Leben mit Herzschwäche

Was Patienten wissen sollten

Laut Angaben der Deutschen Herzstiftung leiden hierzulande etwa 1,8 Millionen Menschen unter einer Herzschwäche, medizinisch Herzinsuffizienz genannt. Die Erkrankung kann akut auftreten, etwa nach einem Herzinfarkt, oder sich über einen langen Zeitraum entwickeln, zum Beispiel durch dauerhaft zu hohen Blutdruck. Die meisten Menschen mit einer Herzinsuffizienz sind nach dem 65. Lebensjahr von dieser Erkrankung betroffen.

Was versteht man unter einer Herzinsuffizienz/Herzschwäche?

Unser Herz pumpt täglich zwischen 7.000 und 10.000 Liter Blut durch unseren Körper. Diese enorme Leistung kann es nur vollbringen, wenn es fit und leistungsfähig ist.

Bei einer Herzinsuffizienz ist das Herz geschwächt und pumpt nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper. Das kann zur Folge haben, dass Organe, Muskeln und andere Gewebe nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgt werden. Die Herzinsuffizienz gehört in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen.

Eine chronische Herzschwäche ist keine eigenständige Krankheit, sondern die Folge anderer Herzerkrankungen. Bei 70 von 100 Patienten entwickelt sie sich aus der sogenannten koronaren Herzkrankheit (KHK) oder ist eine Folge von Herzinfarkten – ein langjährig zu hoher Blutdruck spielt bei der Entstehung häufig eine wichtige Rolle.

Die KHK ist eine Erkrankung, bei der die Herzkranzgefäße oder Koronararterien nicht mehr in der Lage sind, das Herz ausreichend mit sauerstoffreichem Blut zu versorgen. Häufigste Ursache ist die sogenannte Arteriosklerose, umgangssprachlich Gefäßverkalkung genannt.

Cholesterin, kleine Blutgerinnsel und Bindegewebe lagern sich an den Innenwänden der Gefäße ab. Dies verringert den inneren Gefäßdurchmesser. Ein Herzinfarkt kann die Folge sein – hier sterben ganze Abschnitte des Herzmuskels ab und vernarben.

Herzschwäche – Risikofaktoren vermeiden

Zu den wichtigsten Risikofaktoren für eine Herzinsuffizienz gehören

  • hoher Blutdruck
  • Koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Rauchen
  • Diabetes mellitus
  • starkes Übergewicht (Adipositas)
  • familiäre Veranlagung für seltenere Herzerkrankungen      

Einige dieser Faktoren können durch unser eigenes Handeln beeinflusst und damit vermieden werden.

Formen und Schweregrade der Herzinsuffizienz

Je nachdem, welche Herzhälfte betroffen ist, sprechen Experten von Rechtsherz- oder Linksherzinsuffizienz. Die Linksherzinsuffizienz kommt am häufigsten vor. Dabei ist die Pumpfunktion der linken Herzkammer eingeschränkt. Bei einer Rechtsherzinsuffizienz arbeitet die rechte Herzhälfte nicht mehr richtig.  

Bei der sogenannten globalen Herzinsuffizienz ist das ganze Organ erkrankt. Beide Herzhälften sind zu schwach, um eine ausreichende Menge Blut zu befördern.

Schweregrade der Herzinsuffizienz

Welche Symptome im Einzelfall auftreten, hängt von Art und Schweregrad der Herzschwäche ab. Nach der sogenannten NYHA-Klassifizierung (New York Heart Association) lassen sich vier Schweregrade der chronischen Herzinsuffizienz voneinander unterscheiden

  • Schweregrad 1 (asymptomatisch): Herzerkrankung ohne körperliche Einschränkung. Körperliche Alltagsbelastungen verursachen noch keine Symptome wie Erschöpfung, Herzrhythmusstörungen oder Atemnot. Diagnostische Tests zeigen aber eine verringerte Herzleistung.
  • Schweregrad 2 (leicht): Herzerkrankung mit leichter Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Keine Beschwerden im Ruhezustand sowie bei geringer Anstrengung. Bei stärkerer körperlicher Belastung wie zum Beispiel beim Treppensteigen oder Bergaufgehen treten Symptome wie Erschöpfung, Herzrhythmusstörungen oder Atemnot auf.
  • Schweregrad 3 (mittelschwer): Herzerkrankung mit höhergradiger Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Keine Beschwerden im Ruhezustand. Bereits eine geringe körperliche Belastung wie Gehen in der Ebene verursacht Erschöpfung, Herzrhythmusstörungen oder Atemnot.
  • Schweregrad 4 (schwer): Herzerkrankung mit Beschwerden bei allen körperlichen Aktivitäten und auch in Ruhe. Bettlägerigkeit.

Je früher eine Herzinsuffizienz erkannt wird, desto besser kann die Erkrankung durch eine geeignete Therapie aufgehalten oder verlangsamt werden.

Symptome einer Herzinsuffizienz

Bei diesen möglichen Alarmsignalen sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen:

  • Atemnot und Kurzatmigkeit bei Belastung, zum Beispiel beim Treppensteigen, können Symptome einer Linksherzinsuffizienz sein. Bei körperlicher Anstrengung benötigt der Körper mehr Sauerstoff und das Herz muss kräftiger schlagen. Ein geschwächter Muskel schafft das nicht mehr. Bei schwerer Herzschwäche tritt Atemnot auch in Ruhe auf (siehe Stadien der Herzinsuffizienz) und macht flaches Liegen unmöglich. Betroffene können nur schlafen, wenn der Oberkörper hochgelagert wird. 
  • Wassereinlagerungen (medizinisch Ödeme) im Körper, zum Beispiel an Füßen und Beinen sowie eine plötzliche Gewichtszunahme sind mögliche Anzeichen einer Rechtsherzinsuffizienz. Ödeme können entstehen, wenn sich das Blut vor dem Herzen staut. Durch den erhöhten Druck kann Wasser aus den Venen in das umliegende Gewebe gelangen und zum Beispiel in den Beinen versacken. Experten empfehlen Patienten, sich jeden Tag unter den gleichen Bedingungen (zum Beispiel vor dem Frühstück) zu wiegen. An einer Gewichtszunahme von mehr als zwei Kilo innerhalb von drei Tagen könnten vermehrte Wassereinlagerungen schuld sein, die auf eine Verschlechterung der Herzfunktion hinweisen. Dann sollte der behandelnde Arzt verständigt werden.
  • häufiges nächtliches Wasserlassen als Folge der Ödeme. In der Nacht gelangt das Wasser aufgrund der veränderten Schwerkraftwirkung aus den Beinen wieder in die Blutbahn und wird über Niere und Blase ausgeschieden.

Weitere Anzeichen einer Herzschwäche sind

  • Erschöpfung und Abgeschlagenheit
  • schneller oder unregelmäßiger Herzschlag
  • reduzierte Leistungsfähigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern
  • Blässe, kalte Hände und Füße
  • Brustschmerzen oder Beklemmungsgefühl in der Brust

Diagnose und Behandlung einer Herzschwäche

Für die Diagnose einer Herzschwäche stehen dem Arzt verschiedene Verfahren zur Verfügung. Die wichtigste Verfahren ist die Ultraschalluntersuchung des Herzens, die sogenannte Echokardiografie. Sie ist für den Patienten völlig schmerzfrei.

Die Therapie einer Herzinsuffizienz stützt sich auf mehrere Säulen:

  • Grunderkrankung behandeln: Zunächst ist es wichtig, die Grunderkrankung zu behandeln, zum Beispiel eine koronare Herzkrankheit (KHK), eine Herzrhythmusstörung oder Bluthochdruck.
  • Gabe von Medikamenten: Verschiedene Medikamentengruppen können das Herz entlasten, den Herzschlag kontrollieren, den Blutdruck senken, die Gefäße weiten und entwässern. Welche Wirkstoffe im Einzelfall gegeben werden, hängt vom Schweregrad der Erkrankung und von möglichen Begleiterkrankungen ab.
  • Herzsportprogramme besuchen: Diese speziell für Herzpatienten zugeschnittenen Programme bieten ein angepasstes Ausdauer- und Muskeltraining an und können die Lebensqualität verbessern.
  • Lebensstil ändern und Risikofaktoren vermeiden: Übergewicht, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und einseitige Ernährung sind Risikofaktoren, die vermieden werden sollten.

Herzschwäche: Schonung ist für viele Menschen mit Herzinsuffizienz falsch!

Lange Zeit war man der Ansicht, größtmögliche Schonung sei das Beste für Patienten mit Herzschwäche. Inzwischen ist diese Erkenntnis widerlegt. Man weiß heute, dass moderates körperliches Ausdauer-Training (bei stabilen Herzinsuffizienzpatienten, NYHA 1-3) unter ärztlicher Aufsicht die Leistungsfähigkeit des Herzens verbessern, Krankenhausaufenthalte vermeiden und das Risiko für einen vorzeitigen Tod senken kann.

Wichtig zu wissen: Bevor Sie mit dem Sport beginnen, sollten Sie einen Termin in einer kardiologischen Sprechstunde vereinbaren. Dort können Ärzte spezielle Belastungstests – unter anderem ein Belastungs-EKG –  durchführen und Ihre momentane Belastbarkeit überprüfen.

Bei einer chronischen Herzschwäche ist es ratsam, das Training zunächst stationär in einem Herzzentrum oder in einer Rehaklinik unter ärztlicher Aufsicht durchzuführen. Die meisten kardiologischen Praxen können mit entsprechenden Adressen weiterhelfen.

Im Anschluss daran bieten sich spezielle Herzsportgruppen an, die ein angemessenes Übungsprogramm mit Ausdauer- und Muskeltraining unter Aufsicht eines Arztes beinhalten.

Grundsätzlich sind bei Herzschwäche sanfte Ausdauersportarten zu empfehlen, bei denen kein großer Kraftaufwand erforderlich ist, zum Beispiel Nordic Walking, Radfahren, Wandern, Skilanglauf oder Schwimmen. Suchen Sie sich am besten eine Sportart aus, die Ihnen Spaß macht. Regelmäßige Bewegung baut auch Stress ab, was sich ebenfalls positiv auf die Gesundheit auswirkt.

Kommt es bei sportlicher Betätigung zu Symptomen wie Herzrhythmusstörungen, Schwindel oder Atemnot, sofort aufhören und einen Arzt konsultieren.

 

Herzschwäche: Sechs-Punkte-Programm für Patienten

1.  Messen Sie regelmäßig Ihren Blutdruck

Ein hoher Blutdruck stellt für das Herz eine große Belastung dar. Denn der Herzmuskel muss das Blut gegen einen erhöhten Widerstand in den Kreislauf pumpen. Für Patienten mit Herzschwäche ist es sehr wichtig, Bluthochdruck möglichst frühzeitig zu erkennen und mit geeigneten Medikamenten und Ausdauersport dagegen vorzugehen

2.  Achten Sie auf Ihr Körpergewicht

Übergewicht belastet das Herz und geht oft mit Bluthochdruck und einem hohen Cholesterinspiegel einher. Normalisieren Sie daher Ihr Körpergewicht. Ein guter Indikator ist der sogenannte Body-Mass-Index (BMI). Die Berechnung erfolgt nach dieser Formel: Körpergewicht (in kg) geteilt durch Größe (in m) zum Quadrat. Der gewünschte BMI ist von Alter und Geschlecht abhängig, sollte aber den Wert 29 nicht überschreiten.

3.   Nutzen Sie die Mittelmeerküche  

Die Deutsche Herzstiftung propagiert seit vielen Jahren die mediterrane Küche als eine Ernährungsform, die dazu beiträgt, auch bereits bestehende Herzerkrankungen günstig zu beeinflussen. Viel Gemüse, Salat, Hülsenfrüchte, Obst, Oliven- oder Rapsöl, Fisch und wenig Fleisch sowie Kräuter und Gewürze sind die wichtigsten Zutaten der Mittelmeerküche.

4.   Denken Sie an Ihre Medikamente und gehen Sie regelmäßig zum Arzt

Nehmen Sie regelmäßig Ihre Medikamente gegen Herzschwäche ein. Sie lindern Ihre Beschwerden und können einem Fortschreiten der Erkrankung entgegenwirken. Auf keinen Fall sollten Sie ohne Rücksprache mit dem Experten einzelne Präparate absetzen oder deren Dosis verändern. Ebenfalls wichtig: Gehen Sie alle sechs Monate zum Check-up beim Arzt, auch wenn Sie keine Verschlechterung Ihres Zustands verspüren.  

5.   Führen Sie einen Medikationsplan mit sich

Wenn Sie regelmäßig mehrere Medikamente – auch gegen andere Krankheiten oder Beschwerden –  einnehmen, ist es wichtig, dass Sie den Überblick behalten. Denn es gibt eine Reihe von Arzneimitteln, die sich ungünstig auf die Herzschwäche auswirken können. Das kann sowohl für verschreibungspflichtige als auch für rezeptfreie Arzneimittel gelten. Sprechen Sie daher mit Ihrem Arzt über alle Medikamente, die Sie derzeit nehmen und überprüfen Sie gemeinsam, auf welche Sie eventuell verzichten können. Ein Medikationsplan, den Sie zu jedem Arzt- oder Apothekenbesuch mitbringen, erleichtert Ihnen die Medikamenteneinnahme. Er wird in der Regel vom Hausarzt ausgestellt.   

6.   Lassen Sie sich gegen Grippe impfen

Patienten mit einer Herzinsuffizienz wird im Herbst eine Impfung gegen die saisonale Grippe empfohlen.

Trend der Zukunft: Überwachung durch Telemedizin

Die sogenannte Telemedizin könnte künftig die Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz verbessern. Dabei werden innovative Übertragungstechniken aus der Telekommunikation eingesetzt und die räumliche Distanz zwischen Arzt und Patient soll mit Mitteln wie Mobilfunk oder Internet überwunden werden.

Ärzte der Berliner Charité überprüfen derzeit im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprojektes FONTANE an Patienten, wie gut die Telemedizin funktioniert. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Vor allem in ländlichen Regionen ist der Weg zum Arzt oft weit. Bei der Telemedizin wird der Patient in seinem häuslichen Umfeld täglich gesundheitlich überwacht – im Gegensatz zu den punktuellen Messungen, die beim Arztbesuch erfolgen. Er schickt Daten wie Blutdruckwerte, EKG, Gewicht und andere Gesundheitsparameter von zu Hause digital an ein telemedizinisches Zentrum.

Auffällige Befunde werden frühzeitig erkannt

Hier werden die Daten von speziell geschultem medizinischem Personal ausgewertet und überwacht. Bei auffälligen Befunden koordinieren Fachärzte die notwendigen Maßnahmen. Dazu gehört, den Patienten und seinen Haus- oder Facharzt umgehend zu benachrichtigen. Ist der betreuende Arzt nicht erreichbar, leiten sie selbst Therapien wie Dosisanpassungen von Medikamenten ein. Im Notfall erfolgt die Alarmierung eines Rettungswagens.

Die Telemedizin macht keinen Arzt überflüssig, kann aber eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Ziel ist es, Krankenhauseinweisungen zu vermeiden, die Lebensqualität zu erhöhen und die Sterblichkeit von Patienten zu verringern.

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