Schwangerschaftsvorsorge und -früherkennung

Untersuchungen in der Schwangerschaft: Was zahlt die gesetzliche Krankenkasse?

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft dienen dazu festzustellen, ob sich das heranwachsende Kind normal entwickelt und die werdende Mutter gesund bleibt. Auf diese Weise können Auffälligkeiten im besten Fall frühzeitig erkannt und wenn nötig entsprechende Therapien eingeleitet werden. Wir erklären, welche Untersuchungen und Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.

Ab wann kann man eine Schwangerschaft erkennen?

Nachweisen lässt sich eine Schwangerschaft anhand eines speziellen Hormons, das im Mutterkuchen (Plazenta) gebildet wird: das humane Choriongonadotropin (hCG). Der weibliche Körper produziert es zunehmend, sobald sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut eingenistet hat. Möglich ist der Nachweis für hCG beispielsweise durch einen Schwangerschafts-Urintest. Bereits 8 bis 10 Tage nach Ausbleiben der Regel können die meisten Tests anzeigen, ob eine Schwangerschaft besteht. Allerdings: Das Ergebnis des Schwangerschaftstestes kann verfälscht werden, wenn er zu früh eingesetzt wird, die Frau bestimmte Medikamente nimmt oder sie vor dem Test sehr viel Flüssigkeit zu sich genommen hat. Aus diesem Grund sollte anschließend der Arzt aufgesucht werden, um eine Schwangerschaft sicher festzustellen oder auszuschließen.

Für welche Vorsorgeuntersuchungen übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten?

Grundsätzlich hat jede Schwangere einen gesetzlichen Anspruch auf eine ausreichende medizinische Untersuchung und Beratung. Für diese Leistungen werden die Kosten von den gesetzlichen und den privaten Krankenkassen übernommen. Falls eine Schwangere Leistungen nach dem Bundessozialhilfegesetz bezieht, übernimmt das Sozialamt die Kosten.

Die durchgeführten Maßnahmen und die Ergebnisse (mit Ausnahmen, wie beispielsweise bei den Ergebnissen der Tests auf HIV und Syphilis) werden im Mutterpass dokumentiert. Den Mutterpass stellt der behandelnde Arzt nach Feststellung der Schwangerschaft aus.

Der Mutterpass enthält eine Übersicht der Untersuchungen und Maßnahmen, die der Schwangeren im Rahmen der Vorsorge gesetzlich zustehen. Deren Umfang ist in den Mutterschafts-Richtlinien festgehalten, die der gemeinsame Bundesausschuss festlegt.

Zu ihnen gehören:

Ärztliche Beratung
Die Schwangerschaft ist für werdende Eltern meist eine aufregende Zeit voller Veränderungen und Fragen. Der betreuende Arzt ist in diesen Monaten ein wichtiger Ansprechpartner und Begleiter. Er hat nicht nur die Gesundheit von Mutter und Kind im Blick, sondern auch ein offenes Ohr für die Sorgen und Ängste seiner Patientin. Ein gutes Vertrauensverhältnis ist dabei die Voraussetzung für offene Gespräche. Die Schwangere sollte daher eine ärztliche Praxis wählen, in der sie sich gut aufgehoben fühlt.

Zur Vorsorge gehört neben den unten genannten Untersuchungen eine umfassende Beratung zu unterschiedlichen Themen rund um die Schwangerschaft. Diese umfasst unter anderem:

  • Empfehlungen bezüglich der Grippeimpfung:
    Gesunden Schwangeren wird empfohlen, sich ab dem zweiten Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) gegen die saisonale Influenza impfen zu lassen. Für Schwangere mit einem Grundleiden wird die Impfung aufgrund eines höheren Erkrankungsrisikos bereits im ersten Trimenon empfohlen.
  • Empfehlungen bezüglich der Ernährung:
    Laut Angaben des Netzwerkes „Gesund ins Leben“ gelten für Schwangere bezüglich der Ernährung die gleichen Empfehlungen wie für Frauen, die nicht schwanger sind – mit wenigen Ausnahmen. So wird auch werdenden Müttern empfohlen, ausgewogen und abwechslungsreich zu essen. Jedoch benötigt der Körper während der Schwangerschaft mehr Vitamine und Mineralstoffe – beispielsweise Folsäure oder Jod. Der Arzt kann die Patientin beraten, in welchen Fällen die Einnahme von speziellen Nahrungsergänzungsmitteln empfohlen wird und in welcher Dosis und Dauer sie eingenommen werden sollten.

Darüber hinaus sollten Schwangere bestimmte Nahrungsmittel nicht zu sich nehmen, um Lebensmittelinfektionen beispielsweise durch bestimmte Bakterien (wie Listerien) und Parasiten (wie dem Erreger der Toxoplasmose) zu vermeiden. Derartige Infektionen sind in der Schwangerschaft selten, können jedoch schwerwiegende Folgen für das ungeborene Kind haben. Die wichtigste Empfehlung zum Schutz vor einer Infektion lautet: keine rohen tierischen Lebensmittel essen, vor allem keine Produkte aus Rohmilch, kein rohes Fleisch und keinen rohen Fisch.

Mehr Informationen zum Thema finden Sie auf der Webseite Netzwerk „Gesund ins Leben“ der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) auf www.gesund-ins-leben.de

  • Die Bedeutung der Mundgesundheit für Mutter und Kind.
    Der Hintergrund: Die Hormonumstellung während der Schwangerschaft kann unter anderem dazu führen, dass das Zahnfleisch stärker durchblutet wird. Es kann dadurch anschwellen und weicher werden, sodass sich Bakterien schneller ansiedeln können. Dies kann beispielsweise zu einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis) führen. Auch für eine Entzündung des Zahnhalteapparates (Parodontitis) besteht in der Schwangerschaft ein deutlich erhöhtes Risiko. In Studien konnten Zusammenhänge zwischen dem Bestehen einer Erkrankung des Zahnhalteapparates und untergewichtigen Frühgeburten nachgewiesen werden.

Regelmäßige Untersuchungen
Im Abstand von vier Wochen können folgende Untersuchungen während der Schwangerschaft regelmäßig wahrgenommen werden. In den letzten zwei Monaten der Schwangerschaft werden sie in der Regel zweimal pro Monat durchgeführt.

  • Gewichtskontrolle
  • Blutdruckmessung
  • Kontrolle des Standes der Gebärmutter
  • Kontrolle der Herzaktionen des Kindes
  • Feststellung der Lage des Kindes innerhalb der Gebärmutter
  • Untersuchung des Urins, unter anderem zum Beispiel auf Zucker oder Eiweiß. Erhöhte Eiweißwerte im Urin können auf eine Entzündung der Nieren hindeuten. Lässt sich Zucker im Urin nachweisen, ist der Blutzuckerspiegel meist stark erhöht. Dies kann ein Hinweis auf Schwangerschaftsdiabetes sein (siehe unten).
  • Die Bestimmung des Hämoglobinwertes. Hämoglobin ist der Blutfarbstoff in den roten Blutkörperchen. Er transportiert Sauerstoff in alle Gewebe und Organe des Körpers. Bei niedrigen Werten spricht man von einer Blutarmut (Anämie). Ein Eisenmangel kann eine mögliche Ursache sein. Ist die Blutarmut stark ausgeprägt, kann sie in der Schwangerschaft zu Komplikationen führen. In der Regel wird das Hämoglobin daher bei Schwangeren bei der Erstuntersuchung und ab dem 6. Monat bestimmt.

Die erste Untersuchung nach Feststellung der Schwangerschaft sollte möglichst frühzeitig erfolgen. Sie beinhaltet:

  • eine Gewichtskontrolle
  • eine Blutdruckmessung
  • die oben genannte Untersuchung des Urins, unter anderem zum Beispiel auf Zucker und Eiweiß
  • die oben genannte Bestimmung des Hämoglobinwertes

Hinzu kommt eine gynäkologische Untersuchung einschließlich einer Untersuchung auf eine Chlamydien-Infektion. Chlamydien sind Bakterien. Eine Infektion während der Schwangerschaft kann zu einer Frühgeburt führen.

Zusätzlich zu den Untersuchungen führt der Arzt mit der Patientin ein ausführliches Untersuchungsgespräch (Anamnese). In diesem stellt der Arzt unter anderem Fragen

  • zum Gesundheitszustand seiner Patientin,
  • zu Vorerkrankungen von Familienmitgliedern,
  • zum beruflichen Umfeld der Schwangeren,
  • zum sozialen Umfeld der Schwangeren.

Falls die Schwangere bereits ein Kind oder mehrere Kinder hat, wird der Arzt die Befunde aus den zuvor ausgestellten Mutterpässen in die Anamnese miteinbeziehen.

Blutuntersuchungen
Anhand von Blutuntersuchungen lässt sich herausfinden, ob die Schwangere an Krankheiten leidet, die ihr oder dem Kind schaden können. Zu den Untersuchungen, die von der gesetzlichen Krankenkasse gezahlt werden, gehören unter anderem

  • eine Untersuchung auf eine Infektion mit Syphilis (Lues), einer Geschlechtskrankheit,
  • eine Untersuchung auf eine HIV-Infektion (Humanes Immunschwäche-Virus),
  • eine Untersuchung auf eine Hepatitis B, eine Entzündung der Leber sowie
  • eine Untersuchung auf eine Toxoplasmose. Diese durch Parasiten verursachte Erkrankung wird beispielsweise durch den Kontakt mit Katzenkot übertragen, durch den Verzehr von rohem oder von nicht genügend erhitztem Fleisch sowie verunreinigtem Obst oder Gemüse. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen für diese Untersuchung jedoch nur dann, wenn ein begründeter Verdacht besteht, dass eine Ansteckung mit den Erregern erfolgt ist.

Fällt ein Test positiv aus, so können je nach Art der Infektion spezielle Therapien eingeleitet beziehungsweise Maßnahmen ergriffen werden, die eine Übertragung der Erreger von der Mutter auf das Kind verhindern sollen.

Darüber hinaus werden folgende Blutuntersuchungen empfohlen:

  • ein Test auf Rötelnantikörper. Der Hintergrund: Erkrankt eine Schwangere an Röteln, kann dies insbesondere in den ersten Schwangerschaftswochen zu schweren Schäden beim Ungeborenen führen. Der Test prüft, ob ein ausreichender Schutz gegen die Viren besteht. Die Untersuchung kann entfallen, wenn vor der Schwangerschaft eine zweifache Impfung dokumentiert worden ist oder bereits spezifische Antikörper festgestellt worden sind.
  • die Blutgruppe und den Rhesusfaktor. Der Hintergrund: Der Rhesusfaktor ist eine vererbte Eigenschaft der roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Ist das Blut einer Schwangeren Rhesus-negativ, das Blut des ungeborenen Kindes jedoch Rhesus-positiv, so kann es sein, dass der Körper der werdenden Mutter Antikörper gegen die ihm fremden Rhesus-positiven Blutkörperchen bildet. Diese können vor allem den Kindern nachfolgender Schwangerschaften schaden. Um dies zu verhindern, erhalten Schwangere bei Bedarf sogenannte Anti-D-Globuline, die die Bildung von Antikörpern verhindern.

Ultraschalluntersuchungen
Zur Schwangerschaftsvorsorge gehören 3 Basis-Ultraschalluntersuchungen, deren Kosten von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden. Sie dienen unter anderem dazu zu überprüfen, ob sich das Ungeborene altersgerecht entwickelt oder ob es Hinweise auf Entwicklungsstörungen gibt. Zudem kann so festgestellt werden, ob es sich eventuell um eine Mehrlingsschwangerschaft handelt.

In der Regel erfolgt eine Untersuchung in jedem Schwangerschaftsdrittel (Trimenon). Empfohlen werden sie in den folgenden Schwangerschaftswochen (SSW):

1. Ultraschalluntersuchung: 09. bis 12. SSW

2. Ultraschalluntersuchung: 19. bis 22. SSW

3. Ultraschalluntersuchung: 29. bis 32. SSW

Bei dem zweiten Termin kann die Schwangere zwischen zwei verschiedenen Varianten wählen: der Basis-Ultraschalluntersuchung und der erweiterten Basis-Ultraschalluntersuchung.

  • Bei der ersten Variante werden die Größe von Kopf und Bauch des Kindes gemessen, ebenso die Länge des Oberschenkelknochens. Außerdem wird die Position der Plazenta in der Gebärmutter beurteilt.
  • Bei der zweiten Variante werden zusätzlich weitere Körperteile genauer untersucht. Zu diesen zählen Kopf, Hals und Rücken, Brustkorb und Rumpf. Dieser Ultraschall wird von einem auf die Untersuchung spezialisierten Arzt vorgenommen.  

Bestehen bestimmte Risiken oder treten Komplikationen auf, können häufigere Ultraschalluntersuchungen sinnvoll sein. Diese werden dann ebenfalls von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

Untersuchungen auf Schwangerschaftsdiabetes
Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) gehört in Deutschland zu den häufigsten Komplikationen, die während einer Schwangerschaft auftreten können. Dabei ist der Blutzuckerspiegel der Patientin erhöht, wodurch das Risiko für bestimmte seltene Geburtskomplikationen steigt.

Schwangere, bei denen bislang noch kein Diabetes festgestellt worden ist, haben die Möglichkeit, zwischen der 24. und 27. Schwangerschaftswoche einen Glukosetoleranztest zu machen. Der Test misst, wie der Körper auf eine größere Menge Traubenzucker (Glukose) reagiert. Überschreiten die danach gemessenen Blutzuckerwerte bestimmte Grenzwerte, folgt ein weiterer Test.

Gut zu wissen: Der erhöhte Blutzucker während der Schwangerschaft kann meist allein durch eine Umstellung der Ernährung und mehr Bewegung ausreichend gesenkt werden. Nur wenige Schwangere mit Gestationsdiabetes haben so anhaltend hohe Werte, dass sie Insulin spritzen müssen.

Weitere Informationen zum Thema Schwangerschaftsdiabetes finden Sie auf der Seite des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)  finden Sie unter: https://www.gesundheitsinformation.de/schwangerschaftsdiabetes.2108.de.html

Wann handelt es sich um eine Risikoschwangerschaft?

Durch die Erstuntersuchung wird festgestellt, ob bei der Schwangeren eine Risikoschwangerschaft vorliegt. Eine solche ist dann gegeben, wenn aufgrund des Alters, der medizinischen Vorgeschichte der Mutter oder durch Untersuchungsergebnisse mit einem erhöhten Risiko für Leben und Gesundheit von Mutter oder Kind zu rechnen ist.

Als Kriterien für eine Risikoschwangerschaft gibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter anderem folgende an:

  • ein Alter der erstgebärenden Mutter, das über 35 Jahren oder unter 18 Jahren liegt
  • Vorerkrankungen der Mutter (zum Beispiel Diabetes, Asthma, Epilepsie, Herzerkrankungen, Nieren- und Schilddrüsenerkrankungen, Bluthochdruck, Tuberkulose, Hepatitis)
  • vorangegangene Frühgeburten, Fehlgeburten, Schnittentbindungen (Kaiserschnitt)
  • eine Unverträglichkeit des Rhesusfaktors von Mutter und Kind (siehe oben)
  • eine Mehrlingsschwangerschaft
  • bestimmte Erbkrankheiten in der Familie

Die genannten sowie vielfältige weitere Merkmale können dazu führen, dass eine Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft eingestuft wird. Dann zahlt die gesetzliche Krankenkasse bei Bedarf auch für häufigere Untersuchungen beziehungsweise für Untersuchungen, die über die oben genannten hinausführen.

Weitere Informationen zum Thema Risikoschwangerschaften finden Sie auf der Webseite „Familienplanung“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) finden Sie unter: https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/schwangerschaftsvorsorge/risikoeinstufung/.

Welche Risiken gibt es bei der Ultraschalluntersuchung?

Nach aktuellem Stand der Wissenschaft schaden die bei einer Ultraschalluntersuchung eingesetzten Schallwellen weder Mutter noch Kind. Bei der Entscheidung für oder gegen eine Untersuchung sollten jedoch unter anderem folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Unklare Ergebnisse oder Auffälligkeiten können bei den werdenden Eltern Sorgen und Ängste auslösen. Zudem können weitere Untersuchungen empfohlen werden, wodurch die Eltern zusätzlich belastet werden.
  • Darüber hinaus kann es passieren, dass bei der Untersuchung gesundheitliche Probleme des Kindes festgestellt werden, diese aber nicht behandelbar sind. Für die werdenden Eltern kann daraufhin eventuell eine Entscheidung darüber nötig sein, ob eine Schwangerschaft fortgesetzt oder abgebrochen werden soll.
  • Andererseits kann es auch passieren, dass bei der Ultraschalluntersuchung gesundheitliche Probleme des Kindes nicht erkannt werden. Wird das Kind dann mit einer schwerwiegenden Erkrankung oder Fehlbildung geboren, kann dies für die Eltern ein Schock sein.

