Neurodermitis

Hilfe bei Neurodermitis

Ekzeme sind gekennzeichnet durch rote, entzündete Hautstellen, die oft nässende Bläschen und Schuppung aufweisen, begleitet von heftigem Juckreiz. Dieses sind die typischen Symptome einer Neurodermitis. Das atopische Ekzem, so der medizinische Fachbegriff, ist nicht ansteckend. Das Wort atopisch (griech.: seltsam, ungewöhnlich) bedeutet, dass der Körper untypisch auf bestimmte Reize reagiert, zum Beispiel auf Allergene wie Nahrungsmittel oder Hausstaub. Die Erkrankung verläuft in Schüben. Das bedeutet, dass die Beschwerden mal stärker und mal weniger ausgeprägt sind. Zeitweise können sie auch völlig verschwinden.
Die Zahl der Erkrankten ist in den letzten fünf Jahrzehnten deutlich angestiegen. Aktuell sind etwa 20 von 100 Kindern, aber nur zwei bis vier von hundert Erwachsenen in Deutschland davon betroffen.

Wie entsteht Neurodermitis?

Menschen mit Neurodermitis leiden unter einer Fehlsteuerung der körpereigenen Immunabwehr. Ihr überempfindliches Immunsystem reagiert auf alles Mögliche - nicht nur auf schädliche Eindringlinge, sondern auch auf Stoffe, die eigentlich harmlos sind, wie zum Beispiel Blütenpollen, Hausstaub oder bestimmte Nahrungsmittel wie Nüsse, Milch oder Weizen. Diese Stoffe nennt man Allergene. So lange die Auslöser noch nicht eindeutig benannt werden können, kann ein Neurodermitis-Tagebuch bei der Detektivarbeit helfen. Dort tragen Betroffene ein, was der Auslöser bei einem Schub war und werten die Notizen gemeinsam mit ihrem Arzt aus. Zusätzlich können auch mechanische Reize (Wolle auf der Haut, Kratzen), Klima (Hitze, Kälte, trockene Heizungsluft), Infekte sowie seelische Belastungen einen Schub begünstigen.

Wie es zum Ausbruch einer Neurodermitis kommt, ist bislang noch nicht vollständig geklärt. Es handelt sich um eine sehr komplexe Erkrankung, zu deren Entstehung viele Faktoren beitragen. Fest steht, dass die Veranlagung für die Neurodermitis von den Eltern an die Kinder weitergegeben wird. Doch nicht bei jedem, der die Neigung zur Neurodermitis in sich trägt, kommt sie auch zum Ausbruch. Es spielen also noch viele andere Faktoren eine Rolle.

Die Haut ist trocken und rissig
Vererbt werden in „Neurodermitis-Familien“ auch Störungen der Hautfunktion: In der oberen Hautschicht fehlen dann wichtige Stoffe, die für eine intakte Abwehr wichtig sind: allen voran Hornfette und das feuchtigkeitsspeichernde Eiweiß Filaggrin. Die Haut ist daher sehr trocken, rissig und anfällig für Ekzeme. Sie bietet nur geringen Schutz gegen Bakterien und Viren. Typisch ist die Ausschüttung des Entzündungshormons Histamin, das unter anderem den quälenden Juckreiz verursacht.

Oft tritt Neurodermitis gemeinsam mit anderen Erkrankungen aus dem atopischen Formenkreis auf, zum Beispiel mit Heuschnupfen oder Asthma.

Ist Neurodermitis heilbar?

Leider nein. Eine dauerhafte Heilung durch eine  Therapie ist bis heute nicht möglich. Die Beschwerden lassen sich jedoch lindern, indem Betroffene die Auslöser meiden, die zu Ekzemen führen können und die Haut entsprechend pflegen und Stress möglichst von sich fernhalten. Auch Medikamente können helfen. Beruhigend zu wissen: Bei 50 bis 70 von 100 betroffenen Kindern und Jugendlichen bessert sich der Zustand der Haut bis zum 15. Lebensjahr. Oft verschwindet die Erkrankung sogar vollständig. Vielen Betroffenen gelingt es, die Neurodermitis gut in den Griff zu bekommen und ein nahezu beschwerdefreies Leben zu führen. 

Was Sie selbst tun können: Tipps zur Körperpflege und Kleidung

Die trockene und rissige Neurodermitikerhaut benötigt eine kontinuierliche Pflege mit Rückfettung und Feuchtigkeit. Deshalb gehört die konsequente und regelmäßige Hautpflege – in Absprache mit dem behandelnden Arzt – zur Basistherapie. Meist ist es hilfreich, mindestens zweimal täglich eine feuchtigkeits-spendende Creme oder Salbe zu verwenden, um die Haut vor dem Austrocknen zu bewahren. Im Winter ist es ratsam, eher fettere Salben zu wählen, im Sommer leichtere Cremes oder Lotionen. Lassen Sie sich ein für Ihre Haut geeignetes Produkt vom Arzt empfehlen! Wichtig ist es auch, dass Sie sich vor dem Eincremen die Hände waschen. So vermeiden Sie, dass Bakterien in Risse auf der Haut eindringen können. Bei der Reinigung ist es ratsam, seifenfreie Waschlotionen zu verwenden. Solche speziellen Reinigungsprodukte ohne Tenside und andere Stoffe, die die Haut austrocknen können, erhalten Sie im Handel. Wichtig: Nach jedem Baden oder Duschen sollte die Haut erneut eingecremt werden.

Die meisten Neurodermitiker empfinden glatte Baumwollgewebe, feines Leinen, Mikrofasern und Seidenstoffe als angenehm auf der Haut. Bekleidung aus Wolle und synthetischen Materialien wie zum Beispiel Polyester eignet sich dagegen nicht, da sie bei vielen Betroffenen einen Juckreiz auslöst.

Behandlung der Neurodermitis

Jeder Patient muss ganz individuell in jedem Stadium anders behandelt werden. Der Arzt berät Sie, welche Therapie für Sie geeignet ist. Die Behandlung besteht in der Regel aus einer Kombination mehrerer Verfahren:

  • Bei akuten Neurodermitis-Schüben kommen Kortisonsalben beziehungsweise -cremes zum Einsatz. Sie helfen gegen die Entzündungen. Manchmal werden sie auch eingesetzt, um Schüben vorzubeugen, etwa in Form einer „Wochenendbehandlung“.
  • Seit ein paar Jahren gibt es zwei kortisonfreie Medikamente, die in ihrer Wirksamkeit mit kortisonhaltigen Cremes und Salben vergleichbar sind (sogenannte Calcineurininhibitoren). Auch sie werden als Salben oder Cremes auf die Haut aufgetragen und können eingesetzt werden, wenn ein Patient kein Kortison verträgt, damit keine Besserung erzielt wird oder eine längerfristige Behandlung empfindlicher Hautstellen wie zum Beispiel im Gesicht notwendig ist. Wichtig zu wissen: Die Mittel sind für Kinder unter zwei Jahren nicht zugelassen. Fragen Sie dazu Ihren Dermatologen.
  • Die Einnahme von juckreizhemmenden Medikamenten, sogenannten „Antihistaminika“ (gibt es als Tabletten, Tropfen und Säfte), kann ebenfalls hilfreich sein. 
  • Nur in besonders schweren Fällen können antientzündliche Wirkstoffe in Tablettenform verordnet werden. Eine solche Behandlung sollte aber nur in Ausnahmefällen erfolgen! Fragen Sie Ihren Arzt vorher nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten.
  • Feuchte Umschläge bei akut nässenden Ekzemen, das Weglassen bestimmter Nahrungsmittel bei nachgewiesener Allergie sowie Bestrahlungen mit UV-Licht sind weitere Therapiemöglichkeiten.

Wie die Seele die Haut angreift

Haut und Seele sind eng miteinander verbunden. Geht es der Seele schlecht, kann sich das in Hautkrankheiten widerspiegeln. Bei Neurodermitis ist es möglich, dass eine sehr belastende Lebenssituation den Zustand der Haut verschlechtert. Schwierige Lebensphasen wie zum Beispiel Pubertät, Schwangerschaft, Berufsstress oder Scheidung können deshalb an der Entstehung des Ekzems beteiligt sein. Allein die Seele ist jedoch nicht schuld, dass ein Patient an Neurodermitis erkrankt. Es muss zunächst die Veranlagung vorhanden sein. Meist sind es mehrere Faktoren, die zum Ausbruch der Erkrankung führen. In der Medizin bezeichnet man dies als „multifaktorielles Krankheitsbild“.

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