Feststellung

Behandlungsfehler: Ja oder nein?

Die Medizin hat Grenzen. Und so schuldet der Arzt laut Behandlungsvertrag seinem Patienten auch keine Heilung. Von einem Behandlungsfehler kann deshalb noch nicht gesprochen werden, wenn der Patient nicht gesund wird. Nur der unmittelbare Zusammenhang von körperlichen und gesundheitlichen Beschwerden und Behandlung lässt auf einen solchen Fehler schließen. Das heißt: Treten Beschwerden nach einer Behandlung auf, muss geprüft werden, ob es im Rahmen der Behandlung zu einem Fehler gekommen ist, der zu diesen Beschwerden geführt hat. Dieser Fehler muss dann als Ursache zweifelsfrei belegt sein. Gerade im Bereich der Behandlungsfehler kann auch eine frühzeitige Kontaktaufnahme zu einem auf die Vertretung von Patienten spezialisierten Anwalt sinnvoll sein.

Wichtig: Ob Ihr Arzt von den sogenannten „allgemein anerkannten medizinischen Standards“ abgewichen ist, ist maßgeblich für die Beurteilung darüber, ob ein Behandlungsfehler vorliegt. Denn nicht jede Fehldiagnose oder erfolglose Behandlung ist ein Behandlungsfehler. Es wird untersucht, welche Inhalte des Behandlungsvertrages der Behandelnde möglicherweise nicht beziehungsweise nur unzureichend erfüllt hat.

Mögliche Ursachen für Behandlungsfehler:

Ist es ein Aufklärungsfehler?
Der Arzt hat die Pflicht, Sie umfassend über die anstehende Behandlung aufzuklären. Er muss Ihnen alle Risiken und Alternativen der bevorstehenden Therapie verständlich machen. Tut er das nicht, ist Ihre Einwilligung in die Behandlung unwirksam.

Ist es ein Diagnosefehler?
Die richtige Diagnose ist das A und O einer erfolgreichen Behandlung. Das setzt voraus, dass der Arzt Ihre Beschwerden bezüglich aller in Frage kommenden Ursachen untersucht. Mangelhaft ist es, wenn er seine Diagnose vorschnell fällt und dabei die gebotene medizinische Sorgfalt übergeht.

Ist es ein Therapiefehler?
Die gewählte Therapieform muss drei Kriterien erfüllen:

  • Sie sollte die besten Erfolgsaussichten haben.
  • Sie sollte das geringste Gesundheitsrisiko für den Patienten bergen.
  • Sie muss den anerkannten medizinischen Standards entsprechen. Darf also nicht zu alt, aber auch nicht unerprobt sein

Ist es ein Organisationsfehler?
Diese Frage zielt auf Organisation, Struktur, Abläufe und Standards einer Arztpraxis oder einer Klinik ab. Denkbar für einen Organisationsfehler sind unnötig lange Wartezeiten, zu wenig Personaleinsatz oder mangelnde Hygieneeinhaltung.

Ist es eine mangelnde Nachsorge-Aufklärung?
Das Ende einer Behandlung bedeutet nicht immer das Ende der Therapie. Der Arzt muss Sie umfassend darüber aufklären, welche Schritte im Anschluss an Ihre Behandlung auf Sie zukommen: Weitere Kontrolluntersuchungen, spezielle Medikamenteneinnahme oder ein Facharztbesuch sind damit gemeint. Bleibt er Ihnen diese Information schuldig, kann ein Behandlungsfehler vorliegen.

Ein Sachverständigengutachten prüft den Sachverhalt

Auf dem Beschwerdeweg sind es die Gutachterkommissionen oder Schlichtungskommissionen der Ärzte- und Zahnärztekammer sowie der Medizinische Dienst Ihrer Krankenkasse, die Beschwerden aufgrund von Behandlungsfehlern nachgehen. Gegebenenfalls wird ein kostenloses Gutachten erstellt. Im Ergebnis erhalten Sie dann eine erste Einschätzung und Empfehlung. Haben Sie beziehungsweise Ihr Arzt berechtigte Einwände an diesem Ergebnis, überprüft das Gremium erneut. Dieses Verfahren ist für Sie kostenlos. Sollten Sie im Vorfeld einen Anwalt eingeschaltet haben, tragen Sie die Anwaltskosten.

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