Ist Ihr Kind ein Zappelphilipp?

Das verbirgt sich hinter der Diagnose ADHS

Was bedeutet ADHS?

Die Abkürzung ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Es handelt sich dabei um eine Verhaltensstörung, die mit einer verminderten Fähigkeit zur Selbststeuerung einhergeht. Die Erkrankung kann schon in den ersten fünf Lebensjahren auftreten. Die frühe Erkennung der Krankheit und die frühzeitige richtige individuelle Behandlung des Kindes sind wichtig. Deshalb sollten Eltern aufmerksam werden, wenn das Kind in sehr ausgeprägter Form und über einen längeren Zeitraum die Hauptmerkmale von ADHS zeigt:

  • Unaufmerksamkeit,
  • Impulsivität und
  • Hyperaktivität.

So kann es zum Beispiel sein, dass ein Kind in der Schule unaufmerksam ist, sich zu leicht von anderen Dingen ablenken lässt oder viele Flüchtigkeitsfehler bei der Schularbeit macht. Auch in der Freizeit fällt es betroffenen Kindern oft schwer, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Meist vergessen oder verlieren sie Dinge, sind unruhig, rutschen dauernd auf dem Stuhl herum oder tun sich schwer, leise zu sein. Allerdings ist es wichtig, festzustellen, dass nicht jedes unkonzentrierte, lebhafte und laute Kind an ADHS leidet, denn die Übergänge von „schwierigem Verhalten“ zu ADHS sind fließend. Manche Verhaltensweisen können durchaus zur normalen Entwicklung des Kindes gehören.

Welche Ursachen hat ADHS?

Die genauen Ursachen sind noch nicht abschließend erforscht. Experten gehen aber davon aus, dass es nicht nur eine einzelne Ursache gibt. Gesichert ist die Erkenntnis, dass der Transport von Botenstoffen an den Nervenzellen im Gehirn verändert ist – und zwar in den Bereichen, die unter anderem für die Gedächtnis- und Lernfunktion wichtig sind. Das hat zur Folge, dass Reize ungehindert auf die Kinder einströmen und vom Gehirn nicht richtig verarbeitet werden. Experten vergleichen die Situation gerne mit einem Telefon, auf das zehn Anrufe zur selben Zeit geschaltet sind. Der Teilnehmer versteht alles nur bruchstückhaft und kann nicht zwischen Unwichtigem und Wichtigem unterscheiden. Wichtig zu wissen: ADHS hat keinen Einfluss auf die Intelligenz eines Kindes oder Jugendlichen.

Wahrscheinlich ist die Ursache für diese Störung unter anderem genetisch bedingt, es können jedoch auch Störungen in der Schwangerschaft und Umweltfaktoren als Ursachen hinzukommen. Die Krankheitszeichen einer ADHS können sich bei Stress oder in Situationen, in denen besonders viele Eindrücke auf ein Kind einströmen, verstärken – etwa auf einer Familienfeier oder bei einer Urlaubsreise.

Einige Fachleute machen unsere schnelllebige Zeit für den Anstieg der Erkrankung mitverantwortlich: Fernsehen, DVD, Smartphone und Computer führen oft zu einer Reizüberflutung. Gleichzeitiger Bewegungsmangel sowie der zunehmende Leistungsdruck in der Schule stehen ebenfalls in dem Verdacht, die Entstehung von ADHS zu begünstigen. Ob diese Theorien stimmen, ist bislang allerdings ungeklärt.

ADHS ist nicht gleich ADHS – oft ist die Diagnose schwierig!

Die Diagnose von ADHS ist nicht immer einfach, weil sich die Ausprägungen sehr stark unterscheiden. Nicht jedes Kind, das unkonzentriert, lebhaft und laut ist, leidet an ADHS. Die Übergänge von schwierigem Verhalten zu ADHS sind fließend und nur schwer zu erkennen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die Diagnose von Experten gestellt wird – wie zum Beispiel von Fachärzten für Kinder- und Jugendmedizin oder für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Diagnosestellung ADHS erfolgt nach festgelegten Kriterien. Dabei werden unter anderem psychologische Tests und Fragebögen eingesetzt.

In den letzten Jahren ist die Zahl der ADHS-Diagnosen stetig angestiegen. Kritiker dieser Entwicklung befürchten, dass die Diagnose mitunter zu schnell gestellt wird. Das kann unnötige Behandlungen zur Folge haben und dem Kind dadurch schaden. Andererseits gibt es aber auch Kinder und Jugendliche mit ADHS, bei denen die Erkrankung nicht festgestellt wird. Das hat zur Folge, dass diese Kinder keine Behandlung erhalten, obwohl sie ihnen helfen könnte. Eine sorgfältige Diagnosestellung ist daher sehr wichtig!

ADHS ist behandelbar! Therapiemöglichkeiten im Überblick

ADHS ist bislang nicht heilbar. Es gibt aber viele Therapien, die helfen können. Fachleute empfehlen meist eine Kombination von mehreren Therapieansätzen.

Bei Kindern mit leichten Erkrankungsformen reicht oft schon eine Elternschulung aus. Im Rahmen von Therapieprogrammen lernen Eltern, die Störung besser zu verstehen und mit den alltäglichen Problemen umzugehen.

Bei einer mittelschweren bis schweren ADHS kann eine Familien- oder Verhaltenstherapie sinnvoll sein. Dies gilt vor allem dann, wenn die schulischen Leistungen nachlassen und das Kind durch sein Verhalten zum Außenseiter wird. In Gruppen- oder Einzelbehandlung können betroffene Kinder lernen, ihr Verhalten besser zu kontrollieren. Solche Trainings werden zum Beispiel von Erziehungsberatungsstellen und von Kinder- und Jugendpsychotherapeuten angeboten. Auch Lehrer und Erziehungspersonal können sich schulen lassen.

Die Behandlung mit Medikamenten wird von Ärzten nur bei stark ausgeprägten Symptomen empfohlen und wenn andere Maßnahmen nicht erfolgreich waren. Häufig werden Medikamente mit dem Wirkstoff Methylphenidat verschrieben. Sie können dabei helfen, die Aufmerksamkeit und Konzentration zu erhöhen und impulsives Verhalten zu verringern. Ein anderer Wirkstoff ist Atomoxetin. Er kann impulsives Verhalten positiv beeinflussen und die Aufmerksamkeit erhöhen. Die Wirkung von Methylphenidat tritt sofort ein und hält je nach Verordnung nur etwa vier Stunden oder einen ganzen Tag an, während Atomoxetin erst nach etwa sechs Wochen Einnahme wirksam wird und je nach Wirkung stärker dosiert werden muss. Wichtig: Der Arzt sollte die medikamentöse Behandlung von ADHS in regelmäßigen Abständen überprüfen und anpassen.

Können auch Erwachsene an ADHS leiden?

Ja. Man weiß heute, dass auch Erwachsene betroffen sein können. Tatsache ist auch, dass die Störung nicht erst im Erwachsenenalter beginnt, sondern bereits im Kindesalter bestanden haben muss. Etwa 50 von 100 Betroffenen haben zumindest teilweise noch mit ADHS-Symptomen zu tun, wenn sie erwachsen sind. Ungefähr 15 von 100 erfüllen auch noch als Erwachsene die vollständigen ADHS-Diagnosekriterien. Zwar geht die im Kindesalter oft stark ausgeprägte Hyperaktivität bei vielen im Laufe der Zeit zurück. Einige verspüren aber auch noch im Erwachsenenalter eine innere Unruhe oder Rastlosigkeit.

Viele Eltern von Kindern mit ADHS sind besonderen Belastungen ausgesetzt und zweifeln oft an ihren erzieherischen Fähigkeiten. Sie sind überfordert und erschöpft und ziehen sich häufig aus ihrem sozialen Umfeld zurück. Das führt zur Isolation, die sich ungünstig auf das Familienleben auswirkt. Aber auch die Kinder leiden, weil sie sich unverstanden und abgelehnt fühlen. Oft mangelt es ihnen an Selbstvertrauen, weil sie überall unangenehm auffallen und viel Kritik einstecken müssen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann diesen Teufelskreis durchbrechen.

Den Alltag bewältigen – Tipps für Eltern

  • Klare Regeln und Grenzen
    Für Kinder mit ADHS sind verlässliche und liebevolle Bindungen besonders wichtig. Wichtig ist aber auch, dass eindeutige Grenzen gesetzt werden. Wenige klare und konsequente Regeln in der Familie und berechenbare Abläufe geben dem Kind Orientierung und Sicherheit. Achten Sie auf einen geregelten Tagesablauf mit festen Mahlzeiten, einer vorgegebenen Schlafenszeit sowie anderen festgelegten Ritualen.
  • Konkrete Anweisungen geben und Lob aussprechen
    Statt „Bitte räum dein Zimmer auf“ ist es besser zu sagen: „Bitte räum dein Spielzeug in die Kiste und mach dein Bett!“ Folgt das Kind Ihren Anweisungen, ist es wichtig, dass es gelobt wird.
  • Realistische Ziele setzen
    Setzen Sie Ihrem Kind realistische Ziele, die es auch erreichen kann – zum Beispiel in der Schulpause mit anderen Kindern zu spielen, ohne in einen Konflikt zu geraten. Loben Sie Ihr Kind, wenn es das Ziel erreicht hat. Solche Erfolgserlebnisse steigern sein Selbstwertgefühl.
  • Reizüberflutung vermeiden
    Ein reizarmes Kinderzimmer ohne Fernseher oder Computer hilft dem Kind, sich besser zu konzentrieren und leichter einzuschlafen.
  • Sport und Bewegung
    Vielen Kindern hilft Bewegung, um sich auszutoben und überschüssige Energie abzubauen. Am besten werden solche sportlichen Aktivitäten für den Nachmittag eingeplant. Abends sollte Ruhe einkehren, damit es nicht zu Einschlafproblemen kommt, weil die Kinder überdreht sind.
  • Austausch mit anderen Eltern
    Hilfreich ist oft der Austausch mit anderen betroffenen Eltern in Selbsthilfegruppen. Tipps und Anregungen von anderen können entlastend und ermutigend sein. Wichtig ist, sich klar zu machen, dass das Verhalten des Kindes keine Absicht ist und nichts mit seinem Charakter zu tun hat.

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