Nierenfunktionsstörungen, die sich aus einem gestörten Harnabfluss (postrenales Nierenversagen) ergeben. Außerdem gibt es angeborene Fehlbildungen, die im Laufe des Lebens zum Nierenversagen führen.

Akutes Nierenversagen
Gelegentlich ist ein akutes Nierenversagen nur vorübergehend, als Folge einer anderen Erkrankung, zum Beispiel einer Minderdurchblutung der Nieren nach größerem Blutverlust oder bei Kreislaufversagen. In diesen Fällen können sich die Nieren vollständig erholen, und es bleiben keine dauerhaften Schäden zurück.

Der häufigste Auslöser eines akuten Nierenversagens ist eine Minderdurchblutung der Nieren durch:

  • starke Blutverluste
  • ·Flüssigkeitsmangel durch massive Brechdurchfälle
  • schwere Entzündungen (zum Beispiel Bauchfellentzündung)
  • Unfälle oder Verbrennungen
  • Schockzustände (zum Beispiel allergischer Schock) können über einen Blutdruckabfall eine Minderdurchblutung der Nieren verursachen.
  • Verschluss der Nierengefäße

Ein intrarenales Nierenversagen hat meist folgende Ursachen:

  • entzündliche Nierenerkrankungen
  • Medikamente in zu hoher Dosis können eine Nierenschädigung bis hin zum Nierenversagen verursachen. Dazu zählen einzelne Bakterien abtötende Medikamente (Antibiotika), Schmerzmittel und Medikamente, die das Zellwachstum oder die Zellteilung hemmen (Zytostatika). Letztere kommen vorzugsweise in der Krebstherapie zum Einsatz.
  • einige Schwermetalle
  • Alkohol 
  • Röntgenkontrastmittel

Meistens ist dieser Effekt abhängig von der Menge des Auslösers.

Chronisches Nierenversagen
Im Gegensatz zur akuten Form sind beim chronischen Nierenversagen die Schädigungen nicht mehr rückgängig zu machen.

Typische Ursachen einer chronischen Niereninsuffizienz sind:

  • langjährige Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Nierenentzündungen (Glomerulonephritis)
  • Blutgefäßschädigungen, beispielsweise als Folge von hohem Blutdruck
  • wiederholte Nierenbeckenentzündungen (Pyelonephritis)
  • Schädigung der Nieren durch Schmerzmittel (Analgetikanephropathie).
  • Die angeborene Krankheit Zystennieren, bei welcher die Nieren von zahlreichen flüssigkeitsgefüllten Hohlräumen (Zysten) durchsetzt sind. Die Nieren büßen im Laufe der Zeit immer mehr funktionsfähiges Gewebe ein.
  • Rückstau und Rückfluss des Urins: Zu den ableitenden Harnwegen gehören die Harnleiter, die Blase und die Harnröhre. Diese Organe transportieren den in den Nieren produzierten Urin und scheiden ihn aus. Sind die ableitenden Harnwege verengt, kann es durch Rückstau und Rückfluss des Urins zur Nierenschädigung und so zum postrenalen Nierenversagen kommen. Mögliche Gründe sind Steine, Tumoren oder narbige Einziehungen.

Krankheitszeichen

Akutes Nierenversagen:
Das akute Nierenversagen verläuft in der Regel in mehreren Stadien. Meist nimmt in der Frühphase die Urinproduktion ab, die Betroffenen scheiden weniger als 450 Milliliter innerhalb von zwölf Stunden aus oder es kommt zu einem erheblichen Anstieg von Eiweißabbauprodukten (Kreatinin) im Blut. Im weiteren Verlauf kommt die Urinausscheidung zum völligen Stillstand. Die Folge ist eine Überwässerung des Körpers, die sich durch Wasseransammlungen im Gewebe bemerkbar macht, vor allem in den Beinen (Beinödeme), in der Lunge (Lungenödem) und mitunter im Gehirn (Hirnödem). Schlimmstenfalls kommt es zu einer Harnvergiftung (Urämie). Sie äußert sich in diesen Symptomen:

  • Wassereinlagerungen vor allem in den Beinen
  • Luftnot infolge von Lungenödem (Wassereinlagerung in der Lunge)
  • verlangsamter Herzschlag
  • allgemeine Schwäche und Schwindel
  • Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle
  • wenn die Ursache Blut- oder Flüssigkeitsmangel ist, durch Durst, niedrigen Blutdruck, trockene Schleimhäute

Chronisches Nierenversagen:
Chronische Niereninsuffizienz ist ein dauerhafter, langsam fortschreitender Funktionsverlust der Nieren. Solange kein völliges Versagen der Nierenfunktion eingetreten ist, kann durch Behandlung der Grunderkrankung der fortschreitende Verlust der Nierenfunktion aufgehalten werden. Der völlige Ausfall der Nierenfunktion ist im Gegensatz zur akuten Form nicht mehr rückgängig zu machen. Anfangs erfüllt die geschädigte Niere ihre Funktionen noch teilweise. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zur beschriebenen Harnvergiftung, zur Überwässerung und zum endgültigen (terminalen) Nierenversagen. Ohne künstliche Blutwäsche (Dialyse), die die Aufgaben der Niere übernimmt, endet eine chronische Niereninsuffizienz tödlich. Eine im Blut messbare Erhöhung der sogenannten Nierenwerte wird erst auffällig, wenn deutlich mehr als die Hälfte des Nierengewebes seine Funktion eingestellt hat. Dies bedeutet umgekehrt, dass der Mensch problemlos mit nur einer Niere leben kann, solange diese einwandfrei funktioniert.

