Checkliste Kur:

Was Patienten wissen sollten

Ob Student, Arbeitnehmer, Mutter/Vater oder Rentner – jeder kann einen Kurantrag stellen. Vorsorgekuren sollen die Gesundheit erhalten, Rehamaßnahmen haben das Ziel, den Gesundheitszustand wiederherzustellen.

Was versteht man eigentlich unter dem Begriff Kur?

„Ich fahre zur Kur!“, heißt es im Volksmund oft. Doch was versteht man eigentlich darunter?
Das Wort Kur (aus dem Lateinischen: Sorge, Fürsorge) ist ein umgangssprachlicher Begriff für eine Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme. Seit dem Jahre 2000 kommt der Begriff Kur im Gesetz nicht mehr vor. Dennoch ist er im Volksmund noch sehr geläufig.
Experten unterscheiden heute zwischen einer Vorsorgekur und einer Reha(kur), kurz für Rehabilitation (aus dem Lateinischen: Wiederherstellung).
Im Gegensatz zur Rehabilitation setzen Vorsorgekuren beim gesunden Menschen an. Es geht vor allem darum, einer Schwächung der Gesundheit entgegenzuwirken bzw. eine Verschlechterung des chronischen Krankheitsbildes abzuwenden. Der Patient soll motiviert werden, sich selbst zu helfen und seinen Alltag gesünder zu gestalten.
Bei einer Reha (oder Kur zur Rehabilitation) ist der Gesundheitszustand bereits beeinträchtigt und soll wiederhergestellt werden, um eine Pflegebedürftigkeit oder Behinderung abzuwenden. Das kann zum Beispiel nach einer großen Operation, einer schweren Erkrankung oder einem Unfall der Fall sein.

Ambulante und stationäre Kur – das ist wichtig zu wissen

Reha- und Vorsorgeleistungen können ambulant oder stationär erfolgen. Die ambulante Kur findet vor Ort in einer entsprechenden Einrichtung statt, sodass der Patient nicht aus seiner gewohnten Umgebung herausgerissen wird. Allerdings ist sie mit täglichen Fahrzeiten verbunden, die für manche Patienten – zum Beispiel Senioren – unpraktisch und langwierig sein können.

Bei der stationären Kur ist der Patient in einer Pflegeeinrichtung untergebracht. Neben einer umfassenden Betreuung rund um die Uhr hat das den Vorteil, dass man nicht vom Haushalt oder anderen Alltagsdingen abgelenkt wird und sich so besser auf die Genesung konzentrieren kann.

Die stationäre Kur eignet sich für Menschen, die sich aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation nicht selbst versorgen können oder auf medizinische Hilfe angewiesen sind.

Wichtig zu wissen: In Deutschland gilt der Grundsatz „ambulant vor stationär“. Denn erst, wenn alle Mittel der Krankenbehandlung sowie Möglichkeiten der ambulanten Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen am Wohnort ausgeschöpft sind, bewilligt der Kostenträger eine stationäre Kur.

Wie lange dauert eine Kur in der Regel?
Ambulante Rehaleistungen sollen grundsätzlich längstens 20 Behandlungstage andauern. Stationäre Vorsorge- und Rehaleistungen dauern in der Regel drei Wochen, bei Kindern unter 14 Jahren vier bis sechs Wochen. Eine Kostenübernahme über diesen Zeitraum hinaus ist nur dann möglich, wenn dringende medizinische Gründe vorliegen.

Kur beantragen: Was muss ich beachten?  

Der erste Ansprechpartner ist immer der Haus- oder Facharzt. Dieser entscheidet, ob eine Kur in Ihrem Fall medizinisch notwendig und welche Art der Kur erforderlich ist. Mit ihm können Sie auch besprechen, ob für Sie eher eine ambulante oder stationäre Kur infrage kommt.

Die beiden wichtigsten Kostenträger sind die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die Deutsche Rentenversicherung (DRV). Demzufolge fordern Sie das Antragsformular meist bei einem dieser beiden Kostenträger an.

Die gesetzliche Krankenversicherung ist immer dann zuständig, wenn einer drohenden Erkrankung oder Pflegebedürftigkeit vorgebeugt werden soll (Vorsorgekur) oder der Patient sich nicht mehr im Erwerbsleben befindet, die Rentenversicherung hingegen dann, wenn es in erster Linie um den Erhalt der Erwerbsfähigkeit geht (Rehabilitationskur). Wird eine Rehamaßnahme aufgrund eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit erforderlich, so ist die gesetzliche Unfallversicherung der richtige Ansprechpartner.

Wichtig zu wissen: Privatversicherte benötigen einen Zusatztarif, über den sich Kurleistungen absichern lassen.  

Antragsformular ausfüllen: Ihr Arzt hilft dabei
Ihr Arzt unterstützt Sie beim Ausfüllen des Formulars und begründet die medizinische Notwendigkeit der Kur in einem Bericht, der dem Antrag beigefügt wird. Je ausführlicher der Bericht des Arztes, desto größer sind die Erfolgschancen, dass die Kur bewilligt wird.

Der ausgefüllte Antrag samt Arztbericht wird dann an den Kostenträger geschickt. Ist dieser seines Erachtens nach nicht zuständig, ist er dazu verpflichtet, den Antrag an den zuständigen Kostenträger weiterzuleiten und den Antragsteller darüber zu informieren.

Der Antrag wird vom Kostenträger auf Vollständigkeit und medizinische Notwendigkeit hin überprüft. Letzteres erfolgt bei der Krankenkasse durch den sogenannten Medizinischen Dienst und bei der Rentenversicherung durch den Sozialmedizinischen Dienst. Erheben sie keine Einwände, so wird die Kur genehmigt.

Zuzahlungen
Bei einer stationären Kur (Vorsorge oder Rehabilitation) zahlen Sie zehn Euro pro Tag als Eigenanteil. Dieser Eigenanteil kann entfallen, wenn der Patient im selben Kalenderjahr bereits Zuzahlungen in einer bestimmten Höhe geleistet hat oder die Zuzahlung eine Höhe von zwei Prozent des Bruttoeinkommens erreicht hat (für chronisch Kranke gilt ein Prozent). Eine Befreiung von der Zuzahlung beim Rentenversicherungsträger wird separat geprüft.

Krankenversicherung, Renten- und Unfallversicherung sowie die Agentur für Arbeit haben „Gemeinsame Servicestellen für Rehabilitation“ eingerichtet, an die Sie sich zur Beratung und Antragstellung wenden können: www.reha-servicestellen.de. 

Kann ich mir die Rehaklinik selbst aussuchen?

Gemäß dem sogenannten Wunsch- und Wahlrecht nach § 9 Sozialgesetzbuch (SGB IX) können Sie bei der Klinikauswahl entscheidend mitwirken. Demnach sind die Kostenträger verpflichtet, bei der Auswahl der Rehaklinik den berechtigten Wünschen der Patienten zu entsprechen. Dabei werden auch die persönlichen Lebensumstände wie Alter, Geschlecht, Familie sowie religiöse und weltanschauliche Bedürfnisse berücksichtigt. Voraussetzungen sind:

  • Die gewählte Klinik muss für die Behandlung der Erkrankung geeignet sein.
  • Die Klinik hat einen Versorgungsvertrag mit dem entsprechenden Kostenträger.

Es besteht auch die Möglichkeit, eine zertifizierte Rehaeinrichtung zu wählen, bei der kein Versorgungsvertrag mit der Krankenkasse vorliegt. Die anfallenden Mehrkosten müssen Sie allerdings in diesem Fall selbst zahlen.

Kurantrag abgelehnt? Nicht zu schnell aufgeben!

Leider wird die beantragte Kur nicht immer sofort bewilligt. Lehnt der Kostenträger Ihren Antrag ab, haben Sie einen Monat Zeit, um schriftlich Widerspruch einzulegen. Besprechen Sie die Ablehnung mit Ihrem Arzt und bitten Sie ihn, noch einmal ausführlich die medizinische Notwendigkeit der Kur zu attestieren. Erklären Sie Ihre persönliche gesundheitliche Situation und begründen Sie, warum Ihnen zum Beispiel aufgrund von Atembeschwerden eine Kur am Meer am besten helfen kann.

Wichtig: Widersprüche gegen abgelehnte Rehaanträge sind häufig erfolgreich. Lassen Sie sich nicht entmutigen und nehmen Sie die Möglichkeit zum Widerspruch wahr. Zudem ist es ratsam, einen Nachweis über den Eingang des Widerspruchs innerhalb der Widerspruchsfrist belegen zu können, beispielsweise durch ein Einwurfeinschreiben, einen Fax-Sendebericht oder bei persönlicher Abgabe durch eine Eingangsbestätigung auf einer Kopie.

Mutter/Vater-Kind-Kur: Abstand vom Alltag

Erschöpfung, Stress, Schlafstörungen: Vielen Müttern und Vätern wachsen die Anforderungen des Alltags über den Kopf. Die Mutter/Vater-Kind-Kur ist eine spezielle Kurform für Eltern und ihre Kinder.

Früher war sie nur Müttern vorbehalten. Seit dem Jahr 2002 können auch Väter mit ihren Kindern zur Kur fahren.

Gemeinnützige Einrichtungen − zum Beispiel das Müttergenesungswerk − führen in eigenen Häusern Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen durch, die auf die spezifischen Gesundheitsprobleme von Eltern ausgerichtet sind und ein medizinisches und psychosoziales Angebot bereitstellen. Mütter und Väter können ihre Auszeit allein nehmen, im Rahmen einer reinen Mütter- oder Väterkur; sie haben aber auch die Möglichkeit, die Kur gemeinsam mit ihren Kindern anzutreten.

Die stationären Kuren sind als Hilfe zur Selbsthilfe gedacht: Eine Mutter/Vater-Kind-Kur klärt Eltern über krankmachende Faktoren auf und stärkt durch Beratung und Training das Zusammenleben aller Familienmitglieder. Der Grundsatz „ambulant vor stationär“ gilt bei Elternkuren übrigens nicht.

Die Kosten von Mutter/Vater-Kind-Kuren werden immer von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, auch für mitreisende Kinder. Versicherte zahlen pro Tag zehn Euro als Eigenanteil. Wenn das mitreisende Kind selbst therapiebedürftig ist, übernimmt die Krankenkasse des Kindes die hierfür anfallenden Kosten.

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