Wie lange gibt es Krankengeld?

Maximal 78 Wochen
Für eine Arbeitsunfähigkeit mit derselben Diagnose erhalten Sie als Versicherte oder Versicherter maximal 78 Wochen Krankengeld innerhalb von 3 Jahren. Kommt während der Arbeitsunfähigkeit eine weitere Diagnose hinzu (das heißt, 2 Diagnosen begründen zeitgleich die Arbeitsunfähigkeit), verlängert sich der Anspruch auf Krankengeld nicht.

In die 78 Wochen Anspruchsdauer auf Krankengeld werden alle Tage einer Arbeitsunfähigkeit gerechnet, egal von wem in der Zeit eine Leistung bezogen wird. Erhalten Sie Lohnzahlung von Ihrem Arbeitgeber oder Übergangsgeld von der Rentenversicherung während einer Rehabilitationsmaßnahme, ruht das Krankengeld. Diese Zeiten werden auf die 78 Wochen angerechnet.

Was bedeutet Blockfrist?
Den oben genannten 3-Jahres-Zeitraum nennt man Blockfrist. Diese beginnt, wenn erstmalig eine Arbeitsunfähigkeit festgestellt wird. An das Ende einer Blockfrist schließt sich immer unmittelbar die nächste Blockfrist an. Jede Diagnose setzt eine eigene Blockfrist in Gang.

Es ist nicht so selten, dass eine Arbeitsunfähigkeit über die 78 Wochen Anspruchsdauer Krankengeld hinaus andauert. In diesem Fall spricht man bei Erreichen des Maximalanspruchs von „Aussteuerung“ aus dem Krankengeld.

Beispiel:
Herr Schmidt ist vom 1.4.2018 bis 30.12.2019 arbeitsunfähig krank aufgrund einer Krebsdiagnose. Die Blockfrist beginnt also am 1.4.2018 und endet am 31.3.2021. In dieser Zeit kann er maximal für 78 Wochen, also für die Hälfte der Blockfrist, Krankengeld beanspruchen.

Einen neuen Anspruch auf Krankengeld wegen derselben Diagnose haben Sie erst wieder mit Beginn einer neuen Blockfrist. Hierfür müssen 2 Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Zum einen darf in der Zwischenzeit mindestens 6 Monate keine Arbeitsunfähigkeit mit der „ausgesteuerten Diagnose“ vorgelegen haben.
  2. Zum anderen müssen Sie in diesem Zeitraum ebenfalls mindestens 6 Monate erwerbstätig gewesen sein oder der Arbeitsvermittlung zur Verfügung gestanden haben. Diese 6 Monate müssen nicht am Stück nachgewiesen werden.

Was heißt „Ruhen“ des Krankengeldes?
Ruhen heißt, dass Sie grundsätzlich den Anspruch auf das Krankengeld haben, das Krankengeld aber nicht gezahlt wird. Das heißt aber nicht, dass Sie kein Geld bekommen. In den meisten Fällen ist eine andere Leistung vorrangig, zum Beispiel die Lohnzahlung durch Ihren Arbeitgeber, die Leistungsfortgewährung im Krankheitsfall durch die Agentur für Arbeit oder auch das Übergangsgeld durch die gesetzliche Rentenversicherung.

Kritisch wird es, wenn Sie die Arbeitsunfähigkeit der Krankenkasse nicht rechtzeitig mitteilen. Das ist dann der Fall, wenn Ihre Krankenkasse nicht innerhalb einer Woche nach Feststellung durch den Arzt oder die Ärztin Kenntnis von der Arbeitsunfähigkeit hat. Erhält die Krankenkasse erst nach Ablauf der Woche Kenntnis von der Arbeitsunfähigkeit, führt das zum Ruhen des Anspruchs auf Krankengeld, bis zu dem Tag, an dem die Krankenkasse davon Kenntnis erhält.

Wichtig: Diese Information erhält die Krankenkasse nicht direkt von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Jetzt sind Sie gefragt. Sie müssen den Teil der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, der für die Kasse bestimmt ist, der Kasse zukommen lassen. Parallel können Sie die Arbeitsunfähigkeit der Kasse mit Hinweis auf die ärztliche Bescheinigung melden, um jedenfalls die Wochenfrist einzuhalten.

Tipp: Wählen Sie einen Weg, mit dem der Eingang der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bei der Kasse nachweisbar ist. Diese sind beispielsweise ein Einwurfeinschreiben, ein Fax mit Sendebericht oder die persönliche Abgabe mit Eingangsbestätigung in der Filiale.

Welche Pflichten haben Sie beim Thema Krankengeld?
Wenn Sie Krankengeld erhalten, sind Sie gegenüber der Krankenkasse zur Mitwirkung verpflichtet. Zu Ihren Mitwirkungspflichten zählen beispielsweise

  • die Angabe von Tatsachen, die für die Leistung erheblich sind,
  • persönliches Erscheinen zur mündlichen Erörterung des Sachverhaltes,
  • die Durchführung von Untersuchungen oder
  • die Mitwirkung bei Heilbehandlungen.

Das heißt aber nicht, dass Sie alles mit sich machen lassen müssen. Ihre Mitwirkungspflichten sind begrenzt. Ihre Krankenkasse darf nicht alles.


Erstellungsdatum: 04.09.2019
Letzte Aktualisierung: 04.09.2019

Herausgeber: UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH

Sie haben Fragen und wünschen eine persönliche Beratung zu gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Themen?

Unser Beratungsteam beantwortet Ihre Fragen gern:

•             telefonisch unter Tel. 0800 0 11 77 22  (gebührenfrei aus allen Netzen)

•             im Rahmen der Online-Beratung

•             in unseren Vor-Ort-Büros, dem UPD-Beratungsmobil, per App, Post oder Fax.

Eine Übersicht über unser Beratungsspektrum und unsere Kontaktmöglichkeiten finden Sie hier.

quellen

  • § 48 Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V) – Dauer des Krankengeldes
  • § 49 Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V) – Ruhen des Krankengeldes
  • Gemeinsames Rundschreiben zum Krankengeld vom 12.06.2018

so arbeiten wir

Oftmals fühlen sich Menschen im Gespräch mit Krankenkassen oder Ärzten und Ärztinnen überfordert: Sie brauchen Unterstützung bei Fragen und Problemen im Zusammenhang mit ihrer Gesundheit. Unser Ziel ist es, Betroffenen die Informationen zu liefern, die sie benötigen, um sich zurechtzufinden und selbst die für sie beste Entscheidung zu treffen. Die Informationstexte auf unserer Homepage sollen dazu einen Beitrag leisten.
Jeder Text durchläuft einen strengen mehrstufigen Prozess, damit die Qualität der Informationen gesichert ist. Auch für unsere Texte gelten unsere Beratungsgrundsätze: neutral, unabhängig, wissenschaftlich basiert. Für gesundheitliche Informationen arbeiten wir nach den Prinzipien der evidenzbasierten Medizin. Dabei greifen wir in der Regel auf bereits aufbereitete hochwertige Information zurück, zum Beispiel auf die Texte des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und AWMF-Leitlinien. Sozial- und gesundheitsrechtliche Themen basieren auf sogenannten Primärquellen wie Gesetzen, Verwaltungsvorschriften oder Bundestagsdrucksachen. Die verwendeten Quellen sowie den Stand der letzten Aktualisierung geben wir am Ende des Textes an.
Unser Anspruch ist es verständliche Texte für alle Menschen zu schreiben. Um unserem Ziel gerecht zu werden, binden wir medizinische beziehungsweise  juristische Laien als Testleser ein, bevor wir die Texte veröffentlichen. Die Texte sind sachlich und frei von rechtlichen und gesundheitsbezogenen Wertungen. Wir aktualisieren unsere Texte zeitnah, wenn dies erforderlich ist, und prüfen alle Texte mindestens einmal jährlich.
Details zu unserer Vorgehensweise finden Sie in unserem Methodenpapier zur Erstellung und Präsentation von gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Informationen in der Patientenberatung der UPD.

Bitte beachten Sie:
Unsere Informationstexte und unsere individuelle Beratung dienen dazu, gesundheitliche und gesundheitsrechtliche Inhalte zu vermitteln, Zusammenhänge zu erläutern und Möglichkeiten aufzeigen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir im Rahmen unseres gesetzlichen Auftrages keine konkrete Bewertung beziehungsweise Einschätzung im Einzelfall vornehmen können. Information und Beratung durch die UPD ersetzen weder einen Arztbesuch noch eine anwaltliche Vertretung.
© 2019 UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH