Periphere arterielle Verschlusskrankheit

Krankheitsbild Periphere arterielle Verschlusskrankheit

Was ist eine periphere arterielle Verschlusskrankheit?
Bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) kommt es zur Verengung oder zum Verschluss der Blutgefäße in Armen und Beinen, die sauerstoffreiches Blut vom Herzen in den Körper transportieren (Arterien), beziehungsweise seltener zum Verschluss der Hauptschlagader (Aorta). Es kommt zu einer Durchblutungsstörung, weil weniger Blut hindurchfließen kann.

Entstehung
In mehr als neun von zehn Fällen ist die Ursache für die Entstehung einer dauerhaften (chronischen) pAVK eine sogenannte Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Schädigende Faktoren führen mit der Zeit zu einer Verhärtung und Verdickung der Blutgefäßwände. Selten verursachen andere entzündliche Gefäßerkrankungen eine pAVK.

Die Entstehung einer Arteriosklerose ist ein mehrere Jahre bis Jahrzehnte andauernder schleichender Prozess. Am Anfang dieses Prozesses steht eine kleine Schädigung der Innenhaut der Arterien. Bestimmte Gewebezellen und Blutplättchen wandern ein. Unter dem Einfluss von bestimmten Faktoren (Wachstumsfaktoren) lagern sich Fette in die Gefäßwand ein. Darunter ist vor allem das mit der Nahrung aufgenommene LDL-Cholesterin. Der Prozess schreitet weiter fort:

Durch Entzündungsprozesse und weitere Ansammlungen von Zellen, die sich zum Teil in fettangereicherte Schaumzellen umwandeln, entstehen fleckförmige Strukturen (arteriosklerotische Plaques). Dadurch wird die Innenhaut der Arterien immer dicker und der Gefäßdurchmesser enger. Durch Kalkeinlagerungen wird die Arterienwand steifer. Das Blut kann nicht mehr ungehindert durch den verkleinerten Querschnitt der Arterien fließen. Dies hat zur Folge, dass die im Versorgungsgebiet betroffener Gefäße liegenden Organe schlechter durchblutet werden und nur ungenügend Nährstoffe und Sauerstoff erhalten. Dies kann zu Einschränkungen ihrer Funktionen führen. Es gibt zahlreiche Risikofaktoren, die das Entstehen einer Arteriosklerose begünstigen. Davon sind einige beeinflussbar, da sie durch ungesunde Lebensgewohnheiten bedingt sind. Andere Faktoren sind hingegen nicht beeinflussbar, da sie beispielsweise vererbt worden sind.

Zu den Risikofaktoren zählen:

  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Rauchen
  • die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), besonders bei langfristig schlecht eingestellten Blutzuckerwerten
  • ein erhöhter Cholesterinspiegel
  • erbliche Veranlagung
  • zunehmendes Lebensalter
  • erhöhter Blutspiegel eines Stoffes (Homocystein), der mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht und von bestimmten Entzündungswerten

Krankheitszeichen
Die unteren Extremitäten sind häufiger betroffen als die oberen. Zu Beginn der Erkrankung verursacht die Verengung der Blutgefäße häufig wenig oder gar keine Beschwerden. Mit zunehmender Verengung kann immer weniger Blut durch die Gefäße fließen und das Bein mit Sauerstoff versorgen. Aus diesem Grund treten im Verlauf der Krankheit zunächst Schmerzen in den Beinen, vor allem in der Wade, beim Gehen (belastungsabhängiger Schmerz) und später auch im Ruhezustand auf. Der Schmerz zwingt den Patienten, nach einer bestimmten Gehstrecke stehen zu bleiben (Schaufensterkrankheit, Claudicatio intermittens). Da ein funktionierender Muskel auf ständige Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr durch das Blut angewiesen ist, kann er seine Arbeit unter Mangel an diesen Stoffen nicht ordnungsgemäß verrichten. Der Muskel signalisiert dies mit Krämpfen und Schmerzen. Und zwar umso mehr, je größer das Missverhältnis zwischen geforderter Leistung und Durchblutung ist.

Weitere mögliche Krankheitszeichen sind ein andauerndes Kältegefühl und schlecht heilende Wunden der Zehen und Unterschenkel. Die Haut des betroffenen Beines wirkt blass und fahl, weil die Sauerstoffversorgung des Gewebes extrem herabgesetzt ist.

Im Extremfall kann es zu einem kompletten Gefäßverschluss und damit zur Schwarzfärbung und zum Absterben von Gewebe (Infarkt) kommen. In diesem Stadium können leichter Infektionen entstehen.

Eine mögliche Komplikation ist der plötzlich auftretende (akute) teilweise oder vollständige Arterienverschluss durch ein Blutgerinnsel, das entweder am Ort des Entstehens zum Verschluss führt (Thrombose) oder vom Entstehungsort gelöst und an eine andere Stelle transportiert wird (Embolie). Das Gerinnsel bildet eine Art Pfropf, der das betreffende Gefäß verstopft.

Diagnostik Periphere arterielle Verschlusskrankheit

Zu Beginn der Diagnostik steht ein ausführliches Gespräch, in dem der Arzt den Patienten unter anderem nach seinen Beschwerden, Begleiterkrankungen und Lebensgewohnheiten befragt (Anamnese). Die pAVK tritt häufig gemeinsam mit bestimmten Krankheiten auf, beispielsweise mit bestimmten Herzerkrankungen (koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz), der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder einer Nierenschädigung (Niereninsuffizienz). Da das Bestehen beider Erkrankungen gemeinsam die Heilung der einzelnen erschwert, sollte der Arzt beim Vorkommen einer der Erkrankungen den Patienten auch auf Bestehen einer pAVK hin untersuchen.

Anschließend erfolgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Dabei schaut sich der Arzt vor allem die betroffene Extremität genau an und beurteilt sie hinsichtlich ihrer Hautfarbe, Hauttemperatur und möglicher Wunden. Dann tastet er nach dem Puls. Normalerweise ist der Puls nicht nur am Hals und am Handgelenk zu tasten, sondern zum Beispiel auch in Leiste, in der Kniekehle, am Außenknöchel und auf dem Fußrücken. Kann er den Puls nur abgeschwächt oder gar nicht tasten, deutet das auf eine zunehmende Gefäßverengung hin. Die sogenannte Ratschow-Lagerungsprobe ist ein medizinischer Test zur Erkennung einer Durchblutungsstörung in den Beinen. Der Patient legt sich dabei auf den Rücken und winkelt die Beine um 90 Grad an. Dann macht er bis zum Auftreten von Schmerzen (maximal zwei Minuten) Sprunggelenksbewegungen. Danach setzt er sich hin und lässt die Beine herabhängen. Der Arzt notiert die Zeiten bis zum Erreichen bestimmter Zustände der Füllung der Venen. Er befragt und untersucht den Patienten hinsichtlich möglicherweise bestehender belastungsabhängiger Schmerzen. Bei Bestehen solcher Schmerzen wird die Gehstrecke bestimmt, die der Patient beschwerdefrei zurücklegen kann.

Weitere Untersuchungen folgen, zum Beispiel:

  • Ultraschall der Blutgefäße (Doppler- und Duplexsonografie). Das Prinzip einer Ultraschalluntersuchung beruht auf der Anwendung von Ultraschallwellen, die in den Körper gelenkt werden. Dort werden sie je nach Struktur und Konsistenz des zu untersuchenden Gewebes reflektiert. Das Echo wird registriert und in ein Bild vom Inneren des Körpers umgewandelt. Die Dopplersonografie ist eine spezielle Ultraschalluntersuchung, bei der das Flussprofil und die Flussgeschwindigkeit des Blutes in den Blutgefäßen und im Herzen bestimmt werden können.
  • Dopplerdruckmessung, vergleichende Blutdruckmessung an beiden Oberarmen und mithilfe von Ultraschalltechnik: Damit können der Blutdruck in den Arterien und damit die Schwere der Verengung beurteilt werden (Knöchel-Arm-Index, ABI).
  • Standardisierter Gehtest, zum Beispiel auf dem Laufband
  • Messung des Sauerstoffdruckes im betroffenen Gewebe über die Haut (transkutane Sauerstoffdruckmessung)
  • Gefäßabbildung (Angiografie) mittels Computertomografie (CTA), Magnetresonanztomografie (MRA), intraarterieller digitaler Subtraktion (DSA) und Kohlendioxid (CO2) zur Lokalisation des Verschlusses. Die Untersuchungsmethode hat bei Gefäßerkrankungen eine hohe Empfindlichkeit (Sensitivität) und Spezifität. Während bei der CTA Röntgenstrahlen für die Aufnahme von Schichtaufnahmen eingesetzt werden, funktioniert die MRA mit einem starken Magnetfeld und Radiowellen. 

    Die DSA gilt als Goldstandard hinsichtlich der Genauigkeit und Übersichtlichkeit der Gefäßdarstellung. Während der Untersuchung wird dem Patienten ein Kontrastmittel in die Gefäße gespritzt. Es werden Röntgenbilder vor und nach Kontrastmittelgabe angefertigt. Das digitale Abziehen der Bilder voneinander zeigt als Endergebnis nur noch die Veränderung, also die Blutgefäße. Da bei den anderen Angiografiemethoden kein Eingreifen in den Körper durch die Gabe des Kontrastmittels notwendig ist, werden sie – wenn möglich – vorgezogen. Die CO2-Angiografie dient als Alternative zu den anderen Verfahren bei Patienten mit Niereninsuffizienz
  • Labortests zur Erfassung relevanter Risikofaktoren oder arteriosklerotisch bedingter Organschäden.

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