Speicheldrüsenentzündung

Krankheitsbild Speicheldrüsenentzündung

Was ist eine Speicheldrüsenentzündung?
Bakterien, Viren oder krankhafte Immunreaktionen können Entzündungen einer oder mehrerer Kopf-Speicheldrüsen auslösen. Die Entzündung kann akut oder chronisch auftreten. Betroffene leiden oft unter Schmerzen und geschwollenen Speicheldrüsen.
Die Drüsen sind für die Bildung und Absonderung des Speichels verantwortlich. Die Bestandteile vom Speichel leiten den Verdauungsprozess ein und unterstützen das Schlucken. Pro Tag bildet der Körper zwischen 0,6 bis 1,5 Liter Speichel; die Drüsen und Speichelgänge werden so regelmäßig mit frischem Sekret benetzt.

Entstehung

Akute Speicheldrüsenentzündung
Bakterien oder Viren können eine akute Speicheldrüsenentzündung auslösen.
Eine unzureichende Flüssigkeitsaufnahme oder Sekretstau fördern eine Infektion, weil sich Krankheitserreger leichter ausbreiten, wenn nicht genügend frischer Speichel produziert wird oder der Abtransport von altem Speichel gestört ist. Speichelsteine, Narben oder Tumoren können den Speichelabfluss verhindern und so eine Entzündung verursachen.

Einige Medikamente (zum Beispiel stimmungssteigernde Antidepressiva oder antiallergische Antihistaminika) stören den Speichelfluss und erleichtern den Bakterien so die Ansiedlung.

Eine schlechte Mundhygiene begünstigt die Speicheldrüsenentzündung ebenfalls.
Eine bekannte durch Viren ausgelöste Entzündung der Speicheldrüsen ist Mumps (Parotitis epidemica). Auch andere Virenarten können zu einer Infektion der Speicheldrüsen führen.

Chronische Speicheldrüsenentzündung
Chronische Krankheitsverläufe sind unter anderem für Infektionen der Ohr- und der Unterkieferspeicheldrüse bekannt.

Infektionen können auch Granulome der Speicheldrüse hervorrufen.
Die Gewebeknötchen bilden sich beispielsweise durch Tuberkulose.

Richtet sich die körpereigene Abwehr gegen gesunde Körperstrukturen, liegt eine Autoimmunerkrankung vor. Beim Sjögren-Syndrom und beim Heerfordt-Syndrom kommt es durch eine fehlgeleitete Immunreaktion zu einer Entzündung der Schilddrüse.

Als Folge einer Strahlentherapie von Kopf- und Halstumoren kann sich die Speicheldrüse entzünden. Das trifft besonders Patienten, die eine Radiojodtherapie wegen einer Schilddrüsenerkrankung erhalten haben.

Krankheitszeichen
Die bakterielle Form der Speicheldrüsenentzündung äußert sich durch meist einseitige plötzliche Schmerzen und eine Schwellung im Drüsenbereich, die über Stunden und Tage anhält. Die Drüse schwillt rasch an, sie wird hart und bildet Eiter. Die Haut über der Drüse ist gerötet und heiß. Beim Essen können die Beschwerden zunehmen. Bedingt durch die Nähe zum Kiefergelenk und den Kaumuskeln, sind bei Ohrspeicheldrüsenentzündungen die Schmerzen manchmal so stark, dass der Mund kaum noch geöffnet werden kann. Viele Betroffene bekommen aufgrund der Entzündung außerdem Fieber, und ihre Lymphknoten schwellen an.

Sind Viren für die Infektion verantwortlich, treten Symptome üblicherweise nach ein bis zwei Wochen und meist beidseitig auf. In diesem Fall ist das Sekret wässrig.

Diagnostik der Speicheldrüsenentzündung

Die Beschwerden geben dem Arzt den ersten Hinweis auf die Krankheit. Er betastet die Drüse. Es erfolgt die Beurteilung des Speichels. Am Ausführgang der Drüse entnommener Eiter kann im Labor auf den auslösenden Erreger hin untersucht werden. Mittels einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie) kann der Arzt Hinweise bekommen, ob ein Speichelstein, ein Abszess oder ein Tumor die Entzündung hervorgerufen hat.
In besonderen Situationen steht eine Reihe anderer Verfahren für die weiterführende Diagnostik zur Verfügung, unter anderem die Speichelgangendoskopie (Sialendoskopie), Magnetresonanz(MR)-Sialografie und die Speicheldrüsenszintigrafie zur Beurteilung der Funktionsfähigkeit einer Speicheldrüse.

Therapie der Speicheldrüsenentzündung

Ziel ist es, die Symptome zu lindern und die Speicheldrüsen zu schonen und, wenn möglich, eine Operation zu vermeiden. Ist die Speicheldrüsenentzündung Folge einer Grunderkrankung, wird diese mitbehandelt.
Tritt die Entzündung zum ersten Mal auf, hat es sich bewährt, zunächst den Speichelfluss zu steigern, beispielsweise mit Medikamenten oder sauren Bonbons. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Mundspülungen gehören ebenfalls zur Therapie. Verengte Stellen in den Speichelgängen werden gedehnt und Steine, wenn möglich, ausmassiert. Antientzündliche Medikamente können Linderung verschaffen und bei Bakterienbefall kommen Antibiotika infrage.

Sind die Speichelgänge durch einen Speichelstein verengt, gibt es je nach Lage und Größe der Steine unterschiedliche Verfahren, diese zu entfernen und so einen guten Abfluss wiederherzustellen.

Bei einer Abszessbildung erfolgt eine operative Öffnung, um den Eiter zu entfernen.
Wenn ein Stein oder eine Verengung des Ausführgangs das Leiden verursacht, kann die Entzündung immer wiederkehren. Bei dieser chronischen Form der Erkrankung besteht die Gefahr, dass das Gewebe vernarbt und die Drüse zerstört wird. Der Arzt sucht deshalb bei jeder erneuten Entzündung nach den Auslösern, um diese zu behandeln.

Wenn bisherige Therapien nicht ausreichend wirken oder die Entzündung sich regelmäßig wieder neu bildet, kommt auch die Entfernung der Speicheldrüse infrage.

Prävention/Vorsorge der Speicheldrüsenentzündung

Einer Speicheldrüsenentzündung kann durch eine gründliche Zahnpflege und Mundhygiene vorgebeugt werden. Auch reichliches Trinken kann hilfreich sein. Mittel, die den Speichelfluss anregen, wie zum Beispiel saure Bonbons oder Zitronenstückchen, reinigen die Speicheldrüsen und können möglicherweise kleine Steine aus den Drüsen herausspülen.

Vor einer durch Viren ausgelösten Mumpserkrankung schützt eine Impfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt diese Impfung.

Disclaimer

Dieser Text dient ausschließlich der Information und soll Erkrankten und ihren Angehörigen erste Inhalte vermitteln, um einzelne Untersuchungs- und Therapieschritte besser verstehen zu können. Diese Informationen ersetzen keinen Arztbesuch und sind keine Aufforderung zur Selbstbehandlung und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden.
Der Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.


Erstellungsdatum: 1.10.2005
Letzte Aktualisierung: 01.07.2018

Herausgeber: Unabhängige Patientenberatung Deutschland, UPD

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