Schilddrüsenunterfunktion

Krankheitsbild Schilddrüsenunterfunktion

Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion?
Wenn die Schilddrüse weniger Schilddrüsenhormone hergestellt, als der Körper braucht, ist dies eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose).

Entstehung
Die Schilddrüse ist eine hormonproduzierende Drüse. Sie produziert die lebenswichtigen Schilddrüsenhormone, die den Stoffwechsel, den Kreislauf, das Wachstum und auch das psychische Wohlbefinden steuern. Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann verschiedene Ursachen haben.

  • Primäre Form
    Hier liegt die Ursache in der Schilddrüse selbst. Diese Form ist die häufigste Art der Störung. Sie tritt nach Schilddrüsenoperationen, Bestrahlung der Schilddrüse (Radiojodtherapie), durch verschiedene Medikamente, Jodmangel oder als Erkrankung des Immunsystems auf.
  • Sekundäre Form
    Bei dieser Form liegt die Ursache bei der Hirnanhangsdrüse. Sie produziert das Schilddrüsen-stimulierende Hormon TSH (T = Thyroidea = Schilddrüse, S = stimulierendes, H = Hormon). Dieses Hormon wiederum stößt in der Schilddrüse die Hormonproduktion an. Meist sind Tumoren im Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse Auslöser einer sekundären Unterfunktion der Schilddrüse
  • Tertiäre Form
    Hier liegt die Störung im Hypothalamus. Der Hypothalamus ist ein Teil des Zwischenhirns und dient als Regulationszentrum.

Sekundäre und tertiäre Formen der Schilddrüsenunterfunktion sind sehr selten.

Unterscheidung nach angeborener und erworbener Form:

Angeborene Form
Heute werden alle Neugeborenen im Alter von 36 bis 72 Lebensstunden auf eine Hypothyreose routinemäßig untersucht und gegebenenfalls behandelt. Dadurch ist die Erkrankung sehr selten geworden. Typisch für die betroffenen Neugeborenen sind eine verminderte Aktivität und Bewegungsarmut, Trinkschwäche, eine vergrößerte Zunge, ein hohes Geburtsgewicht und eine gelbe Haut. Wird die Schilddrüsenunterfunktion nicht behandelt, kommt es zu einer irreversiblen verzögerten körperlichen und geistigen Entwicklung, dem sogenannten Kretinismus. Bei rechtzeitiger Diagnose, kurz nach der Geburt, lassen sich die fehlenden Hormone gut von außen zuführen, sodass sich das Kind völlig normal entwickeln kann.

Ursachen für die angeborene Form sind:

  • das Fehlen der Schilddrüse
  • Hormonbildungsstörungen
  • Schädigung der kindlichen Schilddrüse während der Schwangerschaft (beispielsweise durch Hormonmangel, Hormonüberschuss, Radiojodtherapie)

Die Hormonunterversorgung setzt in der Regel entweder schon während der Schwangerschaft ein oder beginnt direkt nach der Geburt. Allerdings können sich die angeborenen Störungen auch erst in den folgenden Jahren oder im Erwachsenenalter bemerkbar machen.

Erworbene Form
Die im Laufe des Lebens erworbene Schilddrüsenunterfunktion kann mehrere Ursachen haben

  • Hashimoto Thyreoiditis (Morbus Hashimoto )
    Diese Erkrankung des Immunsystems der Schilddrüse ist die häufigste Form der Hypothyreose. Dabei hält der Körper die eigene Schilddrüse fälschlicherweise für einen „Fremdkörper“. Infolgedessen produziert er Antikörper gegen das Gewebe, wodurch er die Schilddrüse im Laufe einer lange anhaltenden (chronischen) Entzündung langsam zerstört. Die genauen Ursachen, die zum Ausbruch einer Hashimoto-Thyreoiditis führen, sind nicht geklärt. Diskutiert werden genetische Faktoren, aber auch Virusinfekte oder sehr hohe Jodgaben, wie sie zum Beispiel bei bestimmten Kontrastmitteluntersuchungen verabreicht werden.
  • Postpartale Thyreoiditis
    Bei dieser Sonderform der Schilddrüsenentzündung kommt es im Anschluss an die Geburt (post partum) bei der Mutter zu einer vorübergehenden Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), die in eine Schilddrüsenunterfunktion münden kann. Sie heilt im Allgemeinen nach etwa acht Monaten wieder aus.

