Laborwerte

Was ist das Blutserum?

Das Blutserum ist der flüssige Bestandteil des Blutes ohne Blutplättchen und rote oder weiße Blutkörperchen.

Welche Werte werden im Blutserum bestimmt?
Durch eine Untersuchung des Blutserums kann man eine Vielzahl von Erkrankungen erkennen. Es lassen sich wichtige Stoffe bestimmen, die eine Beurteilung der Funktion der inneren Organe erlauben. Im Einzelnen untersucht man die Blutwerte zur Beurteilung von Nieren, Herz, Leber, Magen und Darm sowie von Gallenwegen, Bauchspeicheldrüse, Milz, Lunge, Prostata und Schilddrüse. Außerdem erhält man eine Angabe über den Gehalt an Mineralstoffen, Hormonen, Eiweiß, Vitaminen und Enzymen (Enzyme machen viele lebenswichtige Reaktionen in unserem Körper erst möglich). Im Folgenden wird die Bedeutung derjenigen Laborwerte erläutert, die am häufigsten in der ärztlichen Praxis ermittelt werden.

Die Normwerte variieren je nach Testverfahren, nach Art der Blutentnahme, aufgrund der Lagerung, des Alters, des Geschlechts und wegen unterschiedlichen Untersuchungsmethoden. Es gelten die Normwerte des Labors, in dem die Werte analysiert werden. Die genannten Werte können also lediglich richtungsweisend sein.

Albumin
Albumin ist das am häufigsten vorkommende Eiweißmolekül (Protein) in unserem Organismus. Es dient vor allem als Transportmittel für andere im Blut gelöste Stoffe, die sich nur in Verbindung mit Eiweißmolekülen im Blut aufhalten können. Außerdem verhindert es einen zu starken Flüssigkeitsausstrom aus den Blutgefäßen. Der Gehalt des Blutes an Albumin und anderen Proteinen ist im Wesentlichen vom Eiweißgehalt der Nahrung und von einer normalen Funktion der Leber abhängig.

Der Normalwert des Albumin beträgt: 35 bis 55 Gramm pro Liter(g/l) beziehungsweise. 60,6 bis 68,6% des Gesamteiweißes.

Alkalische Phosphatase (AP)
Bei der Alkalischen Phosphatase handelt es sich um ein Enzym. Die Phosphatase ist vor allem in den Gallenwegen und im Knochen zu finden. Daher bestimmt man ihren Gehalt bei Verdacht auf eine Erkrankung dieser Organe.

Der Normalwert der Aktivität der Alkalischen Phosphatase beträgt: 60 bis 180 Units pro Liter (U/l).

Alpha-Amylase
Die Alpha-Amylase ist ein Enzym, das sowohl in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) als auch in den Speicheldrüsen des Mundes zu finden ist. Sie ist wesentlich an der Verdauung von Kohlenhydraten beteiligt und wird regelmäßig bei Verdacht auf eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse bestimmt.

Der Normalwert der Alpha-Amylase beträgt: 50 bis 130 Units pro Liter (U/l).

Bilirubin
Bilirubin ist der Gallenfarbstoff. Er entsteht beim Abbau des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) in der Leber und wird über die Gallenflüssigkeit in den Darm und dann vom Körper ausgeschieden. Bilirubin bestimmt man in der Regel bei Verdacht auf Blut-, Leber- oder Gallenwegserkrankungen.

Der Normalwert des Gesamtbilirubins beträgt: 0,2 bis 1,1 Milligramm pro Deziliter(mg/dl) oder 3,4-18,8 Mikromol pro Liter (µmol/l).

Cholesterin
Cholesterin zählt zu den Blutfetten. Es wird durch tierische Fette mit der Nahrung aufgenommen, allerdings überwiegend im Organismus selbst produziert. Der Körper benötigt es für die Funktionen der Körperzellen sowie für die Produktion der Gallensäuren, der Nebennierenrinden- und Geschlechtshormone. Cholesterin ist demnach für den Körper sehr wichtig. Bei zu hohen Cholesterinwerten wird allerdings die Entstehung von Herz- und Kreislauferkrankungen durch eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose) begünstigt. Für die Beurteilung erhöhter Cholesterinwerte ist die Bestimmung von zwei unterschiedlichen Typen des Cholesterins notwendig. Das LDL-Cholesterin ist für die schädigende Wirkung auf die Gefäßwände verantwortlich, während man dem HDL-Cholesterin eine schützende Wirkung gegen eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose) zuschreibt.

Normalwerte:

  • Gesamtcholesterin: 120 bis 200 Milligramm pro Deziliter (md/dl) oder 3,1 bis 5,2 Millimol pro Liter (mmol/l)
  • LDL-Cholesterin: bis maximal 150 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder3,9 Millimol pro Liter (mmol/l)
  • HDL-Cholesterin:
    - Frauen: mindestens 45 mg/dl oder 1,2 Millimol pro Liter (mmol/l) 
    - Männer: mindestens 35 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder 0,9 Millimol pro Liter (mmol/l) 

Je nach Vorerkrankung sind bei bekannten Risikofaktoren wie zum Beispiel Arteriosklerose oder Zuckerkrankheit die Richtwerte deutlich niedriger anzusetzen. Das persönliche Risiko sollte im Einzelfall mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

C-reaktives Protein (CRP)
Dieses Eiweiß bildet der Organismus vermehrt bei Entzündungen. Die Höhe des CRP-Wertes gibt Auskunft über Ausmaß und Aktivität des entzündlichen Geschehens.

