Rheumatoide Arthritis / Rheuma

Medikamente, Bewegung, Ernährung

Wenn von Rheuma die Rede ist, ist meist die sogenannte rheumatoide Arthritis gemeint. Einer von hundert Erwachsenen leidet in Deutschland an dieser chronischen Gelenkentzündung, die meist nach dem 50. Lebensjahr auftritt.  Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Es kommt auch vor, dass die  Erkrankung bereits im Kindes- und Jugendalter auftritt.

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Rheuma – eine Krankheit mit vielen Gesichtern

Was verbirgt sich hinter der Krankheit Rheuma?

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Rheuma der Überbegriff für Erkrankungen, die an den Bewegungsorganen auftreten und fast immer mit Schmerzen und häufig mit Bewegungseinschränkungen verbunden sind. Rheuma ist keine einzelne Erkrankung, sondern ein Sammelbegriff für mehr als 400 verschiedene Krankheitsbilder mit unterschiedlichen Ursachen und Erscheinungsformen. Dazu zählen entzündliche Formen wie die rheumatoide Arthritis und Morbus Bechterew, verschleißbedingte Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen wie Arthrose, Weichteilrheumatismus wie Fibromyalgie sowie Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden wie zum Beispiel Gicht.

Rheumatoide Arthritis: Definition und Ursachen

Wie macht sich die Erkrankung bemerkbar?

Die rheumatoide Arthritis (griechisch: „arthros“ (Gelenk) und „itis“ (Entzündung)) ist die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung. Sie wird auch Polyarthritis (griechisch: „polys“ (viel)) genannt, weil meist mehrere Gelenke davon betroffen sind. Diese Erkrankung ist eine sogenannte Autoimmunerkrankung. Hierbei richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper. Durch diese Fehlsteuerung greifen Abwehrzellen das körpereigene Knorpel- und Knochengewebe an. Knochenhaut und Knorpel entzünden sich und lösen sich immer mehr ab.

Der Krankheitsverlauf schreitet über viele Jahre langsam voran und zerstört mit der Zeit die Gelenke. Bei schweren Verläufen können auch andere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden, zum Beispiel Augen, Herz und Herzbeutel, Lunge und Rippenfell sowie Nerven und Blutgefäße.

Die genauen Ursachen der Erkrankung sind noch nicht vollständig erforscht. Eine genetische Veranlagung scheint eine Rolle zu spielen. Es gibt auch Theorien, die besagen, dass eine Infektion mit bestimmten Viren oder Bakterien Autoimmunreaktionen verursachen kann. Rauchen kann zur Entstehung einer rheumatoiden Arthritis beitragen und den Verlauf ungünstig beeinflussen.

Rheumatoide Arthritis: Das sind die Anzeichen

Darauf sollten Sie achten:

Der Krankheitsverlauf einer rheumatoiden Arthritis ist sehr individuell. Es gibt leichte Verläufe, die von selbst über viele Jahre zum Stillstand kommen. Andere verschlimmern sich innerhalb von Wochen oder Monaten stark und befallen fast alle Gelenke. Die Beschwerden können auch in Schüben auftreten: Entzündung und Schmerzen werden plötzlich stärker und lassen dann nach einiger Zeit wieder nach. Die Erkrankung tritt meist an beiden Körperhälften gleichzeitig auf und befällt oft zuerst die kleinen Finger- und Zehengelenke. Im weiteren Verlauf breitet sich die Entzündung auf den ganzen Körper aus. Grundsätzlich können alle großen und kleinen Gelenke befallen sein, darunter die Wirbelsäule, hier meist die Halswirbelsäule sowie die Schleimbeutel.

Zu den typischen Anzeichen einer rheumatoiden Arthritis gehören:

  • Warme, geschwollene und schmerzende Gelenke: Schwellungen und Schmerzen an einzelnen Gelenken, zu Beginn der Erkrankung hauptsächlich an den Fingermittel- und Fingergrundgelenken.
  • Morgensteifigkeit der Gelenke: Vor allem morgens nach dem Aufstehen oder nach längeren Ruhepausen sind die Gelenke steif. Das ändert sich oft erst wieder nach längerer Aktivität.
  • Allgemeines Krankheitsgefühl: Die rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Erkrankung, die den ganzen Körper betrifft. Neben einem allgemeinen Krankheitsgefühl treten oft Erschöpfung, Müdigkeit, Fieber, Gewichtsabnahme und Nachtschweiß auf.
  • Bewegungseinschränkung und knöcherne Deformierung: Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium kommt es oft zu einer knöchernen Deformierung.
  • Rheumaknoten: Manche Betroffene bekommen kleine, harte und nicht schmerzende Knoten unter der Haut.

Wer stellt die Erkrankung fest?

Früher ist besser: Der Rheumatologe stellt die Diagnose

Je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto milder ist der Verlauf. Gehen Sie schon bei ersten Krankheitszeichen wie geschwollenen und schmerzenden Gelenken und Morgensteifigkeit zu Ihrem Hausarzt und lassen Sie sich an einen Facharzt für Rheumatologie überweisen. Nach einem Gespräch und einer gründlichen körperlichen Untersuchung kann der Spezialist sogenannte Rheumafaktoren und Entzündungsmarker im Blut bestimmen. Auch Antikörper gegen bestimmte Eiweiße können im Blut gemessen werden, sogenannte CCP-Antikörper. Bei einer bereits länger bestehenden rheumatoiden Arthritis können Veränderungen an den Gelenken durch bildgebende Verfahren sichtbar gemacht werden.

Welche Behandlungen gibt es?

Gelenkrheuma: Viele Therapien können helfen

Die rheumatoide Arthritis ist bislang nicht heilbar. Aber durch eine frühzeitige Behandlung und eine gesunde Lebensführung können Betroffene immer öfter und länger schmerzfrei leben.

Medikamente
Verschiedene Medikamentengruppen mit unterschiedlichen Wirk- und Nebenwirkungsprofilen können die Entzündung hemmen, Schmerzen lindern sowie das Fortschreiten der Erkrankung verzögern:

  • Sogenannte Rheuma-Basismedikamente (DMARD Disease Modifying Anti-Rheumatic Drugs; Arzneimittel mit krankheitsmodifizierenden Eigenschaften) bilden die Grundlage der Behandlung. Sie beeinflussen die körpereigene Abwehr, lindern Schmerzen und hemmen die Gelenkzerstörung. Als Goldstandard dieser Medikamentengruppe gilt der Wirkstoff Methotrexat (MTX), der mit Kortisonpräparaten kombiniert werden kann.
  • Erst seit einigen Jahren stehen sogenannte Biologika zur Verfügung. Die gentechnisch hergestellten Eiweißstoffe greifen in Mechanismen der Krankheitsentstehung ein, indem sie Entzündungssubstanzen im Gelenk neutralisieren.

Krankengymnastik und Bewegung
Zusätzlich zur medikamentösen Behandlung sind Krankengymnastik sowie regelmäßige Bewegungsübungen und Sport wichtig. Die Deutsche Rheuma-Liga hat gemeinsam mit Physiotherapie-Experten ein spezielles Bewegungstraining entwickelt. Dieses sogenannte Funktionstraining kann rheumakranken Patienten vom Arzt verordnet werden. Es findet als Wasser- oder Trockengymnastik statt und wird von Physiotherapeuten geleitet. Infos dazu erteilen die Deutsche Rheuma-Liga   (www.rheuma-liga.de) und die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (www.dgrh.de). Wichtig: Treiben Sie weiterhin Sport, auch mit Rheuma! Ruhigstellung wäre falsch. Generell gilt: Die erkrankten Gelenke sollten viel bewegt, aber wenig belastet werden. Das steigert die Blutversorgung, hält mobil und beugt einer Gelenkversteifung vor.
Fitness, Kraft und allgemeine Beweglichkeit werden verbessert und rheumabedingte Erschöpfung wird gelindert. Neben Wassergymnastik gelten Radfahren, Walking und Schwimmen als besonders gelenkschonend. Fragen Sie am besten Ihren Arzt, welche Sportarten er Ihnen empfiehlt.

Ernährung
Es gibt keine spezielle Rheuma-Diät, doch kann sich erfahrungsgemäß eine gezielte Lebensmittelauswahl günstig auf die rheumatoide Arthritis auswirken. Rheuma-Patienten sollten Nahrungsmittel bevorzugen, die entzündungshemmende Substanzen enthalten. Das sind zum Beispiel  Soja-, Weizen- und Rapsöl sowie Fischöl. Daher wirkt es sich günstig aus, wenn zweimal wöchentlich Fisch auf dem Speiseplan steht. Fleisch und  fettreiche Milchprodukte sollten aufgrund ihrer entzündungsfördernden Inhaltsstoffe besser gemieden werden. Grundsätzlich ist es wichtig, ein normales Körpergewicht anzustreben, um die Gelenke zu entlasten. Einige Rheumapatienten profitieren vorübergehend von einer Diät oder Fastenkur.

Operation
Eine operative Behandlung wie der künstliche Gelenkersatz kommt als letzte Möglichkeit in Frage, wenn selbst starke Rheuma-Medikamente und andere Maßnahmen keine Wirkung zeigen.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) erstellt regelmäßig ein Verzeichnis mit Hilfsmitteln, die von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.
Weitere Informationen: https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de/hmvAnzeigen_input.action

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