Hormonelle Empfängnisverhütung

Was ist eine hormonelle Empfängnisverhütung?

Eine hormonelle Empfängnisverhütung ist die am weitesten verbreitete Methode der Verhinderung einer ungewollten Schwangerschaft. Die dazu verwendeten Präparate enthalten meist eine Kombination zweier Hormone (kombinierte hormonale Kontrazeptiva (KHK), die “Pille“), die künstlich hergestellt werden. Sie entsprechen in ihrer Wirkung den natürlichen weiblichen Sexualhormonen (Östrogenen und Gestagenen). Des Weiteren können Präparate verwendet werden, die nur ein Hormon (Gestagen) enthalten (die “östrogenfreie Pille“ oder “Nur-Gestagen-Pille“).

Wie wird die hormonelle Empfängnisverhütung angewendet?
Die verschiedenen Präparate zur hormonellen Empfängnisverhütung werden unterschiedlich eingesetzt:

Kombinationspräparate:

  • Die Präparate in Tablettenform werden meist – mit einer monatlichen Pause – täglich eingenommen. Manchmal werden statt der Tablettenpause wirkstofffreie Tabletten eingenommen. Nach der Aufnahme werden sie im Magen-Darmtrakt von der Leber verstoffwechselt.
  • Das Verhütungspflaster wird auf die Haut geklebt und die Wirkstoffe gelangen durch die Haut ins Blut und entfalten dort ihre Wirkung. Der Hormone freisetzende Verhütungsring wird monatlich von der Frau in die Scheide eingesetzt und nach jeweils drei Wochen wieder entfernt. Die Wirkstoffe gelangen durch die Schleimhaut ins Blut.       

Die jeweilige genaue Anwendung kann im Beipackzettel und per Internet in verschiedenen Sprachen nachgelesen werden. In Zweifelsfragen kann immer die Praxis weiterhelfen, in der das Präparat verschrieben wurde.

Östrogenfreie/Nur-Gestagen-Präparate:

  • Der östrogenfreie Ovulationshemmer (Mini-Pille) wird meist ebenfalls als Tablette eingenommen, jedoch wird hier keine monatliche Pause gemacht.
  • Ein Gestagen-haltiges Verhütungsstäbchen (vier Zentimeter lang und zwei Millimeter dick) wird in örtlicher Betäubung auf der Innenseite des Oberarms unter die Haut eingesetzt.
  • Eine Gestagen-haltige Hormonspirale wird vom Frauenarzt in die Gebärmutter eingesetzt.
  • Die sogenannte Dreimonatsspritze wird in den Gesäß- oder Oberarmmuskel der Frau gespritzt.

Auch hier gilt: Die jeweilige genaue Anwendung kann im Beipackzettel und per Internet in verschiedenen Sprachen nachgelesen werden. In Zweifelsfragen kann immer die Praxis weiterhelfen, in der das Präparat verschrieben wurde.

Notfallverhütung: die „Pille danach“
Mit der „Pille danach“ kann eine Schwangerschaft nach missglückter beziehungsweise unsicherer Verhütung oder ungeschütztem Geschlechtsverkehr verhindert werden. Es gibt zwei unterschiedliche Typen. Die eine enthält das Hormon Levonorgestrel, die andere den Wirkstoff Ulipristalacetat.

Wie wirkt die hormonelle Empfängnisverhütung?

Kombinationspräparate sowie Verhütungspflaster und -ring und östrogenfreie Präparate stellen über verschiedene Angriffspunkte die Verhütung sicher:

  • Östrogene und Gestagene verhindern die Freisetzung von Hormonen aus dem vorderen Teil der Hirnanhangsdrüse (Hypophysenvorderlappen), die ihrerseits in den Keimzellen für die Bildung und Freisetzung weiterer Hormone und die Reifung der Eizellen und Spermien verantwortlich sind.
    Die Verhütungshormone beeinträchtigen die Bildung bestimmter Stoffe (Steroide) und erreichen so eine Störung der Vorbereitung der Gebärmutter auf die Einnistung der befruchteten Eizelle. Auch der Eisprung wird durch ihre Wirkung gehemmt.
    • Der Transport befruchtungsfähiger Eizellen in den Eileitern wird gehemmt.
    • Der Gebärmutterhalsschleim wird so verändert, dass das Aufsteigen von Spermien in die Gebärmutter verhindert wird.
    • Eine Beeinflussung der Gebärmutterschleimhaut erschwert die Einnistung einer befruchteten Eizelle.
  • Östrogenfreie/Nur-Gestagen-Präparate: Die entscheidende Wirkung der Minipille ist die Veränderung des Gebärmutterhalsschleims. Die Eireifung wird gestört, der Eisprung bleibt aber nur teilweise aus. Der östrogenfreie Ovulationshemmer, das Verhütungsstäbchen, die Hormonspirale und die Dreimonatsspritze hemmen zusätzlich den Eisprung.
  • Die „Pille danach“ verhindert oder verzögert den Eisprung. Dadurch kommen Eizelle und Spermium nicht mehr in Kontakt und die Eizelle kann nicht befruchtet werden. Eine Schwangerschaft kann mit der Pille danach nicht abgebrochen, nur verhindert werden. Allerdings wirkt sie nur kurzfristig und nachträglich. Bei jedem weiteren Geschlechtsverkehr muss verhütet werden, auch wenn die Betroffene die „Pille danach“ vorher genommen hat.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen können je nach Präparat auftreten. Häufig kann leichteren Beschwerden durch einen Wechsel des Präparates oder eine Anpassung der Dosis begegnet werden. Die „Pille danach“ hat keine schwerwiegenden oder langfristigen Nebenwirkungen.

Risiken

Das Risiko für Komplikationen durch die Einnahme von östrogenhaltigen Verhütungsmitteln (Kombinationspräparate, KHK) ist bei verschiedenen Krankheiten und Situationen erhöht.

Der Arzt soll östrogenhaltige Verhütungsmittel bei folgenden Krankheiten und Störungen nicht verschreiben:

  • Thromboembolie, Beinvenenembolie, Lungenembolie,
  • Schlaganfall,
  • Herzinfarkt,
  • sehr hohe Blutfettwerte,
  • längere komplette Ruhigstellung (Immobilisierung),
  • ein geplanter größerer chirurgischer Eingriff,
  • bekannte Störungen in der Blutgerinnung,
  • ausgeprägtem Bluthochdruck,
  • schwerem Übergewicht (Adipositas) (BMI über 30kg/m²)
  • einer Herzgefäßverkalkung,
  • Brustkrebs und anderen hormonabhängigen Tumoren,
  • bestimmten Lebererkrankungen,
  • der Zuckerkrankheit (Diabetes) mit Gefäßschäden,
  • bestimmten Formen von Migräne,
  • starkem Rauchen.

Diese Faktoren schließen daher die Einnahme von östrogenhaltigen Präparaten aus.

Bestimmte Faktoren schränken die Einnahme der Pille ein.
Bei weiteren Situationen ist es die Kombination von mindestens zwei Risikofaktoren, die die Nutzung der Kombinationspräparate zu risikoreich macht:

Es sollte eine sorgfältige Abwägung und individuelle Beratung durch den Frauenarzt erfolgen bei:

  • ausgeprägten Krampfadern und Venenentzündungen,
  • anderen Erkrankungen, die die Gefahr einer Thrombose erhöhen, zum Beispiel:
  • Krebs
  • mäßigem Übergewicht,
  • leichtem Bluthochdruck,
  • gut eingestellter Zuckerkrankheit,
  • leichtem Rauchen,
  • thromboembolischen Ereignissen bei nahen Verwandten (als sie jünger als 50 Jahre waren) oder hohe Blutfettwerte,
  • Migräne,
  • Vorhofflimmern, Herzrhythmusstörungen, Erkrankungen der Herzkranzgefäße
  • bestimmten Arzneimitteln, wie zum Beispiel Kortison oder Antidepressiva

Es dürfen demnach zum Beispiel einer Frau, die raucht und sehr stark übergewichtig (adipös) ist (BMI über 30 kg/m2), die östrogenhaltigen (KHK) nicht verschrieben werden. Bezüglich der östrogenfreien hormonellen Verhütungsmittel muss im Einzelfall entschieden werden.

Sicherheit und Beeinträchtigung des Verhütungsschutzes
Die Sicherheit einer Verhütungsmethode wird durch den sogenannten Pearl-Index angegeben. Dieser bezeichnet die Versagerquote einer Verhütungsmethode, also die Anzahl der ungeplanten Schwangerschaften, die auftreten, wenn 100 Frauen diese Methode jeweils ein Jahr lang anwenden. Der Pearl-Index liegt für die beschriebenen hormonellen Verhütungsmethoden – mit Ausnahme der Minipille – bei regelgerechter Anwendung unter 1. Die Verhütungssicherheit wird generell durch Einnahmefehler, Erbrechen und Durchfall in zeitlichem Zusammenhang mit der Pilleneinnahme, durch gleichzeitige Anwendung anderer Medikamente (unter anderem Antibiotika, Medikamente gegen Epilepsie und Johanniskraut) gefährdet.

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