Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch

Was ist ein medikamentöser Schwangerschaftsabbruch?

Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch erfolgt unter strenger ärztlicher Aufsicht mit dem Wirkstoff Mifepriston und später wird zusätzlich der Wirkstoff Misoprostol aus der Gruppe der Prostaglandine gegeben. Auch für den medikamentösen Abbruch gelten die gesetzlichen Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch.

Wichtig: Mifepriston ist nicht die „Pille danach“. Diese wird nach einem ungeschützten Sexualverkehr eingenommen. Eine Verhinderung der Schwangerschaft beruht bei der „Pille danach“ auf der Unterdrückung oder Verzögerung des Eisprungs, das heißt, es entsteht erst gar keine Schwangerschaft.

Rechtliche Regelungen
Zunächst muss die Schwangerschaft in regelhafter Lage (in der Gebärmutter) durch eine gynäkologische Untersuchung und Ultraschall festgestellt werden. Für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch benötigt die Schwangere dann die Beratungsbescheinigung einer anerkannten Schwangerschaftsberatungsstelle. Diese dokumentiert, dass die Schwangere umfassend beraten wurde. Der Abbruch darf in einer zugelassenen Einrichtung frühestens drei Tage nach der Beratung vorgenommen werden. Die medikamentöse Form des Schwangerschaftsabbruchs mit Mifepriston darf bis zum 49. Tag nach der Befruchtung, das heißt bei einem Zyklus von 28 Tagen bis zum 63. Tag nach Beginn der letzten Regelblutung durchgeführt werden.

Wirkungsweise
Mifepriston hemmt die Wirkung eines Hormons, das zur Erhaltung einer Schwangerschaft notwendig ist (Blockade der Progesteron-Rezeptoren). Durch diese Blockade der Progesteronwirkung hebt Mifepriston die für eine Schwangerschaft notwendige Wirkung des Progesterons auf und führt eine Gelbkörper-Insuffizienz herbei. Dies löst einen Abbruch der Schwangerschaft aus. Klinisch verläuft der medikamentöse Abbruch mit Mifepriston identisch wie ein Spontanabort und ist von diesem nicht zu unterscheiden. Zudem bewirkt Mifepriston eine Erweichung und Öffnung des Gebärmutterhalses.

Das später gegebene Prostaglandin fördert das Auftreten von Gebärmutterkontraktionen und löst dadurch mit hoher Wahrscheinlichkeit die Ausstoßung aus.

Mit der Einnahme von Mifepriston wird ein Prozess in Gang gesetzt, der nicht mehr rückgängig zu machen ist. Auch wenn die Frau kein Prostaglandin einnehmen würde, käme es zu einem Abbruch, der aber mit stärkeren Blutungen verbunden wäre.

Gegenanzeigen

Mifepriston und Misoprostol sind nicht geeignet bei:

  • Frauen über 35 Jahre, die mehr als zehn Zigaretten am Tag rauchen
  • schwerem Asthma
  • chronischer Lebererkrankung
  • chronischen Nierenerkrankungen
  • bekannter Unverträglichkeit gegenüber einem der beiden Medikamente
  • konkretem Verdacht auf eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (zum Beispiel Eileiterschwangerschaft)
  • angeborener Porphyrie

Durchführung

Mifepriston darf nur an autorisierte Einrichtungen abgegeben werden. Die Schwangere muss es unter Aufsicht einnehmen.

Nach Einnahme des Präparats darf sie im Regelfall nach Hause gehen. Wesentliche Beschwerden sind nicht zu erwarten, am nächsten Tag können leichte Blutungen auftreten.

Gabe von Prostaglandinen
36 bis 48 Stunden nach Einnahme von Mifepriston erhält die Patientin Prostaglandine, entweder als Vaginalzäpfchen oder als Tabletten. Zur Sicherheit bleibt die Patientin noch ungefähr drei Stunden unter ärztlicher Beobachtung. In diesem Zeitraum erfolgt meist die Ausstoßung. Falls dies nicht geschieht, kann eine zweite Dosis Prostaglandin gegeben werden.

Nach der Behandlung
Sieben bis zehn Tage nach dem Schwangerschaftsabbruch erfolgt in jedem Fall eine Kontrolluntersuchung durch den Frauenarzt.

Normalerweise hat der medikamentöse Abbruch Blutungen zur Folge, die bis zu 14 Tage anhalten können. Die Patientin sollte während dieser Zeit keine Tampons benutzen sowie auf Vollbäder und Geschlechtsverkehr verzichten.

Der oben geschilderte medikamentöse Schwangerschaftsabbruch ist bei mindestens 95 von 100 Frauen erfolgreich.

Risiken/Komplikationen

Ein Nachteil dieser Form des Schwangerschaftsabbruchs ist, dass sich die Behandlung über zwei bis vier Tage erstreckt. Es sind mindestens vier Konsultationen erforderlich. Hinsichtlich der seelischen Folgen unterscheidet sich die medikamentöse Form des Schwangerschaftsabbruchs nicht wesentlich von den operativen Methoden. Einige Frauen berichten, dass das „Selbst-aktiv-Werden“ und das bewusste Miterleben des Schwangerschaftsabbruches bei der anschließenden Bewältigung hilfreich war. Andere Frauen empfinden gerade den selbst ausgelösten Schwangerschaftsabbruch und dessen lange Dauer als belastend.

Nebenwirkungen von Mifepriston sowie der zusätzlich verabreichten Prostaglandine können verstärkte Unterleibsschmerzen und Blutungen sein. Zusätzlich können Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Hautausschläge auftreten. Schwere Blutungen, Infektionen, Verletzungen der Gebärmutter sowie Herz-Kreislauf-Versagen sind sehr selten und haben in etwa die gleiche Häufigkeit wie bei der Absaugmethode.

Kosten

Sowohl operative als auch medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche sind keine Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und müssen daher selbst bezahlt werden. Dies gilt nicht für die nötigen medizinischen Vor- und Nachbehandlungen.

Bei Frauen, deren Einkommen unter einer bestimmten Grenze liegt, übernimmt gegebenenfalls das jeweilige Bundesland die Kosten für den Abbruch. Dafür wird das Einkommen der Frau überprüft. Genauere Auskunft erteilen die anerkannten Schwangerschaftsberatungsstellen. Wird der Schwangerschaftsabbruch aufgrund einer medizinischen oder kriminologischen Indikation (Grund) durchgeführt, tragen die Krankenkassen und das Land die Kosten.

Frauen, die die Kosten selbst tragen müssen, erhalten eine Rechnung (etwa 300 bis 500 Euro). In jedem Fall sollte die Patientin vor dem geplanten Eingriff die Kostenfrage klären.

Sie haben Fragen und wünschen eine persönliche Beratung zu gesundheitlichen und gesundheits- sowie sozialrechtlichen Themen?

Unsere UPD-Experten beantworten Ihre Fragen:

Wichtiger Hinweis: Bitte schicken Sie uns keine Original-Unterlagen mit der Post zu, sondern ausschließlich Kopien. Wir können leider keine Rücksendung Ihrer Unterlagen vornehmen. Aus Datenschutzgründen werden Ihre Dokumente nach der Bearbeitung Ihres Anliegens ordnungsgemäß vernichtet.

© 2017 UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH – Dieses gesundheitsbezogene Informationsangebot dient lediglich Ihrer Information und ersetzt in keinem Fall eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt. Die zur Verfügung gestellten Inhalte können und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden.