Insulintherapie

Was ist eine Insulintherapie?

Die Insulintherapie ist eine Behandlungsmethode, bei der zur Therapie eines krankhaft erhöhten Blutzuckers ein Insulinpräparat verabreicht wird, um den Mangel des körpereigenen Stoffwechselhormons Insulin auszugleichen.

Insulin und seine Funktion im Organismus
Insulin ist ein Hormon, das in speziellen Zellen, den B-Zellen, der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Es spielt im Kohlehydratstoffwechsel eine zentrale Rolle. Insulin ist dafür verantwortlich, den aus der Nahrung zugeführten Traubenzucker (Glukose) in die Körperzellen einzuschleusen. Dort dient der Traubenzucker als direkter Energielieferant oder nach Umwandlung im Stoffwechsel als Energiespeicher in Form von Vielfachzucker (Glykogen) oder Fett. Über einen eigenen Regelmechanismus hält der Körper mithilfe des Insulins den Blutzucker in engen Grenzen konstant – etwa 60 bis 140 Milligramm pro Deziliter (ein zehntel Liter) beziehungsweise 3,3 bis 7,8 Millimol pro Liter im nüchternen Zustand. (Mol ist die Einheit der Stoffmenge eines Moleküls).
Ein Blutzuckeranstieg, wie zum Beispiel nach einer Mahlzeit, regt die Insulinausschüttung an. Ein Blutzuckerabfall, zum Beispiel zwischen den Mahlzeiten, bei körperlicher Belastung und nachts, drosselt die Insulinausschüttung. Menschen mit Störungen dieser Regelung des Blutzuckerstoffwechsels mit dem Krankheitszeichen der Überzuckerung (Hyperglykämie) leiden unter der sogenannten „Zuckerkrankheit“, dem Diabetes mellitus. Der Nachweis des Diabetes mellitus gelingt durch Messung des Blutzuckerwertes.

Unterschieden wird:

  • Diabetes mellitus Typ 1: tritt besonders bei jüngeren Menschen auf und führt durch rasch fortschreitende völlige Zerstörung der Insulinzellen der Bauchspeicheldrüse durch eine Immunreaktion des eigenen Körpers zum absoluten Insulinmangel.
  • Diabetes mellitus Typ 2: tritt meist bei übergewichtigen Menschen auf, bei denen eine zunehmende Insulinresistenz und eine gestörte Abgabe (Sekretion) von Insulin vorliegen.
  • Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes). Sie kommt bei etwa drei bis fünf von 100 Schwangerschaften vor.
  • Andere spezifische Diabetes-Typen treten zum Beispiel bei Ausfall oder Entfernung der Bauchspeicheldrüse, erblichen (genetischen) Defekten oder endokrinen Erkrankungen auf (Endokrin heißen Hormondrüsen, die ihr Produkt nach innen, direkt ins Blut abgeben).

Wann wird die Insulintherapie durchgeführt?

Bestimmte Formen der Diabeteserkrankung sind insulinpflichtig, das heißt, die Krankheit lässt sich nur durch regelmäßige Injektionen des Hormons therapieren.

Insulinpflichtig sind:

  • Typ-1-Diabetes-mellitus
  • Typ-2-Diabetes-mellitus, der durch Diät, Bewegung und Tabletten nicht kontrolliert werden kann.
  • Diabetes mellitus, der in der Schwangerschaft auftritt und nicht diätetisch eingestellt werden kann.
  • sowie einige Diabetesformen bei anderen Erkrankungen.


Insulinarten
Zur Behandlung des Diabetes mellitus werden heute überwiegend sogenannte „Humaninsuline“ genutzt. Dabei handelt es sich um Insuline, die künstlich oder gentechnisch hergestellt werden und in ihrem biochemischen Aufbau mit dem menschlichen Insulin identisch sind. Diese Humaninsuline sind generell gut verträglich. Außerdem besteht kein Risiko für die Übertragung von ansteckenden Krankheiten. Insuline werden auf dem Markt in drei unterschiedlichen Konzentrationen (Konzentration = Wirkstoff pro Menge) angeboten, nämlich U40 (entsprechen 40 internationale Einheiten pro Milliliter), U100 (entsprechen 100 internationalen Einheiten pro Milliliter) und U300 (entsprechen 300 internationalen Einheiten pro Milliliter), die nicht miteinander verwechselt werden dürfen. Abkürzung für internationale Einheit ist IE.

In der Therapie des Diabetes mellitus unterscheidet man drei Formen von Insulinen:

  • Kurz wirkendes Insulin: Normalinsulin (Altinsulin), Insulinanaloga
  • Lang wirkendes Insulin/Verzögerungsinsulin: Intermediärinsulin, analoges Langzeitinsulin
  • Mischinsulin: kurz wirkendes Insulin plus Verzögerungsinsulin

Alle Insuline müssen unter die Haut (subkutan) oder je nach Typ in die Vene (intravenös) injiziert werden, da sie bei oraler Verabreichung (als Tablette oder Tropfen) durch die Magensäure zerstört würden und somit keine Wirkung hätten.

Kurz wirkende Insuline
Der Effekt eines kurz wirkenden Normalinsulins setzt 15 bis 30 Minuten nach der Injektion ein und hält vier bis sechs Stunden an. Sogenannte „Insulinanaloga“ (Insulin-Lispro, Insulin-Aspart und Insulin-Glulisin) sind schnell wirksame Insuline. In ihrer Grundstruktur gleichen sie dem menschlichen Insulin. Um andere Wirkeigenschaften zu erreichen, sind einzelne Aminosäuren (das sind Bausteine der Eiweiße) gezielt ausgetauscht. Die Wirkung setzt nach der Injektion rasch ein und hält zwei bis drei Stunden an. Diese Insuline können unter die Haut oder in die Vene (nur in Notfällen durch einen Arzt im Krankenhaus) gegeben werden. Sie werden vor oder zu den Mahlzeiten oder zur Korrektur eines zu hohen Blutzuckerwertes injiziert.

Langwirksame Insuline/Verzögerungsinsuline
Bei den Intermediärinsulinen, einer Gruppe der Verzögerungsinsuline, setzt die Wirkung etwa eineinhalb Stunden nach der Injektion ein. Die Wirkdauer beträgt üblicherweise acht bis zwölf Stunden. Die Verlängerung der Wirkdauer der Intermediärinsuline gegenüber den kurz wirkenden Insulinen wird durch den Zusatz von unterschiedlichen Verzögerungsstoffen, Zink oder Protamin (ein basisches Eiweiß), erreicht. Diese Verzögerungsstoffe können bei empfindlichen Menschen an der Injektionsstelle Gewebereaktionen hervorrufen oder eine Antikörperbildung auslösen. Antikörper werden vom Körper produziert, wenn das Immunsystem von außen zugeführte Stoffe als fremd erkennt. Sie hat unter Umständen eine Abschwächung der Insulinwirkung zur Folge. Intermediärinsuline eignen sich nur zur Gabe unter die Haut.

Langzeitinsuline
Eine weitere Form der Verzögerungsinsuline sind die analogen Langzeitinsuline. Sie wirken bis zu 24 Stunden. In diese Gruppe fällt auch das Analog-Insulin Glargin, das sich durch eine konstante 24-Stunden-Wirkung ohne Blutzuckerspitzen auszeichnet. Es muss nur einmal pro Tag gespritzt werden und sorgt unabhängig von den Mahlzeiten für einen gleichmäßigen Basisspiegel. Ein weiteres analoges Langzeitinsulin ist das Insulin Detemir (Wirkdauer bis circa 20 Stunden).

Mischinsulin
Mischinsuline enthalten neben kurz wirksamen auch langwirkende Insuline (Intermediärinsuline). Ihr Vorteil ist, dass die Wirkung rasch einsetzt und lange anhält. Dadurch kann die Anzahl der notwendigen Injektionen reduziert werden.

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