Der Normalwert des CRP beträgt maximal fünf Milligramm pro Liter (mg/l).

Eisen
Eisen ist ein wesentlicher Bestandteil des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Es ist für den Sauerstofftransport verantwortlich.

Normalwert des Eisens:

  • Frauen: 60 bis 140 Mikrogramm pro Deziliter (µg/dl)oder 11-25 Mikromol pro Liter (µmol/l)
  • Männer: 75 bis 150 Mikrogramm pro Deziliter (µg/dl)oder 14 -27 Mikromol pro Liter (µmol/l)

Elektrolyte
Elektrolyte sind Mineralstoffe. Sie sind zur Aufrechterhaltung des Flüssigkeitshaushaltes und des Stoffwechsels von großer Bedeutung. Der Elektrolythaushalt wird über die Nahrungsaufnahme, die Atmung und die Nierenfunktion reguliert. Die Elektrolytwerte liefern daher direkt oder indirekt eine Aussage über viele verschiedene Körperfunktionen. Von wesentlicher Bedeutung für die Untersuchung des Elektrolythaushaltes ist die Bestimmung folgender Elemente:

Normalwerte:

  •    Chlorid (Cl): 98 bis 112 Millimol pro Liter (mmol/l)
  •     Kalium (K): 3,5 bis 5,0 Millimol pro Liter (mmol/l)
  •     Kalzium (Ca): 2,1 bis 2,6 Millimol pro Liter (mmol/l)
  •     Natrium (Na): 135 bis 145 Millimol pro Liter (mmol/l)
  •     Magnesium (Mg): 0,7 bis 1,3 Millimol pro Liter (mmol/l)
     

Ferritin
Das Ferritin dient als Eisenspeichereiweiß für den gesamten Organismus. Zusammen mit der Bestimmung des Eisenspiegels lässt sich anhand des Ferritinwertes ein Eisenmangel feststellen.

Normalwerte je nach Alter:

  • Frauen: 10 bis 120 Mikrogramm pro Liter (µg/l)
  • Männer: 10 bis 400 Mikrogramm pro Liter (µg/l)

Gamma-GT (Gamma-Glutamyltransferase)
Dieses Enzym findet sich insbesondere in der Leber und in den Gallenwegen. Erhöhte Werte liegen dementsprechend bei Entzündungen der Leber und der Gallenwege, bei Gallensteinen, bei Fettleber oder bei häufigem Alkoholkonsum vor.

Normalwerte:

  • Frauen: 4 bis 18 Units pro Liter (U/l)
  • Männer: 6 bis 28 Units pro Liter (U/l)

GOT und GPT
GOT (Glutamat-Oxalacetat-Transaminase, auch AST Aspartat-Aminotransferase) und GPT und (Glutamat-Pyruvat-Transaminase, auch ALT Alanin-Aminotransferase) sind Enzyme und kommen sowohl in der Leber als auch in den Muskeln und dem Herzmuskel vor. Eine Erhöhung kann auf eine Leberentzündung, eine Leberzirrhose, Lebertumore oder andere Lebererkrankungen hinweisen. Die GOT spielt zudem in der Beurteilung eines Herzinfarkts und von Muskelerkrankungen eine wichtige Rolle.

Normalwerte GOT:

  • Frauen: maximal 15 Units pro Liter (U/l)
  • Männer: maximal 18 Units pro Liter (U/l)

Normalwerte GPT:

  • Frauen: maximal 17 Units pro Liter (U/l)
  • Männer: maximal 22 Units pro Liter (U/l)

Gesamteiweiß
Die orientierende Bestimmung des Gesamteiweißgehaltes im Blut erfolgt bei einem Verdacht auf Erkrankungen des Verdauungssystems, bei Entzündungen oder Tumorerkrankungen. Neben dem Albumin werden auch die anderen Eiweißkomponenten des Blutes (Globuline) bestimmt. Ist der Gesamteiweißgehalt verringert oder erhöht, erfolgt eine genauere Untersuchung (Eiweißelektrophorese), um festzustellen, welche Eiweißkomponente die Abweichung hervorruft.

Der Normalwert des Gesamteiweißes beträgt: 6,5 bis 8,5 Gramm pro Deziliter (g/dl)

Harnsäure
Im menschlichen Stoffwechsel entsteht beim Abbau der Purine (Purine sind Bestandteile der Erbsubstanz tierischer und pflanzlicher Zellen) Harnsäure. Ist der Harnsäuregehalt im Blut dauerhaft erhöht, kann dies zu einer Gichterkrankung oder zu Nierensteinen führen.

Normalwerte:

  • Frauen: 2,5 bis 6 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder 149-357Mikromol pro Liter (µmol/l
  • Männer: 3,5 bis 7 Milligramm pro Deziliter (mg/dl)oder 208- 416Mikromol pro Liter (µmol/l

Harnstoff
Harnstoff ist das Endprodukt des Eiweißstoffwechsels und wird über die Niere ausgeschieden. Die Bestimmung der Harnstoffkonzentration gibt Aufschluss über die Stoffwechsellage des Organismus. Die Harnstoffkonzentration steigt bei starker Einschränkung der Nierenfunktion an.

Der Normalwert des Harnstoffes beträgt: 10 bis 50 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder 1,7-9,3 Mikromol pro Deziliter (µmol/dl)

Kreatinin
Kreatinin entsteht im Stoffwechsel der Muskulatur und wird über die Nieren ausgeschieden. Die Bestimmung des Kreatinins dient der Überprüfung der Nierenfunktion. Der Wert ist bei akuten und chronischen Nierenerkrankungen, aber auch bei Flüssigkeitsmangel erhöht.

Normalwerte:

  • Frauen: 0,45 bis 0,9 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder 40-80  Mikromol pro Liter (µmol/l)
  • Männer: 0,55 bis 1,1 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder 47-97 Mikromol pro Liter (µmol/l)

Kreatinphosphokinase (CK)
Dieses Enzym ist von besonderer Bedeutung für die Diagnose von Herz- und Muskelerkrankungen sowie von Erkrankungen des Zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark). Ist der Gesamtwert erhöht, kann durch Bestimmung der verschiedenen Untertypen (CK-MM, CK-MB, CK-BB) unterschieden werden, welches Organ von einer Störung betroffen ist. Die CK wird vor allem bei einem Herzinfarkt, bei Durchblutungsstörungen und Entzündungen des Herzens sowie bei Muskelschwäche und Muskelentzündungen bestimmt.

Normalwerte der CK:

  • Frauen: maximal 140 Units pro Liter (U/l)
  • Männer: maximal 174 Units pro Liter (U/l)

Laktatdehydrogenase (LDH)
Die LDH ist ein Enzym, das in vielen verschiedenen Geweben und Organen des Körpers vorkommt. Es wird ergänzend bei Verdacht auf eine Erkrankung der Muskulatur, der Leber, des Herzens, des Blutes oder des Nervensystems bestimmt.

Der Normalwert der LDH beträgt: 120 bis 240 Units pro Liter (U/l)

Lipase
Die Lipase ist wie die Alpha-Amylase ein Enzym der Bauchspeicheldrüse und ist wichtig für die Fettverdauung. Ein erhöhter Lipasewert im Blut kann daher auf eine Erkrankung dieses Organs hinweisen.

Der Normalwert der Lipase beträgt: 30 bis 190 Units pro Liter (U/l)

Triglyzeride (Neutralfette)
Diese Gruppe der Blutfette wird wie das Cholesterin mit der Nahrung aufgenommen oder im Organismus, zum Beispiel aus überschüssigen Kohlenhydraten, gebildet. Erhöhte Triglyzeridwerte begünstigen eine Arterienverkalkung und damit die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Der Normalwert der Triglyzeride beträgt: 70 bis maximal 200 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder 0,8 bis 2,3 Millimol pro Liter (mmol/l).

TSH, fT3 und fT4 (Schilddrüsenwerte)
Die Bestimmung der Schilddrüsenhormone ist die häufigste Hormonuntersuchung in der Praxis. Sie erfolgt zur Diagnose einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse.

  • TSH (Schilddrüsen- beziehungsweise Thyroidea-stimulierendes Hormon) ist ein in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gebildetes Hormon, das die Funktion der Schilddrüse reguliert.
  • fT3 (freies Trijodthyronin) und fT4 (freies Tetrajodthyronin) sind die biologisch aktiven Formen der Schilddrüsenhormone.

Zur Beurteilung der Schilddrüsenfunktion ist zunächst lediglich die Bestimmung des TSH notwendig, findet sich dabei ein krankhafter Wert, werden alle drei Werte bestimmt.

Normalwerte:

  • TSH basal: 0,4 bis 4,6 mUnits pro Liter (U/l)
  • fT3: 2,5 bis 6 pg/ml oder 4,6-9,2 Pikomol pro Liter (pmol/l)
  • fT4: 0,5 bis 2,3 ng/dl oder 7-30 Pikomol pro Liter (pmol/l)


Erläuterung der Messgrößen:

mm

= Millimeter

mg

= Milligramm

g

= Gramm

dl

= Deziliter

ml

= Milliliter

l

= Liter

U

= Unit ( Maßeinheit für Enzymaktivität

µ

= My = 1x 10-6

n

= Nano = 1x 10-9

p

= Piko = 1x 10-12

mmol

= Millimol (Mol ist die Einheit der Stoffmenge und so Maßeinheit für die
Konzentration einer Lösung )

 

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