Das Aufklärungsgespräch vor der Behandlung

Medizinische Therapien sind häufig mit Risiken oder möglichen Nebenwirkungen verbunden, in einigen Fällen sogar mit zusätzlichen Kosten. Der Behandelnde (zum Beispiel Ärzte, Physiotherapeuten, Heilpraktiker und andere) ist daher dazu verpflichtet, vor jeder Behandlung ein umfassendes Aufklärungsgespräch mit Ihnen zu führen. Informieren muss er Sie im Einzelnen über:

  • die genaue Diagnose
  • die geplante Behandlung
  • wahrscheinliche Folgen und Erfolgsaussichten der Therapie
  • die Dringlichkeit der Behandlung
  • eventuelle Alternativen (inklusive der jeweiligen Vor- und Nachteile)
  • gegebenenfalls zusätzlich anfallende Kosten
  • seine Einschätzung des Heilungsverlaufs

Der richtige Zeitpunkt für ein Aufklärungsgespräch

Es gibt keine detaillierte Vorgabe, wann ein Behandelnder das Aufklärungsgespräch mit Ihnen führen muss. Als Grundregel gilt: Sie müssen genug Zeit haben und in der Lage sein, sich über das Gehörte Gedanken zu machen und eine Entscheidung zu treffen. Wenn eine große Operation ansteht, muss das Aufklärungsgespräch einige Tage zuvor erfolgen. So haben Sie die Möglichkeit, alles zu überdenken und sich gegebenenfalls eine Zweitmeinung einzuholen. Keinesfalls dürfen Sie unter dem Einfluss von Schmerz- oder Beruhigungsmitteln stehen, wenn der Behandelnde Risiken mit Ihnen bespricht.
Es gibt einige Ausnahmen, wann auf ein Aufklärungsgespräch verzichtet werden kann beziehungsweise nicht möglich ist:

  • Medizinische Notfälle: Der Behandelnde darf auf das Aufklärungsgespräch verzichten, wenn ein Eingriff zum Wohl des Patienten nicht aufgeschoben werden kann und der Betroffene beispielsweise bewusstlos ist.
  • Der Patient auf Aufklärungsgespräch ausdrücklich verzichtet.
  • Bei wiederkehrenden Untersuchungen oder Behandlungen, in deren Rahmen schon Aufklärungsgespräche stattgefunden, kann auf die Voraufklärung Bezug genommen werden. 
  • Wenn der Patient aufgrund seiner Ausbildung informiert ist.

Zwingend beim Aufklärungsgespräch: Möglichkeit zum Nachfragen

Das Aufklärungsgespräch soll Sie als Patient in die Lage versetzen, die Vorteile und Risiken einer Behandlung gegeneinander abzuwägen. Das setzt natürlich voraus, dass Sie die Einzelheiten der vorgeschlagenen Therapie verstanden haben. Ihr Behandelnder muss das Aufklärungsgespräch daher persönlich führen. Er darf Ihnen durchaus zur Vorbereitung Unterlagen überreichen oder diese während des Gesprächs zur Hilfe nehmen. Sie müssen aber die Gelegenheit bekommen, sich die Informationen in Ruhe durchzuschauen und Nachfragen zu stellen. Dabei ist es die Pflicht Ihres Behandelndes, sich so laienverständlich auszudrücken, dass Sie dem Inhalt seiner Aussagen gut folgen können. Im Zweifel sollten Sie ihn darum bitten, andere Worte zu verwenden und auf Fachbegriffe zu verzichten. Fragen Sie so lange nach, bis Sie sicher sind, alles genau verstanden zu haben. Dieses Aufklärungsgespräch muss grundsätzlich durch einen Behandelnden erfolgen. Mitarbeiter wie eine Sprechstundenhilfe dürfen ihn nicht ersetzen. Unterlagen, etwa eine Einwilligungserklärung oder ein Aufklärungsprotokoll, müssen Sie in Kopie erhalten.

Erläuterung der Kosten beim Aufklärungsgespräch

Unter Umständen schlägt Ihr Behandelnder eine Behandlung oder Präventionsmaßnahme vor, die von Ihrer Krankenkasse nicht getragen wird. Solche Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) müssen Sie also vollständig privat bezahlen. Diese Therapien gehören nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen, weil sie den folgenden Anforderungen nicht genügen. Sie müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein und dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. In vielen Fällen ist also die Wirksamkeit noch nicht genügend nachgewiesen. Eine Zweitmeinung ist daher in der Regel sinnvoll. Außerdem fallen unter IGeL solche Maßnahmen, die weder der Früherkennung dienen, noch zur Behandlung einer Krankheit notwendig sind, zum Beispiel die Entfernung einer Tätowierung oder Impfungen vor einer Fernreise.

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