Hepatitis: Oft verläuft sie schleichend und unentdeckt

Was Sie über die Leberentzündung wissen sollten

Hepatitis ist der Fachausdruck für eine Entzündung der Leber. Sie kann viele verschiedene Ursachen haben. Zu den häufigsten gehören eine Infektion mit Hepatitis-Viren, übermäßiger Alkoholkonsum, Zucker- und Fettstoffwechselstörungen bei Übergewicht, Autoimmunerkrankungen und Medikamente. Neben den unterschiedlichen Ursachen wird zwischen einer akuten und chronischen Hepatitis unterschieden.

Hepatitis – viele mögliche Ursachen

Eine Leberentzündung kann viele verschiedene Ursachen haben. Zu den häufigsten gehören Infektionen mit Viren. Daneben gibt es weitere mögliche Ursachen, zum Beispiel: 

  • Fettleber
    Durch übermäßigen Alkoholkonsum werden Leberzellen zerstört oder verändert. Eine alkoholische Fettleber ist oft die Folge. Wird weiter Alkohol konsumiert, kann sich die Leber entzünden. Es gibt auch eine nicht-alkoholische Fettleber-Hepatitis, die durch Fettleibigkeit und Diabetes verursacht wird.
  • Leberschädigende Medikamente
    Toxische Leberschäden durch Medikamente sind selten, wenn sich Patienten an die vorgeschriebene Dosierung und Therapiedauer halten. Gefährdet sind Menschen, die mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen und dies nicht ärztlich kontrollieren lassen.
  • Immunologische Erkrankungen
    Angeborene Störungen, Strahlentherapie, Entzündungen der Gallenwege
  • Infektionen mit Bakterien, Parasiten oder Pilzen
  • Sehr selten angeborene Stoffwechselstörungen

Zwei Verlaufsformen der Hepatitis

Die akute Hepatitis
Die akute Hepatitis lässt sich in drei Phasen einteilen:

  • Frühphase
    Hier zeigen sich meist unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und manchmal auch ein Druckschmerz im rechten Oberbauch. Die Symptome sind leicht mit einer Erkältung oder Grippe zu verwechseln. 
  • Gelbsucht-Phase
    Jetzt kommt es oft zu den typischen Anzeichen einer akuten Lebererkrankung wie Gelbverfärbung der Augen und später eventuell auch der Haut. Des Weiteren kann der Stuhl eine fast weiße Farbe annehmen und der Urin sehr dunkel verfärbt sein.
  • Erholungs-Phase
    Meist verschwinden die Symptome einer akuten Hepatitis nach einiger Zeit ohne ärztliche Behandlung.

Die chronische Hepatitis
Oft wird eine chronische Leberentzündung durch Hepatitis-Viren ausgelöst. Wichtig zu wissen: Hepatitis A wird nie chronisch. Dagegen können Hepatitis B, C, D und selten auch E einen chronischen Verlauf nehmen. Eine chronische Hepatitis liegt vor, wenn die Entzündung länger als sechs Monate anhält. Meist verläuft sie ohne Symptome. Es kommt vor, dass Patienten über starke Müdigkeit trotz ausreichendem Schlaf und einen Druckschmerz im Oberbauch berichten. Wird eine chronische Lebererkrankung nicht ausreichend therapiert, kann das zu einer Vernarbung der Leber führen, einer Zirrhose. Sie entwickelt sich über Jahre bis Jahrzehnte hinweg. Im fortgeschrittenen Stadium der Zirrhose kann es zu Komplikationen wie Wasserbauch, Gehirnstörungen, inneren Blutungen, Organversagen und Leberkrebs kommen. Im Endstadium der Erkrankung hilft nur noch eine Lebertransplantation.  

Die fünf Formen der Virus-Hepatitis

Laut Angaben der Deutschen Leberstiftung leiden hierzulande etwa eine Million Menschen an einer Leberentzündung, die durch Hepatitis-Viren hervorgerufen wurde. Deutlich weniger als die Hälfte der Betroffenen weiß etwas davon und nur etwa zehn bis 20 von Hundert erhalten eine adäquate Behandlung. Es gibt fünf verschiedene Formen einer Virus-Hepatitis: A, B, C, D und E.

  • Hepatitis A – ein böses Reiseandenken
    Hepatitis-A-Viren lauern gerne im menschlichen Stuhlgang und werden hauptsächlich durch verunreinigte Nahrungsmittel und verschmutztes Leitungswasser sowie Schmierinfektionen übertragen. Rohe Muscheln, Austern und andere Meeresfrüchte sind häufige Überträger – vor allem dann, wenn sie an Küsten gezüchtet werden, wo  Fäkalien ins Meer gelangen.

