Schilddrüsenüberfunktion

Krankheitsbild Schilddrüsenüberfunktion

Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion?
Wenn die Schilddrüse mehr Schilddrüsenhormone hergestellt, als der Körper braucht, ist dies eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose).

Entstehung
Die Schilddrüse ist eine hormonproduzierende Drüse. Sie produziert die lebenswichtigen Schilddrüsenhormone, die den Stoffwechsel, den Kreislauf, das Wachstum und auch das seelische (psychische) Wohlbefinden steuern. Als Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion wird ein komplexes Geschehen vermutet. Hierbei spielen genetische, immunologische und Umwelteinflüsse eine Rolle. Daneben wird auch der Einfluss von psychischem Stress als Auslöser der Erkrankung diskutiert.

Funktionelle Autonomie
Häufigste Form einer Überfunktion ist die sogenannte funktionelle Autonomie der Schilddrüse. Dabei produziert sie Schilddrüsenhormone, unabhängig von den regulierenden Zentren im Gehirn (Hirnanhangdrüse). Die Freisetzung der Botenstoffe ist also nicht am Bedarf orientiert. Eine funktionelle Autonomie kann die ganze Schilddrüse betreffen oder nur einen Teil. Ein möglicher Auslöser ist die unzureichende Jodaufnahme mit der Nahrung. Dieses hat eine Störung der komplexen Regulationsmechanismen zwischen der Schilddrüse und der Hirnanhangdrüse zur Folge. Eine zu geringe Jodaufnahme kompensiert der Körper durch eine Vergrößerung der Schilddrüse. Es kommt zur Ausbildung eines Kropfs (Struma). In diesem können sich Knoten bilden, die letztlich zu einer überschießenden Hormonproduktion führen können.

Morbus Basedow
Eine andere Ursache für eine Schilddrüsenüberfunktion ist der Morbus Basedow (Basedow-Krankheit), eine Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem bildet fälschlicherweise Schilddrüsen stimulierende Antikörper (TSH-Rezeptor-Autoantikörper = TRAK), die zu einer überschießenden Produktion von Schilddrüsenhormonen führen.

Auch im Rahmen anderer entzündlicher Schilddrüsenerkrankungen, zum Beispiel der Autoimmunkrankheit Hashimoto-Thyreoiditis, kann es vorübergehend zu einer Überfunktion des Organs kommen. Selten sind Hormon produzierende Tumore beispielsweise Schilddrüsentumore der Grund für eine Schilddrüsenüberfunktion.

Krankheitszeichen
Schilddrüsenhormone sind für fast alle Stoffwechselfunktionen des Körpers wichtig. Ein Überschuss lässt viele Stoffwechselprozesse zu stark oder zu schnell ablaufen. Für den Organismus ist der ständige Hormonüberschuss eine Belastung.

Die Belastung kann oft schleichend über Monate zu Herzrhythmusstörungen, zunehmender Auszehrung und nervösen Störungen führen. Der Schweregrad und der Verlauf einer Schilddrüsenüberfunktion können sehr unterschiedlich sein.

Zu den typischen Zeichen (Symptome) einer Überfunktion gehören:

  • Schlafstörungen
  • innere Unruhe
  • erhöhter Herzschlag und steigender Blutdruck
  • Herzrhythmusstörungen
  • Appetitsteigerung bei gleichzeitig sinkendem Körpergewicht: Aufgrund des gesteigerten Stoffwechsels braucht der Körper deutlich mehr Energie.
  • Steigende Körpertemperatur: Die Haut ist warm und feucht. Es kommt zu Schweißausbrüchen.
  • Haarausfall
  • Durchfall
  • Muskelschwäche
  • Menstruationsstörungen; Verminderung von Libido und Potenz

Zusätzliche Symptome bei der Basedowschen Erkrankung:

  • Kropf (Struma), Hervortreten der Augen (Exophthalmus) und Sehstörungen (oft Doppelbilder), Herzrasen (Tachykardie)
  • teigige Unterschenkelschwellungen (Myxödem)  
  • Augensymptome: Tränenfluss, Fremdkörpergefühl, Lichtscheu, Druckgefühl (manchmal schmerzhaft), Rötung der Augenbindehaut, Lidschwellung, Hervortreten der Augen (Exophthalmus) und Sehstörungen (oft Doppelbilder)
  • Kropf (Struma)

Diagnostik Schilddrüsenüberfunktion

Meist erhält der Arzt schon durch die Schilderung der Beschwerden erste Hinweise auf die Erkrankung. Verschiedene Untersuchungen haben das Ziel, die Diagnose zu sichern und die genaue Ursache festzustellen. Sie entscheidet über die weitere Therapie.

Zu den Diagnosemethoden gehören:

  • Blutuntersuchung:
    Der Arzt bestimmt die Konzentration des Schilddrüsen-stimulierenden Hormons TSH (T = Thyroidea = Schilddrüse, S = stimulierendes, H = Hormon) sowie die Schilddrüsenhormone T3 und T4 im Blut. Bei der Basedow-Krankheit und bei Schilddrüsenentzündungen lassen sich häufig entsprechende Antikörper gegen körpereigenes Gewebe im Blut nachweisen (TRAK).
  • Ultraschall (Sonografie):
    Mithilfe des Ultraschalls lassen sich Größe und Struktur der Schilddrüse beurteilen. Das heißt, der Arzt kann Knoten und mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume (Zysten) sehen. Mit besonderen Verfahren (Farbdoppler) kann die Durchblutung der Schilddrüse oder einzelner Knoten beurteilt werden. Im Rahmen dieser Untersuchung kann der Arzt durch vorsichtiges Anstechen mit einer Kanüle kleine Gewebeproben zur Untersuchung unter dem Mikroskop entnehmen (Feinnadelbiopsie)
  • Schilddrüsenszintigrafie:
    Die Szintigrafie dient der Aufzeichnung von Lage, Form, Größe und Funktion der Schilddrüse und zeigt Gewebsregionen mit gesteigerter, verminderter oder fehlender hormoneller Aktivität. Bei der Untersuchung bekommt der Patient eine radioaktiv markierte Substanz in die Vene gespritzt. Meist wird Technetium (Tc) verwendet, das sich in der Schilddrüse wie das zur Hormonproduktion notwendige Jod verhält. Da gesundes und krankes Gewebe die Substanz unterschiedlich stark aufnehmen, lassen sich auf diese Weise Gebiete gesteigerter Hormonproduktion („heiße Knoten“) von solchen mit normaler, niedriger oder fehlender Produktion („kalte Knoten“) unterscheiden.

Zusätzliche Untersuchungen:
Im Einzelfall können Röntgenaufnahmen der Luftröhre, die Computertomografie des Halses sowie die Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse weiteren Aufschluss über Ursache und Ausmaß der Erkrankung geben. Die Computertomografie (CT) ist ein bildgebendes Verfahren, bei dem zur detaillierten Ansicht eine Reihe von Röntgen-Schnittbildern des Körpers aufgenommen wird.

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