Diagnostik eines Nierenversagens

Wie wird das Nierenversagen diagnostiziert?
Die geschilderten Symptome deuten auf ein drohendes Nierenversagen hin. Von entscheidender Bedeutung sind alle Informationen über die Vor- und Grunderkrankungen, die für den Nierenschaden verantwortlich sein können. Der Arzt muss über alle eingenommenen Medikamente, einen möglichen Kontakt mit giftigen Substanzen, einen Unfall und über Ähnliches Bescheid wissen. Droht ein Nierenversagen, muss der Patient umgehend in ein Krankenhaus eingewiesen werden. Dort wird seine Nierenfunktion überwacht.

  • Um die Ausscheidung von Urin und eine mögliche Wassereinlagerung im Gewebe beurteilen zu können, wird der Betroffene regelmäßig gewogen.
  • Alternativ beziehungsweise ergänzend ist die Anlage eines Urindauerkatheters notwendig, damit sich die behandelnden Ärzte ein genaues Bild von der produzierten Urinmenge machen können.
  • Außerdem wird eine Ein- und Ausfuhrbilanz gezogen, indem man die Mengen der aufgenommenen Flüssigkeit (durch Trinken oder Infusionen) und die der ausgeschiedenen Flüssigkeit miteinander vergleicht. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der menschliche Organismus Flüssigkeit nicht nur als Urin ausscheidet, sondern – wenn auch in geringem Maße – ebenfalls mit dem Stuhl. Darüber hinaus verliert er zum Beispiel mit dem Schweiß und mit der Atemluft Flüssigkeit.
  • Zudem bestimmt der Arzt regelmäßig die Konzentration der Nierenwerte im Blut. Auch der Urin liefert wichtige Hinweise und wird deshalb regelmäßig untersucht.
  • Mit Ultraschall (Sonografie) lassen sich die Nieren hinsichtlich ihrer Größe, Form und des möglichen Aufstaus von Urin schmerz- und risikofrei beurteilen.
  • Auch eine Darstellung der Nierengefäße und deren Fließeigenschaften sind mit bestimmten Ultraschalltechniken möglich.
  • Um eine Wasseransammlung in den Lungen zu erkennen, wird der Brustkorb abgehört und eine Röntgenaufnahme des Brustkorbes angefertigt.

Besteht der Verdacht auf spezielle Krankheitsbilder oder sind die Grundkrankheit und damit die Ursache für das Nierenversagen unklar, können weitere Untersuchungen notwendig sein. 

Therapie eines Nierenversagens

Wie behandelt man ein akutes Nierenversagen?
Das Nierenversagen ist ein sehr ernst zu nehmendes Krankheitsbild, das stets im Krankenhaus behandelt werden muss und immer noch mit einer hohen Sterblichkeit behaftet ist. Vornehmlich wird die auslösende Grundkrankheit behandelt. Soweit wie möglich, lässt man alle Nieren schädigenden Medikamente und Stoffe weg. Zudem ist eine Dosisanpassung der notwendigen Medikamente an die eingeschränkte Nierenfunktion nötig. Patienten mit Nierenversagen werden engmaschig überwacht. Fehlende oder überschüssige Flüssigkeit und Störungen des Elektrolythaushalts (Natrium, Kalium) müssen ausgeglichen werden, da die Nieren diese Funktion nicht mehr (oder nur eingeschränkt) erfüllen.

Bei verminderter Urinausscheidung versucht man, die Urinproduktion mit entwässernden Medikamenten anzutreiben. In der Spätphase des akuten Nierenversagens kann wieder eine massive Urinausscheidung auftreten. Dann ist es von größter Bedeutung, die verloren gehende Flüssigkeit zu ersetzen, um Dauerschäden an den Nieren nach Möglichkeit zu vermeiden. Meist geschieht dies über Infusionen. Droht eine Harnvergiftung, ist eine Blutwäsche außerhalb des Körpers mithilfe einer „künstlichen Niere“ (Dialysetherapie) nötig. Dank der sehr guten technischen Möglichkeiten zur Steuerung des Dialysevorgangs sowie zur Kreislaufüberwachung des Patienten ist die Blutwäsche heute ein komplikationsarmes Verfahren. Dennoch wird der Organismus durch die Behandlung belastet. Bei allen Therapien des akuten Nierenversagens kann es vorübergehend zu Kopfschmerzen, Schwindel, Abfall des Blutdrucks, Muskelkrämpfen und Herzrhythmusstörungen kommen.

Bei chronischem Nierenversagen wird unter Berücksichtigung des Alters und der Begleiterkrankungen die Transplantation einer Spenderniere angestrebt.

Disclaimer

Dieser Text dient ausschließlich der Information und soll Erkrankten und ihren Angehörigen erste Inhalte vermitteln, um einzelne Untersuchungs- und Therapieschritte besser verstehen zu können. Diese Informationen ersetzen keinen Arztbesuch und sind keine Aufforderung zur Selbstbehandlung und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden.
Der Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.


Erstellungsdatum: 01.07.2002
Letzte Aktualisierung: 30.11.2018

Herausgeber: Unabhängige Patientenberatung Deutschland, UPD

Sie haben Fragen und wünschen eine persönliche Beratung zu gesundheitlichen und gesundheits- sowie sozialrechtlichen Themen?

Unsere UPD-Experten beantworten Ihre Fragen:

Wichtiger Hinweis: Bitte schicken Sie uns keine Original-Unterlagen mit der Post zu, sondern ausschließlich Kopien. Wir können leider keine Rücksendung Ihrer Unterlagen vornehmen. Aus Datenschutzgründen werden Ihre Dokumente nach der Bearbeitung Ihres Anliegens ordnungsgemäß vernichtet.

© 2017 UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH – Dieses gesundheitsbezogene Informationsangebot dient lediglich Ihrer Information und ersetzt in keinem Fall eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt. Die zur Verfügung gestellten Inhalte können und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden.