Speiseröhrendivertikel

Krankheitsbild Speiseröhrendivertikel

Was sind Speiseröhrendivertikel?
Als Speiseröhrendivertikel (Ösophagus-Divertikel) werden angeborene oder neu entstandene Ausstülpungen in der Speiseröhre bezeichnet. Speiseröhrendivertikel treten sehr selten auf und sind eine Erkrankung alter Menschen.

Entstehung
Divertikel können überall im Verdauungstrakt, an den Wänden der Speiseröhre, des Magens und des Darms entstehen, die aus mehreren Schichten Muskelgewebe zusammengesetzt und innen mit Schleimhaut ausgekleidet sind. Außer den Divertikeln in der Speiseröhre treten sie im Zwölffingerdarm (Duodenal-Divertikel) und – besonders häufig – im Dickdarm (Kolon-Divertikel) auf. Es werden allgemein zwei Typen von Divertikeln unterschieden: echte Divertikel und Pseudodivertikel. Bei echten Divertikeln (Traktionsdivertikeln) sind alle Schichten der Wand an der betreffenden Stelle ausgebuchtet, wohingegen sich bei einem Pseudodivertikel (Pulsionsdivertikel) lediglich die Schleimhaut durch eine Muskellücke nach außen vorstülpt. Sie werden deshalb auch als Schleimhauthernien (Schleimhautbrüche) bezeichnet.

Bei den Speiseröhrendivertikeln wird außerdem zwischen Divertikeln dicht oberhalb des Zwerchfells (epiphrenisch), solchen im Brustbereich der Speiseröhre (thorakal, parabronchial) und Divertikeln im unteren Teil des Rachens (Zenker-Divertikel) unterschieden. Während es sich bei den epiphrenischen und den Zenker-Divertikeln um Pseudodivertikel handelt, sind die seltener auftretenden thorakalen Divertikel im mittleren Teil der Speiseröhre echte Divertikel. Echte Divertikel entstehen durch entzündliche Veränderungen in der Umgebung der Speiseröhre, beispielsweise durch Tuberkulose. Sie treten sehr selten auf und rufen meistens keine Symptome hervor. Eine Behandlung erübrigt sich im Allgemeinen.

Pseudodivertikel entstehen als Folge eines dauerhaft erhöhten Drucks innerhalb der Speiseröhre, der durch eine in einem weiter entfernten Bereich der Speiseröhre vorliegenden Verengung (Stenose) beziehungsweise durch einen Verschluss (Obstruktion) bewirkt werden kann. Divertikel im unteren Bereich der Speiseröhre kommen üblicherweise beim Vorliegen einer Erkrankung vor, bei der der untere Speiseröhrenschließmuskel nicht richtig öffnet und auch die Beweglichkeit der Speiseröhrenmuskulatur in ihrer Funktion beeinträchtigt ist (Achalasie). Ein Zenker-Divertikel entsteht im Bereich des Überganges vom Rachen in die Speiseröhre infolge einer hier vorliegenden Muskelschwäche. Durch erhöhten Druck beim Schlucken wölben sich Schleimhaut und darunter liegende Schichten durch die Muskulatur nach außen. Bei vielen Patienten mit einem Zenkerschen Divertikel liegen auch Funktionsstörungen des Speiseröhren-Schließmuskels (Sphinkters) vor dem Übergang in den Magen vor, durch die es zum Rückfluss von Mageninhalt und Magensäure in die Speiseröhre kommt. Es handelt sich dabei allerdings nicht um die Ursache der Entwicklung eines Zenkerschen Divertikels.

Divertikel in der Mitte des Ösophagus oder noch weiter unten sind sehr selten und werden im Allgemeinen durch Einschnürungen der muskulären Wand der Speiseröhre beim Schlucken hervorgerufen.

Krankheitszeichen
Epiphrenische und thorakale, kleine Divertikel bewirken in der Regel keine Beschwerden. Andere, vor allem große Divertikel, verursachen aber auch zum Teil sehr unangenehme Beschwerden. Die Art der Beschwerden ist allerdings eher von der zugrunde liegenden Erkrankung der Speiseröhre als von der Größe der Divertikel abhängig. Divertikel der Speiseröhre und insbesondere Zenkersche Divertikel sind eine Erkrankung des höheren Lebensalters.

Halten die Divertikel Speisereste und Speichel zurück, können sie mit Schluckstörungen (Dysphagie), unangenehmem Atemgeruch (Halitosis) und dem Eindringen dieses Materials in die Atemwege (Aspiration) einhergehen. Die Betroffenen leiden an einem Druckgefühl im Brustkorb und müssen häufig aufstoßen. Typisch für das Zenker-Divertikel ist ein gurgelndes Geräusch beim Trinken von Flüssigkeit, die sich dabei in der Aussackung sammelt. Es besteht die Gefahr, sich beim Essen und Trinken zu verschlucken. Unverdaute Speisereste können erbrochen werden. Bei einem Zenkerschen Divertikel kann es zu einer von außen sichtbaren Vorwölbung am Hals kommen. Gelangen aufgestoßene Speisereste in die Lunge, kann dies eine Lungenentzündung (Pneumonie) zur Folge haben. Andere Komplikationen treten sehr selten auf. So können Speiseröhren-Divertikel bluten, einreißen und durchbrechen (perforieren), sich entzünden oder Verbindungsgänge (Fisteln) zu anderen Organen oder Strukturen ausbilden.

Diagnostik Speiseröhrendivertikel

In einem ausführlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient (Anamnese) fragt der Arzt beispielsweise nach den Beschwerden sowie eventuell vorliegenden Vor- und/oder Begleiterkrankungen.

Nach einer gründlichen körperlichen Untersuchung wird die Speiseröhre in einer bildgebenden Röntgenuntersuchung kontrolliert. Dabei wird der Körper mit Röntgenstrahlen bestrahlt, die von verschieden dichten Geweben unterschiedlich stark aufgenommen werden. So entsteht durch Verschattung und Aufhellung eine Abbildung des Körperinneren. Zur besseren Verbildlichung bekommt der Patient vor der Röntgenaufnahme ein Kontrastmittel verabreicht.

Im Anschluss an die Röntgenuntersuchung wird gegebenenfalls noch eine Spiegelung der Speiseröhre (Ösophagoskopie) mit einem sogenannten Endoskop durchgeführt. Ein Endoskop ist ein spezielles flexibles Instrument. Es besteht aus einem optischen System mit Objektiv und Okular, einer Lichtquelle und einer Spül- und Absaugvorrichtung. Unter Sicht schiebt der Arzt das Endoskop durch den Mund am Kehlkopf vorbei in die Speiseröhre vor. Durch eine Öffnung am Instrument können medizinische Instrumente für kleine operative Eingriffe oder zur Entnahme von Gewebeproben (Biopsien) eingeführt werden. Diese Biopsate können anschließend feingeweblich unter dem Mikroskop untersucht werden. Diese Spiegeluntersuchung mit der Entnahme von Gewebe ist vor allem wichtig, um die Bildung einer bösartigen Geschwulst in der Speiseröhre (Ösophagus-Karzinom) auszuschließen.

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