    In den meisten Fällen heilt Hepatitis A ohne Behandlung schnell ab. Nur selten treten schwere Krankheitsverläufe auf. Eine Infektionsgefahr besteht vor allem in Ländern mit geringen Hygienestandards. Bei Reisen in Risikogebiete ist besonders bei Lebensmitteln Vorsicht geboten. „Koch es, brat es, schäl es oder vergiss es!“, lautet eine Regel. Doch auch, wenn diese Maßnahmen durchgeführt werden, besteht noch ein Ansteckungsrisiko. Aus diesem Grund kann eine Impfung sinnvoll sein. Wer eine Reise in gefährdete Gebiete wie die Mittelmeerländer, Asien, Afrika, Mittel- und Südamerika plant, kann sich gegen die Krankheit impfen lassen. Die Immunisierung besteht aus zwei Spritzen im Abstand von sechs Monaten. Es gibt heute einen Impfstoff, der gleichzeitig vor Hepatitis A und B schützt. In diesem Fall sind drei Spritzen notwendig.
     
  • Hepatitis B – eine der häufigsten Infektionskrankheiten
    Hepatitis B ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten weltweit. Die Ansteckung erfolgt vor allem durch Blut und andere Körperflüssigkeiten wie Sperma oder Vaginalsekret. Meist wird das Virus beim Sex übertragen. In Deutschland kommt die Erkrankung selten vor: Weniger als einer von 100 Menschen leidet hierzulande an einer Hepatitis-B-Infektion. Meist heilt eine akute Infektion ohne Behandlung nach spätestens sechs Monaten von selbst aus.

    Wer einmal eine akute Hepatitis-B-Infektion überstanden hat, ist lebenslang dagegen immun. Allerdings gibt es auch Fälle, in denen die Infektion dauerhaft bestehen bleibt und sich eine chronische Hepatitis entwickelt. Wird sie nicht behandelt, können Leberschäden und Leberkrebs die Folgen sein. Mit modernen Medikamenten können heute fast alle Patienten erfolgreich behandelt werden. Gegen Hepatitis B gibt es eine Impfung (Einzel-Impfstoff oder Kombi-Impfstoff Hepatitis A und B), die der Erkrankung vorbeugen kann. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Hepatitis-B-Impfung bei Säuglingen und Kleinkindern sowie bei Erwachsenen aus gefährdeten Personengruppen wie HIV-Positive, Dialysepatienten, Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, Personal in medizinischen Einrichtungen. 
     
  • Hepatitis C – große Fortschritte bei der Therapie
    Wie bei Hepatitis B erfolgt die Ansteckung über Blut oder andere Körperflüssigkeiten wie Speichel, Tränen oder Sperma. Es gibt sechs verschiedene Formen von Hepatitis-C-Viren (Genotypen 1 bis 6 genannt), die selbst noch unterschiedliche Subgruppen bilden. Deshalb ist eine effektive Immunabwehr schwierig. Bei bis zu 80 von 100 betroffenen Patienten nimmt die Krankheit einen chronischen Verlauf: Es entwickelt sich eine dauerhafte Entzündung der Leber, die zu einer Schrumpfleber, einer sogenannten Zirrhose, führen kann. Auch das Risiko für Leberkrebs steigt. Bislang gibt es zwar keinen Impfstoff gegen das Hepatitis-C-Virus. Dank einer Vielzahl von neuen Medikamenten ist es aber heute möglich, über 90 von Hundert der Patienten mit chronischer Hepatitis C zu heilen.

    Diesen großen medizinischen Fortschritt verdanken wir einer neuen Therapieform mit verschiedenen Substanz-Kombinationen. Die neuen Medikamente haben den Vorteil, dass deutlich weniger Nebenwirkungen auftreten als bei den bisherigen Therapien, die zum Teil sehr ausgeprägte Nebenwirkungen hatten. Ziel der etwa zwei bis drei Monate dauernden Behandlung ist es, die Vermehrung des Virus zu stoppen und Folgeerkrankungen zu vermeiden.
     
  • Hepatitis D – das gefährlichste Hepatitis-Virus
    Eine Hepatitis-D-Infektion tritt immer zusammen mit einer Hepatitis-B-Infektion auf und wird über Blut, Blutprodukte und nur selten beim Sex übertragen. Die chronische Hepatitis D kommt hierzulande selten vor. Es handelt sich um die schwerste Form aller virusbedingten Hepatitis-Erkrankungen. Die Entwicklung zur Leberzirrhose verläuft schnell. Nur etwa 25 Prozent der Patienten können erfolgreich behandelt werden. An neuen Medikamenten wird intensiv geforscht. Einen aktiven Schutz gegen Hepatitis D bietet die Impfung gegen Hepatitis B.  
     
  • Hepatitis E – keine Exotenkrankheit
    In Deutschland galt Hepatitis E lange Zeit als Exotenkrankheit. Neuen Schätzungen zufolge ist sie jedoch hierzulande weitverbreitet. Jeder sechste Bundesbürger hat Untersuchungen zufolge bereits eine Infektion durchgemacht. Das Virus wird, wie auch die Hepatitis A, durch verunreinigte Lebensmittel – zum Beispiel durch den Verzehr von rohem Fleisch wie Schweinemett – und verseuchtes Wasser übertragen. Bei vielen Menschen verläuft eine Infektion unbemerkt, und es treten keinerlei Krankheitsanzeichen auf. In 99 Prozent der Fälle heilt sie folgenlos aus. Eine Infektion mit dem Hepatitis-E-Virus (HEV) und die daraus folgende Lebererkrankung ist vor allem für Schwangere, Personen mit Vorschädigungen der Leber, Krebspatienten, Transplantierte sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich. Wer das Risiko einer HEV-Infektion minimieren möchte, sollte auf den Verzehr roher Fleischprodukte wie Mett und kurzgereifter Rohwürste (zum Beispiel frische Mettwurst) verzichten und die Lebensmittel durch Kochen oder Braten ausreichend erhitzen. Dadurch wird das Virus zerstört und eine Infektion unwahrscheinlich.

Was Sie für Ihre Leber tun können

Mit ihren bis zu 1,5 Kilogramm ist die Leber das schwerste innere Organ und die größte Drüse unseres Körpers. Das Multitalent erfüllt zahlreiche lebenswichtige Aufgaben – vom Entgiften des Körpers über die Regulierung des Fett- und Zuckerstoffwechsels bis hin zur Produktion von täglich fast einem Liter Gallensaft. Auch das Immunsystem und die Blutgerinnung werden von der Leber mitkontrolliert. Das Problem: Ist die Leber krank, merken wir das lange Zeit nicht, denn sie hat keine Schmerz-Rezeptoren.

Wer seiner Leber etwas Gutes tun möchte, sollte folgende Tipps beherzigen:

  • Alkohol nur in Maßen
    Die Leber trägt die Hauptlast beim Abbau von Alkohol. Daher sollte er nur in Maßen konsumiert werden. Empfehlung von Experten: Gesunde Männer dürfen täglich maximal 30 Gramm reinen Alkohol (entspricht zwei kleineren Gläsern Bier) konsumieren, Frauen maximal 20 Gramm. Wichtig ist auch, immer mal wieder Alkoholpausen einzulegen, damit sich die Leberzellen regenerieren können. Versuchen Sie, an zwei bis drei Tagen pro Woche auf Alkohol zu verzichten.
  • Vorsicht mit Medikamenten
    Jedes Medikament, das wir einnehmen, wandert auch durch die Leber. Ist sie bereits vorgeschädigt, kann das eine zusätzliche Belastung sein. Befolgen Sie deshalb die vom Arzt verordnete Medikamenteneinnahme und lesen Sie den Beipackzettel genau durch.
  • Regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung
    Bewegen Sie sich regelmäßig, und achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit täglich frischem Obst und Gemüse. Durch Bewegung wird die Leber besser durchblutet und die Entgiftung gefördert. Sport und gesunde Ernährung helfen auch dabei, Übergewicht zu vermeiden und beugen somit einer Fettleber vor.
  • Impfen lassen
    Gegen Hepatitis A und B gibt es eine Impfung. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Hausarzt, ob diese für Sie sinnvoll ist.
  • Regelmäßiger Arztbesuch
    Gehen Sie einmal im Jahr zum Arzt und lassen Sie dabei auch die Leberwerte, Blutfette und den Blutzuckerwert bestimmen. Lassen Sie allgemeine Beschwerden wie andauernde Müdigkeit, Konzentrationsstörungen sowie Druckgefühl im rechten Oberbauch ärztlich abklären.

Welt-Hepatitis-Tag: 28. Juli 2016

„NoHep − für eine Welt ohne Hepatitis“ lautet das Motto des diesjährigen Welt-Hepatitis-Tages. „NoHep“ bezeichnet eine weltweite Kampagne der World Hepatitis Alliance, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützt wird. Nach dem Willen der WHO sollen Hepatitis B und C bis zum Jahre 2030 weltweit eliminiert sein. Dazu wurde am 28. Mai 2016 in London eine globale Strategie verabschiedet, die eine Vielzahl von Vorsorge- und Behandlungszielen umfasst. Ziel ist es, die Todesfälle pro Jahr um 65 Prozent zu reduzieren und die Behandlungen um 80 Prozent zu erhöhen. Dies würde bis zum Jahr 2030 weltweit 7,1 Millionen Leben retten. Weltweit sind derzeit 400 Millionen Menschen von viraler Hepatitis betroffen.

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