Krankheitszeichen
Die Hypothyreose ist gekennzeichnet durch eine unzureichende Versorgung der Körperzellen mit Schilddrüsenhormonen. Schilddrüsenhormone sind für fast alle Stoffwechselfunktionen des Körpers wichtig. Die Beschwerden (Symptome) hängen vom Schweregrad des Hormonmangels, der Dauer der Erkrankung, dem Alter des Patienten bei Krankheitsbeginn und von Begleiterkrankungen ab. Nicht jeder Betroffene muss alle Symptome entwickeln.

Die klassischen Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion:

  • Antriebsarmut
  • Kälteempfindlichkeit
  • Müdigkeit und verstärktes Schlafbedürfnis
  • verminderte Leistungsfähigkeit
  • Gewichtszunahme
  • Verstopfung
  • trockene, schuppende, gelbliche und kühle Haut
  • heisere, tiefe Stimme und langsame, oft verwaschene Sprache
  • dünner werdendes Haar
  • Konzentrationsstörungen, Gedächtnisstörungen
  • Flüssigkeitseinlagerungen an den Augenlidern (Lidödeme)
  • Störungen der Monatsblutung bei Frauen
  • Verminderung des sexuellen Lustempfindens
  • depressive Stimmungslage
  • Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) aufgrund gesteigerter Blutfette
  • verlangsamter Herzschlag (Bradykardie)

Bei älteren Menschen sind eine verminderte Leistungsfähigkeit und eine Kälteempfindlichkeit oft die einzigen Symptome. Das führt dazu, dass die Schilddrüsenunterfunktion leicht mit allgemeinen altersbedingten Veränderungen verwechselt wird.

Diagnostik Schilddrüsenunterfunktion

Meist erhält der Arzt bereits durch die Schilderung der Beschwerden erste Hinweise auf die Erkrankung. Um die Ursache festzustellen und den Weg für die Therapie festzulegen, werden folgende Diagnosemethoden eingesetzt:

  • Blutuntersuchung
    Der Arzt bestimmt die Konzentration des Schilddrüsen-stimulierenden Hormons TSH (T = Thyroidea = Schilddrüse, S = stimulierendes, H = Hormon) sowie die Schilddrüsenhormone T3 und T4 im Blut. Bei der autoimmunen Schilddrüsenentzündung (Hashimoto Thyreoiditis) aufgrund einer Erkrankung des Immunsystems lassen sich häufig bestimmte Antikörper (Thyreoperoxidase-Antikörper = TPO-AK) gegen körpereigenes Gewebe im Blut nachweisen.
  • Schilddrüsenszintigrafie
    Eine Szintigrafie wird bei unklaren Fällen durchgeführt. Sie dient der Aufzeichnung von Lage, Form, Größe und Funktion der Schilddrüse und zeigt Gewebsregionen mit gesteigerter, verminderter oder fehlender hormoneller Aktivität. Bei der Untersuchung bekommt der Patient eine radioaktiv markierte Substanz in die Vene gespritzt. Meist wird Technetium (Tc) verwendet, das sich in der Schilddrüse wie das zur Hormonproduktion notwendige Jod verhält. Da gesundes und krankes Gewebe die Substanz unterschiedlich stark aufnehmen, lassen sich so Gebiete gesteigerter Hormonproduktion („heiße Knoten“) von solchen mit normaler, niedriger oder gar fehlender Produktion („kalte Knoten“) unterscheiden.

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