Notfall Schlaganfall:

Schnelles Handeln ist wichtig!

Ein Schlaganfall kann jeden von uns treffen. Laut Angabe der Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe erleiden ihn in Deutschland jedes Jahr knapp 270.000 Menschen. Rund 20 von 100 sterben innerhalb von vier Wochen, über 37 von 100 innerhalb eines Jahres. Der Schlaganfall ist hierzulande nach Krebs- und Herzerkrankungen die dritthäufigste Todesursache. Zwar überleben die meisten einen Schlaganfall, allerdings kann er bleibende Schäden zur Folge haben, die unter Umständen zu andauernder Pflegebedürftigkeit führen. Die gute Nachricht: Sie können selbst aktiv werden, um Ihr Schlaganfallrisiko zu senken.

Was ist ein Schlaganfall?

Krankheitsbeschreibung

Ein Schlaganfall ist immer ein medizinischer Notfall, der umgehend behandelt werden muss. In den meisten Fällen handelt es sich um einen sogenannten Hirninfarkt, bei dem ein verstopftes Blutgefäß zu einer Mangeldurchblutung des Gehirns führt. Man spricht hier von einem ischämischen Infarkt. Ursache ist eine Gefäßverkalkung oder ein Blutgerinnsel.
Eine andere Form des Schlaganfalls, die Hirnblutung, tritt ein, wenn ein Blutgefäß im Gehirn platzt und Blut ins Hirngewebe austritt. Auch hier wird das Nervengewebe nicht mehr genügend durchblutet und nimmt Schaden.
Beide Ursachen haben zur Folge, dass ein Bereich des Gehirns nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird und Nervenzellen absterben. Ein Schlaganfall kann bleibende Schäden verursachen. Er kann zum Beispiel zu Lähmungen und Sprachschwierigkeiten führen.

Wie erkennt man einen Schlaganfall?

Schlaganfall Symptome erkennen

Bei diesen Symptomen sollte sofort der Notarzt verständigt werden:

  • plötzlich auftretende Lähmung oder Taubheitsgefühl auf einer Körperseite oder im Gesicht
  • Sehstörungen, zum Beispiel Doppelbilder, Schleiersehen oder Ausfälle im Gesichtsfeld
  • Auffälligkeiten beim Sprechen, zum Beispiel stockende, abgehackte Sprache, Verdrehen von Silben oder auch verwaschenes, undeutliches Sprechen oder Störungen im Sprachverständnis − das Gesagte wird nicht mehr verstanden.
  • plötzliche sehr starke Kopfschmerzen von vorher unbekannter Art und Stärke
  • Schwindel mit Gangunsicherheit

FAST-Test hilft, einen Schlaganfall zu erkennen
Der sogenannte FAST-Test kann Laien dabei helfen, einen Schlaganfall innerhalb weniger Sekunden zu erkennen. Er gehört auch zur Ausbildung des Rettungspersonals. FAST steht für …

  • Face (Gesicht): Die betroffene Person soll lächeln. Ist das Gesicht dabei einseitig verzogen?
  • Arms (Arme): Die Person soll gleichzeitig beide Arme nach vorne strecken und die Handflächen nach oben drehen. Macht nur ein Arm die Bewegungen mit?
  • Speech (Sprache): Die Person soll einen einfachen Satz nachsprechen. Kann sie ihn richtig wiedergeben? Klingt die Stimme verwaschen?
  • Time (Zeit): Jetzt zählt jede Minute! Hat die Person bei einem oder mehreren Punkten Probleme, könnte es sich um einen Schlaganfall handeln. Rufen Sie umgehend den Notarzt!

Schlaganfall: Im Notfall ist schnelles Handeln wichtig!

„Time is Brain“ (engl: Zeit ist Gehirn) lautet die Devise, mit der Ärzte unterstreichen, wie wichtig der Faktor Zeit im Zusammenhang mit einem Schlaganfall ist. Alle Beteiligten müssen schnell und angemessen reagieren, damit die Therapie den größten Erfolg hat. Denn bei einem Schlaganfall kommt es auf jede Minute an. Die ersten Stunden danach entscheiden über die Zellschäden im Gehirn.

Angehörige oder Freunde des Schlaganfall-Patienten sollten sofort den Rettungsdienst alarmieren und nicht darauf warten, dass die Beschwerden verschwinden. Die Einbindung des Hausarztes verzögert die Aufnahme ins Krankenhaus nur.
Der Rettungsdienst versorgt den Betroffenen vor Ort und bringt ihn so schnell wie möglich in eine Klinik, im Idealfall in eine sogenannte Stroke Unit, eine auf Schlaganfälle spezialisierte Station. Der Transport sollte mit einem Rettungswagen erfolgen – das ist für den Patienten sicherer und geht meistens am schnellsten.

Die Stroke Unit erfüllt die technischen und personellen Voraussetzungen, um den Patienten bestmöglich zu versorgen und garantiert eine fachübergreifende Behandlung, wo Neurologen, Kardiologen, Neuro- und Gefäßchirurgen sowie Radiologen, aber auch ein spezialisiertes Team aus Krankenpflegern, Physio- und anderen Therapeuten Hand in Hand arbeiten. Die Chance, zu überleben und geringere Behinderungen davonzutragen, erhöht sich dadurch deutlich.
In Deutschland gibt es mehr als 300 von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und der Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe zertifizierte Stroke Units.

Übersicht hier:
http://www.schlaganfall-hilfe.de/adressen-stroke-units

Wie wird der Schlaganfall erkannt und behandelt?

Diagnose und Behandlung Schlaganfall

Ob der Schlaganfall durch ein Gerinnsel oder eine Blutung verursacht wurde, lässt sich mithilfe bildgebender Verfahren feststellen. Für die Diagnose des Schlaganfalls werden sofort nach Einlieferung in die Klinik Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt. Je schneller die Ursachen des Schlaganfalls behandelt werden, desto höher sind die Chancen, Hirnzellen zu retten und damit schlimme Folgen wie Pflegebedürftigkeit zu verhindern.
In der Akutphase eines Schlaganfalls müssen der neurologische Status und die Vitalfunktionen wie Herzschlag, Kreislauf und Atmung regelmäßig überwacht werden. Falls ein Blutgerinnsel Ursache des Schlaganfalls ist, bleibt den Medizinern nur ein Zeitfenster von etwa 4,5 Stunden, um es intravenös mittels Medikamenten wiederaufzulösen. Dieses sogenannte Lyse-Verfahren (auch Thrombolyse genannt) wird derzeit vor allem in den spezialisierten Stroke Units angewandt. Voraussetzung für diese Therapie ist der Ausschluss einer Hirnblutung durch eine Computertomografie.

Neue Therapieoption kann Behinderungen verhindern
Bei einigen Patienten besteht heute die Möglichkeit, das Blutgerinnsel über einen Katheter zu entfernen. Dieses Thrombektomie genannte neue mechanische Verfahren wird bislang nur in wenigen spezialisierten Kliniken angewandt, soll jedoch künftig vielen Patienten zugutekommen. Mithilfe eines Stents, der wie ein Drahtkäfig gebaut ist, kann das Gerinnsel umschlossen und danach abgesaugt werden. Eine neue Leitlinie empfiehlt in bestimmten Fällen eine Kombination aus Thrombolyse mit einem Medikament und der mechanischen Methode mittels Katheter.
Ist eine Hirnblutung Ursache für den Schlaganfall, muss in einigen Fällen operiert werden, um das ausgetretene Blut zu entfernen.
An die Akuttherapie schließt meist eine Rehabilitation an, die bereits auf der Stroke Unit mit Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie beginnt. Die weiterführende Rehabilitation startet oft schon nach kurzer Zeit in einer Rehaklinik − in einigen Fällen erfolgt sie auch ambulant. Nach einem Schlaganfall kann es bei den Patienten zu ausgeprägter Hoffnungslosigkeit und auch regelrechter Depression kommen. Für die Rehabilitation ist es jedoch wichtig, dass der Patient sich selbst nicht aufgibt und zuversichtlich bleibt. Denn der Rehabilitationserfolg hängt entscheidend von der Mitarbeit und dem Willen des Patienten ab. Patienten werden daher teilweise auch vorübergehend mit antidepressiven Medikamenten behandelt. Wichtig ist es auch für Angehörige, diesen Zusammenhang zu kennen und dem Patienten Mut und Zuversicht zu vermitteln: Körper und Gehirn verfügen glücklicherweise in vielen Fällen über enorme Regenerationsmöglichkeiten.

Wie kann man einem Schlaganfall vorbeugen?

Schlaganfall und Risikofaktoren: Vorsorge kann Leben retten!

Grundsätzlich kann jeder Mensch einen Schlaganfall erleiden. Das Risiko steigt allerdings mit zunehmendem Alter: Von 1.000 Menschen über 85 Jahren sind etwa 20 betroffen. In seltenen Fällen erleiden Kinder und Jugendliche einen Schlaganfall.
Gewisse Faktoren erhöhen das Risiko. Dazu gehören zum Beispiel das biologische Alter, eine genetische Veranlagung, Herzprobleme – insbesondere das sogenannte Vorhofflimmern, Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht oder ein erhöhter Cholesterinspiegel. Besondere Vorsicht gilt, wenn mehrere Risikofaktoren gemeinsam auftreten. Denn sie können sich gegenseitig beeinflussen und in ihrem Zusammenspiel ein erhöhtes Gesamtrisiko darstellen. 
An den Punkten Alter und familiäre Vorbelastung lässt sich nichts ändern. Einige Risikofaktoren können wir jedoch beeinflussen und damit dem Schlaganfall vorbeugen:

  • Bluthochdruck
    Der auch Hypertonie genannte Bluthochdruck ist der wichtigste Risikofaktor und für einen großen Anteil aller Schlaganfälle verantwortlich. Er verursacht Schäden an den Gefäßwänden und begünstigt die Entwicklung der Arteriosklerose, umgangssprachlich Arterienverkalkung genannt.
    Messen Sie daher regelmäßig Ihren Blutdruck und lassen Sie ihn, wenn nötig, durch Blutdruck senkende Medikamente behandeln. Die gute Nachricht: Wenn der Bluthochdruck medikamentös gut eingestellt ist, kann das Risiko für einen Schlaganfall deutlich reduziert werden. Wichtig zu wissen: Regelmäßiger Ausdauersport senkt Bluthochdruck auf sanfte Weise und beugt seiner Entstehung vor.
  • Rauchen
    Es erhöht das Schlaganfallrisiko um das Zwei- bis Vierfache! Über 250 schädliche und krebserregende Stoffe belasten die Blutgefäße und fördern die Entstehung einer Arterienverkalkung. Wichtig: Wer es schafft, mit dem Rauchen aufzuhören, kann in hohem Maße dazu beitragen, sein Schlaganfallrisiko zu verringern.
  • Vorhofflimmern
    Schätzungen zufolge leiden etwa 1,8 Millionen Bundesbürger an Vorhofflimmern, einer speziellen Form der Herzrhythmusstörung, die das Schlaganfallrisiko ebenfalls massiv erhöht. Die Vorhöfe des Herzens können sich nicht richtig zusammenziehen: Das Blut stockt, und es kann zu einem Gerinnsel im Herzen kommen, das über den Kreislauf ins Hirn geschwemmt wird, sich dort in einem kleinen Gefäß festsetzt und es verschließt. Als Basistherapie werden Medikamente zur Blutverdünnung verabreicht.
  • Diabetes
    Menschen mit Diabetes haben ein doppelt erhöhtes Schlaganfall-Risiko. Gefährlich: Der Typ-2-Diabetes wird durchschnittlich zehn Jahre zu spät diagnostiziert. Auslöser der Zuckerkrankheit sind vor allem Übergewicht und zu wenig körperliche Bewegung. Mit einem gesunden Lebensstil kann man einem Typ-2-Diabetes vorbeugen und die Folgeschäden vermeiden. Regelmäßige Gesundheits-Checks beim Arzt, wo unter anderem auch die Blutzuckerwerte bestimmt werden, helfen dabei, den Diabetes früher zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern. Durch den Abbau von Übergewicht werden Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fett- und Zuckerstoffwechselstörungen gesenkt. Wichtig ist eine konsequente Diabetestherapie, die für möglichst normale Blutzucker-und Blutdruckwerte sorgt.
  • Blutfette
    Ein erhöhter Cholesterinspiegel kann das Schlaganfallrisiko um das Zweifache erhöhen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass der Arzt auch die Blutfette im Auge behält.
  • Alkohol
    Auch übermäßiger Alkoholkonsum erhöht das Schlaganfallrisiko. Trinken Sie daher Alkohol nur in Maßen: Für Frauen liegt der Grenzwert zwischen zehn und zwölf Gramm reinem Alkohol täglich. Konkrete Mengeneinheiten: 0,3 Liter Bier, 0,15 Liter Wein oder Sekt. Für Männer liegt der Grenzwert zwischen 20 und 24 Gramm reinem Alkohol täglich. Das entspricht 0,5 Liter Bier, 0,25 Liter Wein oder Sekt täglich.
  • Bewegungsmangel
    Ein wichtiger Mosaikstein in der Schlaganfall-Prävention ist regelmäßige Bewegung. Sie sorgt dafür, dass Gefäße elastisch bleiben und der Körper gut mit Sauerstoff versorgt wird. Wichtig: Höchstleistungen müssen nicht sein. Gehen Sie einfach mehr zu Fuß, legen zwei-, dreimal pro Woche eine Runde mit dem Fahrrad ein oder melden sich bei einer Laufgruppe an.
  • Übergewicht
    Übergewicht steigert das Schlaganfallrisiko um das Zwei- bis Dreifache. Häufige Folgen sind Diabetes, Bluthochdruck und Gefäßkrankheiten. Wenn überflüssige Pfunde purzeln, werden Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fett- und Zuckerstoffwechselstörungen gesenkt.

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