Zeckenstich

Zecken gibt es in ganz Deutschland. Die mit Abstand häufigste Form in Deutschland ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Andere Zeckenarten machen nur wenige Prozente aus.

Zecken kommen überall dort vor, wo es Pflanzen gibt: im Park, Wald oder Garten. Sie halten sich vor allem in Gräsern und Gebüsch in einer Höhe von zehn bis 50 Zentimetern über dem Boden auf. Selten sind sie in einer Höhe von mehr als einem Meter anzutreffen. Besonders schätzen sie feuchte Lebensräume.

Zecken befallen nicht nur den Menschen, sondern auch viele verschiedene Tierarten, unter anderem Rehe, Füchse, Mäuse und Weidetiere. Eine Zecke durchläuft drei Entwicklungsstadien: Larve, Nymphe, Adult (erwachsene Zecke). In jedem Stadium braucht sie eine Blutmahlzeit, um sich weiterentwickeln zu können. Auch wenn umgangssprachlich häufig von Zeckenbiss die Rede ist, ist die Bezeichnung Zeckenstich korrekter, da die Zecke Blut saugt.

Ein Zeckenstich erfolgt in der Regel nicht sofort, wenn die Zecke ihren Wirt gefunden hat – die Zecke läuft für längere Zeit (eine Stunde und mehr) auf dem Körper umher, um eine passende Stichstelle zu finden. Geeignet sind für die Zecke Stellen, an denen sie möglichst nicht gefunden und entfernt wird, zum Beispiel in Hautfalten, in der Achselhöhle, in der Leiste oder hinter den Ohren. Zecken bevorzugen auch Stellen, an denen die Kleidung eng anliegt, zum Beispiel Stellen, an denen Socken oder Unterwäsche getragen wird. Wenn die Zecke nicht unterbrochen wird, dauert der Saugakt bis zu einigen Tagen. Dann lässt sich die Zecke von ihrem Wirt abfallen.

Bisher gibt es keinen Nachweis, dass bestimmte Menschen besonders attraktiv für Zecken sind. Wenn ein Mensch häufige Zeckenstiche hat, ist das vermutlich eher verhaltensabhängig.

Krankheitszeichen − Symptome bei einem Zeckenstich

Ein Zeckenstich verursacht in der Regel keine Beschwerden. Manchmal juckt es an der Stichstelle oder es tritt unmittelbar nach dem Stich eine kleine Rötung auf, die durch Bestandteile des Speichels der Zecke hervorgerufen wird. Diese Rötung bildet sich innerhalb einiger Tage zurück.

Ein Zeckenstich an sich ist nicht gefährlich, nach dem Saugakt verlässt die Zecke ihren Wirt, ohne diesen weiter zu schädigen. Gefürchtet sind Zecken, weil sie Krankheiten übertragen können. In Deutschland spielen in diesem Zusammenhang die Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) eine Rolle. Sehr selten treten andere durch Zecken übertragene Krankheiten auf, zum Beispiel die humane granulozytäre Anaplasmose oder verschiedene Rickettsiosen.

Der Anteil mit Krankheitserregern infizierter Zecken ist regional sehr unterschiedlich: Nach Angaben des Robert Koch-Instituts tragen in FSME-Risikogebieten bis zu fünf Prozent der Zecken die FSME-Viren in sich. Aber auch außerhalb der gekennzeichneten Risikogebiete können vereinzelt FSME-Infektionen auftreten. Die sehr viel häufigeren Borrelien können in manchen Regionen bei bis zu 30 Prozent der Zecken nachgewiesen werden. Sie kommen überall in Deutschland vor.

Nicht jede infizierte Zecke überträgt die Erreger beim Saugakt. Das Risiko ist unter anderem davon abhängig, wie lange die Zecke saugt. Und auch wenn Krankheitserreger übertragen werden, verlaufen sowohl die Borreliose als auch die FSME häufig unbemerkt, ohne Symptome zu verursachen. Der Körper bildet Antikörper gegen die Erreger und macht diese unschädlich.

Krankheitssymptome treten also nur auf, wenn die Zecke mit dem Erreger infiziert war, dieser bei dem Stich übertragen worden ist und Symptome der Erkrankung ausbrechen. Insgesamt ist bei circa 0,3 bis 1,4 Prozent der Zeckenstiche mit Krankheitssymptomen zu rechnen.

Das häufigste Erstsymptom der Borreliose ist eine charakteristische Hautrötung, die sogenannte Wanderröte. Hierbei breitet sich eine ringförmige Rötung immer weiter um den Zeckenstich herum aus. Aber auch grippeähnliche Symptome, ausstrahlende Rückenschmerzen oder Gelenkschmerzen können bei der Borreliose auftreten. Manchmal zeigen sich die Symptome erst Monate bis Jahre nach der Infektion, diese können unter anderem das Nervensystem oder die Gelenke betreffen.

Bei einer FSME treten Fieber und grippeähnliche Symptome auf, zum Beispiel Kopfweh, Glieder- und Muskelschmerzen, allgemeine Abgeschlagenheit. Nach einer fieberfreien Pause kann es zu einer Beteiligung des zentralen Nervensystems kommen (Meningitis, Encephalitis), die mit hohem Fieber, Nackensteifigkeit, Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen oder Lähmungen einhergehen kann.

 

Was tun bei einem Zeckenstich?

Eine Zecke sollte schnellstmöglich entfernt werden, da das Übertragungsrisiko einer Borreliose mit zunehmender Saugdauer steigt. In den ersten Stunden des Saugaktes ist eine Übertragung der Borreliose sehr unwahrscheinlich. Die FSME hingegen kann bereits direkt zu Beginn des Saugens übertragen werden.

Zur Entfernung von Zecken gibt es verschiedene Hilfsmittel wie Pinzetten, Zeckenzangen oder Zeckenkarten. Diese sind zum Beispiel in Apotheken oder Drogerien erhältlich.

Wenn keine Hilfsmittel zur Hand sind, kann die Zecke mit den Fingerspitzen gegriffen und herausgezogen werden.

Wichtig ist es, die Zecke nah der Haut zu greifen und ihren Körper nicht zu quetschen. Manchmal sind mehrere Versuche erforderlich, um die Zecke zu lösen, leichtes Drehen kann dabei hilfreich sein. Die Drehrichtung ist nicht relevant und auch andere Maßnahmen, die als Tricks zur Zeckenentfernung kursieren, wie ein Einstreichen der Zecke mit Öl oder Kleber, werden nicht empfohlen.

Manchmal verbleibt ein Teil des Stechapparates der Zecke in der Haut, umgangssprachlich wird oft von dem „Kopf“ der Zecke gesprochen. Von diesem Zeckenrest geht keine weitere Übertragungsgefahr für Krankheiten aus. Er wird in der Regel vom Körper abgestoßen und fällt nach einiger Zeit ab. Wie alle Fremdkörper kann sich ein solches Überbleibsel entzünden, in diesem Fall sollte es vom Arzt entfernt und behandelt werden. Mit Desinfektionsmittel aus der Apotheke kann man auch selbst die Haut nach Entfernung einer Zecke desinfizieren, um Entzündungen zu vermeiden.

Nach Entfernung der Zecke sollte die betroffene Hautstelle über mehrere Wochen beobachtet werden. Eine leichte Rötung der Einstichstelle über einige Tage ist normal. Eine sich ausbreitende, größer werdende Rötung oder eine nach einigen Tagen neu auftretende Rötung sollte vom Arzt beurteilt werden. Manchmal ist es hilfreich, die Rötung zu fotografieren oder mit einem Stift zu markieren, sodass man Veränderungen leichter feststellen kann.

Nicht jeder Zeckenbiss muss von einem Arzt geprüft werden. Eine vorbeugende Antibiotika-Behandlung oder eine Untersuchung der Zecke auf Infektionserreger wird nicht empfohlen, da die Nachweismethoden hierfür unsicher sind und auch eine befallene Zecke nicht bei jedem Stich den Erreger überträgt. Darüber hinaus bricht bei vielen Menschen, die mit FSME oder Borrelien in Kontakt kommen, die Erkrankung gar nicht aus; eine Behandlung erfolgt daher nur, wenn entsprechende Symptome auftreten.

Bei Beschwerden − zum Beispiel bei grippeähnlichen Symptomen, Hautveränderungen oder neurologischen Symptomen − sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, ebenso, wenn Unsicherheit bezüglich der Situation besteht. Als Ansprechpartner kommt zunächst der Hausarzt infrage. Je nach Symptomatik können auch andere Fachärzte hinzugezogen werden, zum Beispiel ein Dermatologe bei Hautveränderungen oder ein Neurologe bei Symptomen wie Kopfschmerzen, ausstrahlenden Schmerzen oder Lähmungen.

Prävention/Vorsorge

Einfache Verhaltensmaßnahmen helfen, das Risiko für Zeckenstiche zu senken: Geschlossene Schuhe, langärmlige Hemden und lange Hosen sowie über die Hosenbeine gezogene Strümpfe verwehren den Zecken den Zutritt. Auf heller Kleidung sind Zecken leichter erkennbar und können direkt entfernt werden. Auch zeckenabweisende Mittel können unterstützend eingesetzt werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass diese keinen absoluten Schutz bieten und die Wirkung zeitlich begrenzt ist. Im Anschluss an einen Aufenthalt in der Natur sollte der Körper gründlich nach Zecken abgesucht werden, sodass diese frühzeitig oder sogar noch, bevor sie stechen, entfernt werden können.

Gegen FSME ist darüber hinaus eine Schutzimpfung möglich. Sie wird für Menschen empfohlen, die sich viel im Freien aufhalten und in Risikogebieten leben oder dorthin reisen, sowie für Personen, die durch FSME beruflich gefährdet sind (zum Beispiel Waldarbeiter).

Disclaimer

Dieser Text dient ausschließlich der Information und soll Erkrankten und ihren Angehörigen erste Inhalte vermitteln, um einzelne Untersuchungs- und Therapieschritte besser verstehen zu können. Diese Informationen ersetzen keinen Arztbesuch und sind keine Aufforderung zur Selbstbehandlung und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden.

Der Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

quellen


Erstellungsdatum: 01.08.2018
Letzte Aktualisierung: 01.08.2018

Herausgeber: Unabhängige Patientenberatung Deutschland, UPD

Sie haben Fragen und wünschen eine persönliche Beratung zu gesundheitlichen und gesundheits- sowie sozialrechtlichen Themen?

Unsere UPD-Experten beantworten Ihre Fragen:

Wichtiger Hinweis: Bitte schicken Sie uns keine Original-Unterlagen mit der Post zu, sondern ausschließlich Kopien. Wir können leider keine Rücksendung Ihrer Unterlagen vornehmen. Aus Datenschutzgründen werden Ihre Dokumente nach der Bearbeitung Ihres Anliegens ordnungsgemäß vernichtet.

© 2017 UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH – Dieses gesundheitsbezogene Informationsangebot dient lediglich Ihrer Information und ersetzt in keinem Fall eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt. Die zur Verfügung gestellten Inhalte können und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden.