Was bedeutet für Sie ein Krankheitsfall im Beruf und im Sozialen?

Häufig werden Arbeits- und Berufsunfähigkeit fälschlicherweise deckungsgleich verwendet.

  • Arbeitsunfähig sind Sie, wenn Sie wegen einer medizinisch festgestellten Erkrankung nur vorübergehend Ihren Beruf nicht ausüben können.
  • Berufsunfähig sind Sie, wenn Sie bleibende gesundheitliche Schäden haben und diese weder durch Behandlungen noch Therapien geheilt werden konnten, oder aber keine Aussicht auf Heilung dieser Krankheiten besteht.

Die gesetzliche Sozialversicherung und private Versicherungsanbieter definieren den Begriff der Berufsunfähigkeit anders. So unterscheiden sich die Kriterien bei der Feststellung der Berufsunfähigkeit.

Was zahlt der Arbeitgeber im Krankheitsfall?

Wenn aufgrund einer Krankheit ein Arbeitsnehmer nicht arbeiten kann, zahlt der Arbeitgeber in der Regel bis zu sechs Wochen den Lohn weiter. Ausnahme: Wenn Sie bei einem neuen Arbeitgeber weniger als vier Wochen beschäftigt sind, dann erhalten Sie im  Krankheitsfall Krankengeld von Ihrer Krankenkasse. Tritt bei einem Arbeitnehmer später die gleiche Krankheit wieder auf, hat er erneut Anspruch auf eine Lohnfortzahlung über eine Zeit von bis zu sechs Wochen. In dem Fall müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Vor der zweiten Arbeitsunfähigkeit war der Arbeitnehmer mindestens sechs Monate nicht durch die gleiche Krankheit beschäftigungsunfähig.
  2. Seit Beginn der ersten Arbeitsunfähigkeit mit der gleichen Krankheit sind mindestens zwölf Monate vergangen.

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Wann zahlt die Krankenkasse im Krankheitsfall?

Bei einer länger andauernden Erkrankung von über sechs Wochen zahlt Ihre Krankenkasse Ihnen Krankengeld bis zu einer maximalen Bezugsdauer von insgesamt 78 Wochen. Das Krankengeld beträgt 70 Prozent des Bruttogehalts, darf aber 90 Prozent Ihres Nettogehalts nicht übersteigen. Sollte Sie auch danach nicht wieder arbeitsfähig sein oder bei Ihnen eine Behinderung festgestellt werden, kann eine Erwerbsminderungsrente gezahlt werden. Ausgezahlt wird sie von der Deutschen Rentenversicherung. Die Erwerbsminderungsrente zielt darauf ab, einen geringeren Lohn aufgrund einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugleichen. 

Welche Voraussetzungen müssen für eine Erwerbsminderungsrente vorliegen?

Es gibt medizinische und rechtliche Voraussetzungen für eine Erwerbsminderungsrente.

Die medizinische Voraussetzung für eine Erwerbsminderungsrente ist erfüllt, wenn jemand weniger als sechs Stunden täglich aufgrund seiner Erkrankungen arbeiten kann. Hierbei geht es nicht nur um den bislang ausgeübten Beruf, sondern um eine generelle Arbeitsfähigkeit auch in anderen Tätigkeitsfeldern als den gewohnten. Die Deutsche Rentenversicherung klärt diese Frage anhand von ärztlichen Unterlagen und gegebenenfalls von Gutachten.

Zu den rechtlichen Voraussetzungen gehört, dass die versicherte Person mindestens fünf Jahre versichert sein muss und vor Eintritt der Erwerbsminderung mindestens drei Jahre Pflichtbeiträge gezahlt wurden.

Wird eine Rentenzahlung zugesagt, richtet sich deren Höhe nach der festgestellten Arbeitsfähigkeit des einzelnen Menschen. Je mehr Stunden der- oder diejenige also noch arbeiten kann, desto geringer fällt die Erwerbsminderungsrente aus.

Was bedeutet Rehabilitation vor Rentenzahlung?

Vor Zahlung einer Rente prüft die Deutsche Rentenversicherung, ob der Betroffene durch Rehabilitationsmaßnahmen wieder ins Berufsleben eingegliedert werden kann.

Unterschieden wird zwischen medizinischen und beruflichen Rehabilitationsmaßnahmen.

Medizinische und therapeutische Leistungen erfolgen in einer ambulanten Einrichtung oder stationär in einer Klinik. Ziel ist es, den Patienten körperlich und geistig für seine berufliche Tätigkeit zu stärken.

Zu den beruflichen Rehabilitationsmaßnahmen zählen Leistungen zur Erhaltung eines Arbeitsplatzes. Damit ist zum Beispiel die Übernahme von Kosten bei der Anschaffung von technischen Geräten am Arbeitsplatz gemeint. Auch Kosten bei erforderlichen Umbaumaßnahmen durch den Arbeitgeber an der Arbeitsstätte für Behinderte fallen hierunter. Auf Antrag können zudem Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen unterstützt werden, damit der Betroffene für sich neue berufliche Chancen fortbilden und entwickeln kann.

Wann wird eine Berufsunfähigkeitsrente gezahlt?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine private Risiko-Vorsorge, die von verschiedenen Versicherungsunternehmen angeboten wird. Sie greift, wenn ein Versicherter vor dem Rentenalter weniger als 50 Prozent der vorher üblichen Arbeitszeit leisten kann. Hier werden die durchschnittlichen Arbeitszeiten bei voller Leistungskraft zugrunde gelegt. Arbeitete beispielsweise ein Anwalt durchschnittlich 60 Stunden in der Woche, ist er berufsunfähig, wenn er maximal 30 Stunden in seinem Beruf seiner gewohnten Arbeitstätigkeit nachgehen kann.

Die Berufsunfähigkeit liegt bei dieser Versicherungsform – anders als bei der Erwerbsunfähigkeit – auch dann vor, wenn der Versicherte möglicherweise einen anderen, eventuell weniger angesehenen oder geringer entlohnten Beruf ausüben könnte.

Vor Zahlung einer Rente wird die Berufsunfähigkeit durch einen Arzt festgestellt entweder durch Gutachten, Patientenunterlagen oder durch Atteste.