Arten von Behandlungsfehlern

Was ist ein Behandlungsfehler?

Grundsätzlich gilt: Ihr Arzt oder Ihre Ärztin schuldet Ihnen als Patient oder Patientin aus dem Behandlungsvertrag keinen Heilerfolg. Vielmehr ist der Arzt oder die Ärztin verpflichtet, eine dem Facharztstandard entsprechende Behandlung durchzuführen. Das bedeutet, dass Sie als Patient oder Patientin Anspruch auf eine Behandlung haben, die dem Stand eines erfahrenen Facharztes oder einer Fachärztin entspricht.

Von einem Behandlungsfehler kann deshalb noch nicht gesprochen werden, wenn

  • nach Ihrer Behandlung Beschwerden oder Komplikationen auftreten oder
  • Ihr Gesundheitszustand nicht verbessert worden ist.

Erst wenn Ihr Arzt oder Ihre Ärztin den allgemein anerkannten fachlichen Standard nicht eingehalten hat, liegt ein Behandlungsfehler vor. Entscheidend ist dabei der Zeitpunkt der Behandlung.

Welche Arten von Behandlungsfehlern gibt es?

Befunderhebungsfehler                                                                                                                                                                          Ein Befunderhebungsfehler liegt vor, wenn Ihr Arzt oder Ihre Ärztin versäumt hat, medizinisch gebotene Befunde rechtzeitig zu erheben oder zu sichern.

Diagnoseirrtum
Die Diagnosestellung ist der Ausgangspunkt für die anschließende Therapie. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin muss die gestellte Diagnose im weiteren Behandlungsverlauf überprüfen, gegebenenfalls nach weiteren Befunderhebungen und Erkenntnissen korrigieren und an das zutreffende Krankheitsbild anpassen. Ein Diagnoseirrtum ist meistens eine Fehlinterpretation von erhobenen Befunden.

Nicht jeder Diagnoseirrtum stellt einen Behandlungsfehler dar. Zum Behandlungsfehler wird der Diagnoseirrtum erst, wenn

  1. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin für eine Krankheit kennzeichnende Symptome nicht ausreichend berücksichtigt hat und
  2. seine oder ihre Wertung nicht mehr vertretbar ist.  

Therapiefehler
Ein Therapiefehler liegt vor, wenn bei der gewählten Therapieform eine der folgenden Voraussetzungen fehlt:

  • Die gewählte Therapie ist geeignet, die Erkrankung zu behandeln.
  • Es kommen Behandlungsalternativen in Betracht, die zu unterschiedlichen Belastungen, Risiken oder Heilungschancen des Patienten oder der Patientin führen. Der Arzt oder die Ärztin hat die Behandlung mit dem geringsten Gesundheitsrisiko für den Patienten oder die Patientin gewählt.
  • Die Behandlung entspricht dem allgemein anerkannten Facharztstandard.

Organisationsfehler
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin oder das Krankenhaus muss dafür sorgen, dass Behandlungsabläufe den hygienischen und apparativen Standards entsprechen. Zur Organisationspflicht gehört auch die Auswahl und sachgerechte Überwachung nichtärztlicher Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Beispiele für Organisationsfehler:

  • zu wenig Personaleinsatz
  • Mängel im Hygienemanagement
  • zu geringe apparative Ausstattung
  • zu wenig Medikamente werden vorgehalten

Mangelnde therapeutische Information
Im Rahmen der therapeutischen Information soll das therapiegerechte Verhalten sichergestellt werden. Dazu gehört, dass der Arzt oder die Ärztin Sie als Patient oder Patientin

  • zu einer dem Zustand angepassten Lebensweise veranlasst,
  • zur richtigen Einnahme verordneter Medikamente anhält,
  • über mögliche Nebenwirkungen aufklärt und
  • über Nachsorge- beziehungsweise Kontrolltermine informiert.

Die Pflicht zur therapeutischen Information kann auch nach Abschluss einer Behandlung bestehen. Bleibt Ihr Arzt oder Ihre Ärztin Ihnen diese Information schuldig, kann ein Behandlungsfehler vorliegen.


Erstellungsdatum: 14.07.2019
Letzte Aktualisierung: 29.08.2019

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