Pflegereform 2017:

Was wird sich für pflegende Angehörige ändern?

Für wen gibt es Leistungen?

Pflegebedürftigkeit: eine erweiterte Definition

  • Sie möchten wissen, was Sie tun müssen, um die neuen Leistungen zu erhalten?
  • Sie haben Sorge, dass Sie finanzielle Nachteile durch die Reform haben werden?
  • Sie pflegen einen Angehörigen und möchten erfahren, welche Änderungen Sie erwarten?

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Anfang 2017 werden die bisher gültigen Pflegestufen (drei Stufen plus Stufe „Null“) in fünf Pflegegrade umgewandelt. Dabei sollen in Zukunft auch die Bedürfnisse von Menschen mit geistigen und psychischen Einschränkungen – vor allem Demenzkranke – stärker berücksichtigt werden. Bislang spielten bei der Beurteilung der Pflegebedürftigkeit in erster Linie körperliche Einschränkungen eine Rolle. Im Vordergrund steht nun der Grad der Selbstständigkeit einer Person – also die Frage, wie viel Hilfe sie bei der Bewältigung ihres alltäglichen Lebens benötigt.

Durch diese Neuerung profitieren auch die pflegenden Angehörigen. Denn viele Pflegebedürftige erhalten in Zukunft höhere Pflegegeld-Beträge, die sie an ihre Angehörigen weitergeben können. Das Pflegegeld kann mit Pflegesachleistungen kombiniert werden, wenn der Angehörige bei der Versorgung des Pflegebedürftigen durch einen ambulanten Pflegedienst unterstützt wird.

Wer zahlt die Beiträge?

Pflicht zur Arbeitslosenversicherung

Berufstätige, die sich um einen pflegebedürftigen Angehörigen kümmern möchten, können zu diesem Zweck eine sechsmonatige Auszeit vom Beruf (Pflegezeit) in Anspruch nehmen. Für diesen Zeitraum übernimmt die Pflegeversicherung ihre Beiträge für die Arbeitslosenversicherung. Dauert die Auszeit länger, können die Pflegenden bislang freiwillig und auf eigene Kosten Mitglied in der Arbeitslosenversicherung bleiben. Ab 2017 ist die Absicherung für alle pflegenden Angehörigen verpflichtend. Die Beiträge werden dann über die gesamte Dauer der Pflegetätigkeit von der Pflegeversicherung übernommen. Auf diese Weise haben die Betroffenen nach dem Ende der Pflegetätigkeit das Recht, Arbeitslosengeld zu beantragen. Zudem können sie Leistungen der Arbeitsförderung in Anspruch nehmen, zum Beispiel Hilfe bei der Arbeitsvermittlung oder berufliche Weiterbildungen.

Allerdings muss eine der beiden Bedingungen erfüllt sein:

  • Unmittelbar bevor sie mit der Pflege begann, bestand bei der Person eine Versicherungspflicht in der Arbeitslosenversicherung.
  • Unmittelbar bevor sie mit der Pflege begann, hat die Person eine Leistung nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) III bezogen. Zu dieser zählt zum Beispiel das Arbeitslosengeld.

Was steht mir im Alter zu?

Höhere Beiträge zur Rentenversicherung

Auch im Alter sollen pflegende Angehörige besser abgesichert werden. Daher ändern sich die Voraussetzungen, unter denen die Pflegeversicherung Beiträge zur Rentenversicherung zahlt. So sind in Zukunft unter anderem auch Angehörige abgesichert, die einen ausschließlich demenzkranken Angehörigen (ab 2017: Pflegegrad 2) pflegen. Zudem steigen die Rentenbeiträge mit zunehmender Pflegebedürftigkeit. Ein Beispiel: Wer einen Angehörigen mit Pflegegrad 5 pflegt, erhält um 25 Prozent höhere Rentenbeiträge als bisher.

Ab 2017 gelten folgende Bedingungen:

  • Der Pflegebedürftige wird in häuslicher Umgebung versorgt.
  • Der Pflegebedürftige hat mindestens den Pflegegrad 2.
  • Für die Pflege des Angehörigen werden pro Woche mindestens 10 Stunden aufgebracht. Pflegt die Person mehrere Angehörige, ist es möglich, die erforderlichen Stunden zu addieren.
  • Die für die Pflege aufgebrachte Zeit verteilt sich regelmäßig auf mindestens zwei Tage in der Woche.
  • Ist der pflegende Angehörige erwerbstätig, arbeitet er nicht mehr als 30 Stunden pro Woche.

Wer hilft bei Urlaub und Krankheit?

Mehr Entlastung im Alltag

  • Kurzzeit- und Verhinderungspflege
    Auch pflegende Angehörige können krank werden und haben ein Recht auf Urlaub. In diesem Fällen können sie schon jetzt unter bestimmten Voraussetzungen eine Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen. Der Pflegebedürftige wird dann für bis zu acht Wochen pro Jahr vollstationär in einem Pflegeheim betreut. Neu ist: Ab 2017 besteht der Anspruch auch für Pflegebedürftige mit dem Pflegegrad 2. Gleiches gilt für die sogenannte Verhinderungspflege. Diese kann auch stundenweise abgerechnet werden und gibt pflegenden Angehörigen die Möglichkeit, sich zum Beispiel für einige Stunden in der Woche eine Auszeit zu nehmen. In dieser Zeit kümmert sich eine Ersatzperson zu Hause um den Pflegebedürftigen.
  • Tages- und Nachtpflege
    Manche Pflegebedürftige müssen rund um die Uhr betreut werden. Für viele pflegende Angehörige ist dies allein nicht machbar. Um sie zu entlasten, gibt es bereits die teilstationäre Tages- und Nachtpflege, die von spezialisierten Einrichtungen angeboten wird. In diesen verbringen die Pflegebedürftigen tagsüber oder nachts einige Stunden. Ab 2017 erhöhen sich für viele Pflegebedürftige die Beträge, die ihnen für eine solche Pflege zustehen.

Pflegestufe

Betrag bis 31.12.2016

Pflegegrad

Betrag ab 01.01.2017

-

-

Pflegegrad 1

0,00 €

Pflegestufe 0

231,00 €

Pflegegrad 2

689,00 €

Pflegestufe 1

468,00 €

Pflegegrad 2

689,00 €

Pflegestufe 1*

689,00 €

Pflegegrad 3

1.298,00 €

Pflegestufe 2

1.144,00 €

Pflegegrad 3

1.298,00 €

Pflegestufe 2*

1.298,00 €

Pflegegrad 4

1.612,00 €

Pflegestufe 3

1.612,00 €

Pflegegrad 4

1.612,00 €

Pflegestufe 3*

1.612,00 €

Pflegegrad 5

1.995,00 €

Pflegestufe 3 / Härtefall

1.995,00 €

Pflegegrad 5

1.995,00 €

*Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz (nach § 45a SGB XI)

Gut zu wissen: Personen mit dem zukünftigen Pflegegrad 1 haben keinen generellen Anspruch auf die oben genannten Leistungen. Sie können ab 2017 jedoch den sogenannten Entlastungsbetrag nutzen, um zum Beispiel Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege sowie Tages- und Nachtpflege zu finanzieren. Einen Anspruch auf den Entlastungsbeitrag haben alle Pflegebedürftigen in den zukünftigen Pflegegraden 1 bis 5, die im häuslichen Umfeld gepflegt werden. Der Betrag liegt bei 125 Euro monatlich.

Wo finde ich Informationen?

Professionelle Pflegeberatung

Bereits seit 2016 haben pflegende Angehörige einen eignen Anspruch auf eine kostenlose, qualifizierte Pflegeberatung. In dieser werden die Pflegenden unter anderem darüber aufgeklärt, welche Leistungen dem Pflegebedürftigen zustehen. Die Beratung soll ihnen dabei helfen, einen Versorgungsplan zu erstellen und die nötigen Maßnahmen zur organisieren. Pflegekassen benennen für die Beratung feste Ansprechpartner vor Ort, zum Beispiel unabhängige Pflegestützpunkte. 2017 soll deren Anzahl erhöht und die Qualität der Beratung weiter ausgebaut werden.

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