Saisonal bedingte Depression:

Aktiv gegen das Seelentief im Winter

Depression – eine Krankheit mit vielen Gesichtern

Was bedeutet Depression?

Eine depressive Störung kann jeden treffen und in jedem Lebensalter vorkommen: Kinder und ältere Menschen sind ebenso betroffen wie Berufstätige und Arbeitslose, Alleinstehende und Verheiratete, Frauen und Männer. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass weltweit etwa 322 Millionen Menschen von Depressionen betroffen sind. Für Deutschland schätzt die WHO die Zahl der Menschen mit Depressionen auf 4,1 Millionen. Das sind über fünf Prozent der deutschen Bevölkerung. Weiteren Schätzungen zufolge erkranken 16 bis 20 von 100 Menschen im Laufe ihres Lebens an einer Depression. Frauen leiden häufiger als Männer an depressiven Symptomen und haben grundlegend ein doppelt so hohes Erkrankungsrisiko.

Allgemeiner Begriff der Depression: Menschen, die an einer Depression leiden, sind durch ihre Erkrankung meist in ihrer gesamten Lebensführung beeinträchtigt. Es gelingt ihnen nicht oder nur schwer, ihren Alltag zu bewältigen. Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen, die sich in verschieden starken Formen und Arten ausdrücken können. Das Spektrum reicht von leichten über mittelgradigen bis zu schweren depressiven Episoden, die auch von starker Hoffnungslosigkeit und Selbstmordgedanken begleitet sein können. Schlimmstenfalls kann eine Depression zum Selbstmord führen.

Anzeichen einer Depression

Die Übergänge von einem vorübergehenden Stimmungstief zu einer echten Depression können fließend sein und sind oft nicht leicht zu erkennen. Darüber hinaus richtet sich der Schweregrad (leicht, mittelgradig, schwer) einer Depression nach der Anzahl und individuellen Ausprägung der Haupt- und Zusatzsymptome.

Hauptmerkmale sind:

  • depressive, gedrückte Stimmung
  • Interessenverlust und Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit
     

Zusatzsymptome sind:

  • verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • verringertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • verringertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
  • Schlafstörungen
  • verminderter Appetit
  • negative Zukunftsaussichten, „Schwarzsehen“
  • Selbstmordgedanken, Selbstverletzungen oder Selbstmordversuche. Das Selbstmordrisiko ist bei depressiv Erkrankten etwa  30-mal höher als in der Allgemeinbevölkerung.

Auch körperliche Beschwerden wie zum Beispiel chronische Rückenschmerzen, Magen-Darm-Probleme oder Schwindelgefühle können Hinweise auf eine depressive Störung sein.

Weitere Informationen zu Krankheitszeichen finden Sie hier.

Diagnose und Therapie Depression

Wie wird die Depression erkannt und behandelt?

Leidet der Betroffene an mindestens zwei Hauptmerkmalen, die zudem mindestens zwei Wochen anhalten, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er an einer depressiven Störung leidet. Das heißt, halten Kernsymptome wie zum Beispiel ständige Müdigkeit, Antriebslosigkeit und grundlose negative Stimmung länger als zwei Wochen an, sollten Betroffene zum Arzt gehen. Die Diagnosestellung orientiert sich an anerkannten diagnostischen Kriterien und Leitlinien.
Welche Therapie passt, richtet sich nach der Art und dem Schweregrad der Erkrankung und den individuellen Voraussetzungen. Der behandelnde Arzt oder Psychotherapeut (ärztlicher oder psychologischer Psychotherapeut) bespricht dies dann mit dem Betroffenen. Psychotherapie und Psychoanalyse gehören unter anderem dazu.

Weitere Informationen zur Psychotherapie finden Sie hier.

Mögliche Ursachen einer Depression

Was können mögliche Gründe einer Depression sein?

Es gibt selten eine einzige Ursache. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen, die zur Krankheitsentstehung führen.
Als mögliche Ursache kommt ein Mangel oder Ungleichgewicht an bestimmten Botenstoffen im Gehirn infrage, sogenannten Neurotransmittern. Diese Stoffe heißen Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und Serotonin. Sie alle werden benötigt, um elektrische Reize von einem Nerv zum anderen zu übertragen. Wenn ein saisonales Muster auftritt und sich stark an einer Jahreszeit ausrichtet, eine depressive Episode zum Beispiel im Winter vorkommt, spricht man von einer saisonal abhängigen Depression.

Besondere Form der Depression: die saisonal bedingte Depression

Was ist eine saisonal bedingte Depression?

Diese Form der Depression gehört zur Gruppe der sogenannten rezidivierenden (wiederholten) depressiven Störungen. Dabei ist die Winterdepression die am meisten verbreitete Art. Ihre Symptome treten ausschließlich und wiederholt in der dunklen Jahreszeit auf. Im Frühling verschwinden sie meist wieder von alleine. Auslöser dieser saisonalen Depression ist in der Regel Lichtmangel. 

Wie äußert sich eine Winterdepression?

Laut Angabe der Stiftung Deutsche Depressionshilfe treten bei der Winterdepression neben den klassischen Anzeichen auch untypische Symptome auf wie:

  • Heißhunger statt Appetitverlust
  • übermäßiges Schlafbedürfnis anstelle von Schlafstörungen

Betroffene können ein ungewöhnlich hohes Schlafbedürfnis sowie einen gesteigerten Appetit haben, während Menschen mit anderen Depressionsformen oft nur schwer Schlaf finden und wenig Appetit haben. Die Diagnose „saisonal bedingte Depression“ stellen Ärzte dann, wenn das jahreszeitliche Muster über mindestens zwei Jahre besteht und die depressiven Episoden mindestens zwei Wochen lang andauern. Diese Form der depressiven Störung ist meist weniger schwer ausgeprägt und kommt seltener vor als andere Formen. Die meisten Depressionen im Winter sind Erkrankungsformen, die nicht auf die Jahreszeit zurückzuführen sind.

Wie wird eine Winterdepression behandelt?

Lichttherapie, auch Fototherapie genannt, oder die medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva (Medikation mit Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI)) gelten bei einer saisonal bedingten Depression als Behandlung erster Wahl.
Lichttherapie: Ist eine Winterdepression leicht oder mittelschwer ausgeprägt, kann eine Lichttherapie hilfreich sein. Der Patient sitzt etwa 30 bis 40 Minuten täglich vor einer hellen weißen Lichtquelle, deren anfängliche Dosis 10.000 Lux stark sein sollte. Hier werden spezielle Leuchten ohne UV-Strahlen eingesetzt. Die richtige Platzierung ist wichtig: Patienten sollen höchstens 50 bis 80 Zentimeter von der Lichtquelle entfernt sitzen und die Augen dabei geöffnet haben. Studien haben gezeigt, dass das Licht über die Netzhaut des Auges den Biorhythmus und andere Hirnfunktionen beeinflussen kann.
Die Therapie sollte morgens durchgeführt werden und kann den gesamten Winter über beibehalten werden. Sie kann zu Hause mit speziellen Tageslichtlampen oder in einer Arztpraxis erfolgen. Die Lichttherapie kann auch vorbeugend eingesetzt werden und schon im Oktober beginnen. Wer an einer Winterdepression leidet, sollte sich zudem viel draußen im Tageslicht aufhalten.
Medikation mit SSRI: Hierbei handelt es sich um eine medikamentöse Behandlung mit einem Antidepressivum. Antidepressiva der sogenannten Substanzklasse SSRI, Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, eignen sich vor allem zur Behandlung von mittelschweren und schweren Formen einer saisonal bedingten Depression. SSRI wirken stimmungsaufhellend und angstdämpfend.

Hintergrund: Wissenschaftler fanden heraus, dass der Botenstoff Serotonin bei Depressionen eine wichtige Funktion hat. Aus diesem Grund wurden die Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer entwickelt. Diese Medikamente verhindern, dass Serotonin wieder in die Nervenzelle aufgenommen wird. Dadurch liegt mehr freies Serotonin im Gehirn vor zur Übertragung von Nervensignalen. Das soll eine Depression positiv/günstig beeinflussen. Der behandelnde Arzt fällt die Entscheidung, ob und welches Antidepressivum eingesetzt werden soll, nach Abwägung vieler Kriterien, nach Wirksamkeit und Nebenwirkungen.

Wissenswertes zu Serotonin: Der Botenstoff Serotonin ist an der Steuerung von Lernvorgängen, Schlaf-Wach-Rhythmus und Emotionen sowie Blutdruck, Darmbewegung und Körpertemperatur beteiligt.

Körperliches Training: wirkt sich allgemein positiv auf den Gesundheitszustand aus und erwiesenermaßen auch auf die Behandlung einer Depression. Kraft- und Ausdauertraining haben positive Effekte auf depressive Symptome und sind oftmals Bestandteil einer Therapie. Darüber hinaus: Thai Chi und Qigong haben ebenfalls positive Eigenschaften auf den Gemütszustand.

Infofokasten
Depressionen: Hier finden Sie Hilfe!

  • Bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe finden Sie einen Selbsttest sowie Informationen in laienverständlicher Sprache zur Erkrankung: www.deutsche-depressionshilfe.de
  • Die Weisse Liste unterstützt Patienten und Angehörige bei der Suche nach einem Arzt und Psychotherapeuten: www.weisse-liste.de
  • Holen Sie sich Unterstützung bei Familie und Freunden und nehmen Sie Gesprächs- und Hilfsangebote an. Vielleicht hilft es Ihnen auch, sich mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe auszutauschen. Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe finden Sie bei NAKOS: Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen: www.nakos.de.
  • Telefonseelsorge
    Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenfrei und rund um die Uhr erreichbar. Gefördert wird das Angebot vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Übrigens: Der Anruf bei der Telefonseelsorge taucht nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis.
    Weitere Infos: www.telefonseelsorge.de

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