Schwerhörigkeit

Krankheitsbild Schwerhörigkeit

Was ist Schwerhörigkeit?
Schwerhörigkeit ist eine Verminderung der Hörfähigkeit im weitesten Sinne und reicht von kaum spürbaren Hörstörungen bis hin zur Gehörlosigkeit (Taubheit). Sie ist eine Folge einer Erkrankung des Hörorgans und abzugrenzen von anderen Hörstörungen, wie der Überempfindlichkeit gegenüber Schall oder Tinnitus. Das Hören ist besonders deshalb wichtig, weil Sprache für die Kommunikation eine wesentliche Bedeutung hat. Beeinträchtigungen des Gehörs führen zu Defiziten in der Kommunikationsfähigkeit.

Entstehung
Folgende Ursachen kommen für eine Hörstörung infrage:

  • Eine Einschränkung der Schallleitung im Mittelohr = Schallleitungsschwerhörigkeit
    Schallwellen, die über die Ohrmuschel und den Gehörgang an das Trommelfell gelangen, versetzen das Trommelfell in mechanische Schwingungen, die über die Gehörknöchelkette an die Hörschnecke übertragen werden. Störungen auf diesem Weg werden als Schallleitungsschwerhörigkeit oder Mittelohrschwerhörigkeit bezeichnet. Hervorgerufen werden können sie zum Beispiel durch einen Pfropf aus Ohrenschmalz (Zeruminalpfropf), der den Gehörgang verstopft. Auch sogenannte Paukenergüsse, also die Ansammlung von Flüssigkeit im Mittelohr, können die Schwingungen beeinträchtigen (gut behandelbare, oft vorübergehende Schallleitungsschwerhörigkeit). Paukenergüsse können sich unter anderem nach Infekten im Hals-Nasen-Ohrenbereich bilden, weshalb besonders Kinder wegen ihrer hohen Infektanfälligkeit (und anderer anatomischer Verhältnisse) häufiger betroffen sind.
    Chronische Entzündungen des Mittelohrs sind der häufigste Auslöser der sogenannten permanenten (dauerhaften, oft nur operativ behandelbaren) Schallleitungsschwerhörigkeit. Dabei sind das Trommelfell und/oder die sogenannten Gehörknöchelchen erkrankt.
  • Eine Einschränkung der Schallempfindung durch die Sinneszellen im Innenohr (Cochlea) = Schallempfindungsschwerhörigkeit
    In der Hörschnecke befindet sich die Schnittstelle zwischen den mechanischen Schwingungen und den Nervensignalen. Bei der Schallempfindungsschwerhörigkeit liegt eine Funktionsstörung des Innenohres vor, bei der die sogenannten Haarzellen geschädigt sind. Sie ist eine seltene Ursache sowohl für die angeborene als auch für die im Kindesalter erworbene Schwerhörigkeit und kann genetisch bedingt oder erworben sein (zum Beispiel durch Infektionen wie Röteln, Zytomegalie, Herpes, Mumps oder Masern). Man unterscheidet zwischen einer akuten (plötzlich auftretenden) und einer permanenten (dauerhaften) Schallempfindungsschwerhörigkeit.

    Gründe für die akut auftretende Form können traumatisch bedingt sein. Typisch hierfür ist das „Knalltrauma“, das durch eine kurzzeitige, sehr hohe Schallbelastung entstehen kann, die zum Beispiel durch zu nah am Ohr explodierende Feuerwerkskörper vorliegt.

    Eine chronische Schädigung der Haarzellen kann durch Genussgifte wie Tabak und Alkohol sowie durch Viren oder Bakterien und bestimmte Medikamente entstehen, beispielsweise solche zur Behandlung von Krebserkrankungen oder Reserveantibiotika. Auch eine lang dauernde Schädigung durch Lärm (Disko, Kopfhörer und heute selten der Beruf) führt zu einer chronischen, nicht behebbaren Innenohrschwerhörigkeit.

    Eine besonders schwere Form der akuten Erkrankung ist der Hörsturz, also der plötzliche Verlust der Hörfähigkeit. Er kann ausgelöst werden durch Durchblutungsstörungen aufgrund von Virusinfektionen oder Herzerkrankungen. In den allermeisten Fällen kann jedoch keine Ursache für einen Hörsturz ausgemacht werden.

    Die häufigste permanente Schallempfindungsschwerhörigkeit ist die altersbedingte Schwerhörigkeit. Der Alterungsprozess beeinflusst verschiedene Bereiche im Innenohr (Cortisches Organ), darunter die Gefäßversorgung der Haarzellen, die an Funktionalität verlieren.
  • Eine Einschränkung der Schallverarbeitung entlang der Hörnerven = neuronale Schwerhörigkeit
    Ist der Hörnerv in seiner Funktion beeinträchtigt, ist dies zumeist auf gutartige Tumore zurückzuführen. Die Reize können nicht mehr richtig übermittelt werden, es kommt zu einem Hörverlust.
  • Eine Einschränkung der Schallverarbeitung entlang der Hörbahn oder der Hörrinde (im Großhirn) = zentrale Schwerhörigkeit
    Entlang der Hörbahn erfolgt die Verarbeitung des ursprünglich akustischen Signals. Ist diese durch unfallbedingte Schäden, Infarkte, Tumoren oder Blutungen beschädigt, kann diese Umwandlung nicht oder nur eingeschränkt erfolgen. Diese Form der Erkrankung geht häufig mit neurologischen Erscheinungen einher.

Verlauf
Man stuft die Schwerhörigkeit in sechs Schweregrade ein. Liegt der im Hörtest gemessene Hörverlust zwischen 0 und 25 Dezibel (Maß beziehungsweise Pegel des Schalldrucks) spricht man von Normalhörigkeit, zwischen 26 und 40 Dezibel liegt eine geringgradige Schwerhörigkeit vor, zwischen 41 und 60 Dezibel eine mittelgradige, zwischen 61 und 80 Dezibel eine hochgradige, zwischen 81 und mehr Dezibel eine an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit vor, und darüber spricht man von Taubheit.

Krankheitszeichen
Leichte Formen der Schwerhörigkeit werden oft nicht bemerkt, weil der Mangel an Hörtüchtigkeit lange Zeit ausgeglichen werden kann (Lauterstellen des Fernsehers und Ähnliches). Außerdem übernimmt der visuelle Sinn einen Teil des verlorenen Hörvermögens (Lippenlesen).

Die unterschiedlichen Ausprägungen der Erkrankungen verursachen teils verschiedene Krankheitszeichen:

  • Schallleitungsschwerhörigkeit: leisere Wahrnehmung durch verminderte Schallintensität. Die akustische Information ist abgeschwächt.
  • Schallempfindungsschwerhörigkeit: Geräusche oder Sprache werden zu leise wahrgenommen, bei Sprache tritt eine verzerrte Wahrnehmung auf.
  • Neuronale Schwerhörigkeit: noch schlechtere Sprachwahrnehmung im Verhältnis zur Tonwahrnehmung, ähnliche Anzeichen wie bei der Schallleitungsschwerhörigkeit. Die akustische Information ist verstümmelt.
  • Zentrale Schwerhörigkeit: Störung des Tongehörs, Störung der Sprachverarbeitung, Störung der Geräuschlokalisation, Störung des akustischen Gedächtnisses.

Diagnostik Schwerhörigkeit

Der Arzt wird − unter Zuhilfenahme eines Ohrtrichters und optischer Vorrichtungen wie zum Beispiel eines Ohrmikroskops − das Ohr, den Gehörgang, das Trommelfell und das Mittelohr untersuchen.

  • Tonaudiogramm
    Beim Tondiagramm wird das Hörvermögen von Tönen gemessen. Die gehörten Töne werden durch das Drücken eines Schalters bestätigt.
  • Stimmgabeltest
    Der Stimmgabeltest dient zu einer ersten Begutachtung, ob es sich um eine Schallleitungs- oder Schallempfindungsstörung handelt. Die Stimmgabel wird an den Kopf gesetzt und zusätzlich in die Nähe des Ohres gehalten. Diese beiden Punkte sind wichtig, weil der Mensch Schall sowohl direkt über das Ohr als auch indirekt über Knochenschwingungen wahrnimmt. Liegt eine Störung im Mittelohr vor, ist die Übertragung über den Knochen normal, über das Ohr wird der Schall jedoch schlechter wahrgenommen, was auf eine Schallleitungsstörung hinweist. Bei einer Schallempfindungsstörung sind beide Schallübertragungswege beeinträchtigt.
  • Flüstertest  
    Beim Flüstertest werden dem zu Untersuchenden von hinten viersilbige (Zahl-)Wörter zugeflüstert, der Abstand zu dem jeweiligen Ohr variiert dabei. So lassen sich ein- oder beidseitige Gehörstörungen feststellen.
  • Impendanzprüfung
    Bei der Impendanzprüfung werden der Druck im Mittelohr, die Dichtigkeit und die Beweglichkeit des Trommelfells gemessen. Zusätzlich wird das Hörvermögen orientierend mittels sogenannter Reflexe beurteilt.
  • Sprachaudiogramm
    Hierbei wird das Sprachverständnis gemessen, indem über einen Kopfhörer Testwörter in unterschiedlicher Lautstärke vorgespielt werden. Das Ergebnis richtet sich danach, wie viele Wörter bei unterschiedlicher Lautstärke verstanden werden.
  • Hörermüdungstest
    Dabei wird ein Ton 60 Sekunden lang auf ein Ohr gegeben. Sobald dieser nicht mehr wahrgenommen wird, wird der Schalldruck erhöht (Erhöhung der Dezibelzahl) – solange, bis der zu Untersuchende den Ton eine volle Minute lang wahrnimmt. Die Ergebnisse können Aussagen zu einer Beeinträchtigung der Hörschnecke oder einer Nervenschädigung zulassen.
  • Elektrische Response-Audiometrie
    Bei dieser Untersuchung werden die Hörschnecke, der Hörnerv und der Hirnstamm untersucht.
  • Otoakustische Emission
    Über spezielle Mikrofone werden die Haarzellen im Innenohr beschallt. Geschädigte Haarzellen reagieren auf dieses Einwirken begrenzt oder gar nicht mehr.

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