Adressen von Beratungsstellen sowie weitere Informationen finden Sie auf der Webseite „Familienplanung“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter www.familienplanung.de.

Gehören Untersuchungen im Rahmen der Pränataldiagnostik zu den normalen Vorsorgeuntersuchungen?

Bei der Pränataldiagnostik, also der „vorgeburtlichen Diagnostik“, handelt es sich um Untersuchungen, die gezielt durchgeführt werden, um Fehlbildungen oder Störungen beim ungeborenen Kind festzustellen. Sie gehen über die im Mutterpass vorgesehenen Vorsorgeuntersuchungen hinaus und müssen daher als individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) selbst bezahlt werden.  

Es gibt jedoch eine Ausnahme: Ergeben sich im Rahmen der oben genannten Vorsorgeuntersuchungen oder bereits durchgeführter pränataldiagnostischer Untersuchungen Anzeichen darauf, dass die kindliche Entwicklung beeinträchtigt sein könnte, werden die Kosten weiterer Untersuchungen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Zudem haben Schwangere über 35 Jahren einen Anspruch auf eine von der Kasse bezahlte Fruchtwasseruntersuchung.

Vor der Entscheidung für oder gegen Untersuchungen aus dem Bereich der Pränataldiagnostik sollten sich die zukünftige Mutter und der zukünftige Vater über die Vor- und Nachteile der Angebote informieren. So kann zum Beispiel eine Untersuchung auf eine erblich bedingte Krankheit sinnvoll sein, falls diese in der Familie vorliegt. Ein unauffälliges Ergebnis kann die werdenden Eltern beruhigen.

Zu berücksichtigen ist jedoch die Tatsache, dass fast alle Kinder gesund geboren werden – und die meisten Behinderungen erst nach der Geburt im Laufe des Lebens entstehen. Darüber hinaus sollten unter anderem folgende Aspekte bedacht werden:

  • Nur ein Teil der möglichen Beeinträchtigungen des Kindes kann während der Schwangerschaft festgestellt werden. Somit können die Untersuchungen der Pränataldiagnostik keine Garantie dafür geben, dass das heranwachsende Kind gesund ist.
  • Die Untersuchungen können Erkrankungen übersehen oder einen Fehlalarm auslösen. Sind sie nicht eindeutig, können weiterführende Untersuchungen notwendig sein.
  • Nur wenige der feststellbaren Behinderungen und Entwicklungsstörungen des ungeborenen Kindes können während der Schwangerschaft behandelt werden. Zudem können die Untersuchungen meist wenig darüber aussagen, wie schwer das Kind durch eine festgestellte Erkrankung beeinträchtigt sein wird.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf der Webseite „Familienplanung“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) finden Sie unter: https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/praenataldiagnostik/was-ist-praenataldiagnostik/

Ist die Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen verpflichtend?

Die Untersuchungen im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge werden jeder Schwangeren in den Mutterschafts-Richtlinien empfohlen. Trotzdem ist das Wahrnehmen des Angebots eine individuelle Entscheidung der Schwangeren beziehungsweise der werdenden Eltern.

Die Vor- und Nachteile jeder Untersuchung sollten von jeder Schwangeren beziehungsweise von dem werdenden Elternpaar auf der Grundlage neutraler Informationen individuell abgewogen werden.

Jede Schwangere hat das Recht, auf alle oder einzelne Untersuchungen zu verzichten. Beim Ultraschall zum Beispiel besteht darüber hinaus die Möglichkeit, nur darüber informiert zu werden, ob sich das Kind altersgemäß entwickelt, nicht aber, ob es Fehlbildungen hat. In diesem Fall wird der Arzt die Patientin darum bitten, ihre Entscheidung durch eine Unterschrift zu bestätigen und ihn so von seiner Informationspflicht zu entbinden.

Disclaimer

Dieser Text dient ausschließlich der Information und soll Erkrankten und ihren Angehörigen erste Inhalte vermitteln, um einzelne Untersuchungs- und Therapieschritte besser verstehen zu können. Diese Informationen ersetzen keinen Arztbesuch und sind keine Aufforderung zur Selbstbehandlung und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden.

Der Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Quellen


Erstellungsdatum: 03.05.2019
Letzte Aktualisierung: 03.05.2019

Herausgeber: Unabhängige Patientenberatung Deutschland, UPD

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