Krankschreibung

Darauf müssen Sie achten

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland steht allen Interessierten und Patienten in Deutschland – ob gesetzlich, privat oder nicht krankenversichert – für gesundheitliche und gesundheits- sowie sozialrechtliche Fragen mit einem breit gefächerten Beratungsangebot zur Verfügung. Ein Team aus juristischen und medizinischen Fachkräften informiert und berät im gesetzlichen Auftrag umfassend, verständlich, neutral, kostenlos und wissenschaftlich basiert.

  • Rufen Sie an unter 0800 0 11 77 22  (gebührenfrei aus allen Netzen)

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung oder Krankschreibung

Was sind Ihre Pflichten?

In Deutschland sind Sie als Arbeitnehmer gut abgesichert. Mit einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, auch Krankschreibung genannt, bekommen Sie sechs Wochen lang weiterhin ohne Abzüge Ihr Gehalt. Einen Anspruch auf diese sogenannte Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall haben Sie aber nur, wenn Sie Ihren Pflichten nachkommen: Sie müssen sich bei Ihrem Arbeitgeber persönlich, telefonisch oder schriftlich am ersten Tag krankmelden. Eine bestimmte Form der Krankmeldung als Arbeitnehmer ist dafür nicht vorgegeben. Der Gesetzgeber verlangt außerdem von Ihnen, dass Sie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung spätestens nach drei Tagen Krankheit einreichen. Das übrigens nicht nur bei Ihrem Arbeitgeber, sondern auch bei der Krankenkasse. Falls Ihr Arzt die Krankschreibung nicht weiterleitet, müssen Sie diese Aufgabe selbst übernehmen.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Tag der Krankheit

Wann müssen Sie zum Arzt?

Ihr Arbeitgeber kann diese Krankschreibung bereits – abweichend von den gesetzlichen Vorgaben – am ersten Tag verlangen, wenn es im Arbeitsvertrag entsprechend festgelegt ist. In diesem Fall müssen Sie sofort zum Arzt gehen und sich krankschreiben lassen. Er trägt die Dauer ein, wie lange Sie als sein Patient vermutlich nicht arbeiten können. Sollten Sie länger ausfallen, müssen Sie darauf achten, dass die neue Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung lückenlos an die bisherige anschließt. Übrigens: Rückwirkend darf der Arzt solch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nur in Ausnahmefällen nach eingehender Prüfung ausstellen. Dabei darf er sie maximal drei Tage zurückdatieren.
Wichtig: Auch die weiteren Krankschreibungen müssen Sie als Arbeitnehmer unverzüglich an Ihre Krankenversicherung schicken.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Urlaub

Was müssen Sie bei der Krankschreibung beachten?

Falls Sie während Ihres Urlaubs krank werden sollten, müssen Sie die Erkrankung ebenfalls Ihrem Arbeitgeber am ersten Tag telefonisch melden, auch aus dem Ausland. Komplizierter wird es mit der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Es reicht nicht, dass ein Arzt vor Ort die Erkrankung bestätigt, er sollte explizit darauf hinweisen, dass Sie nicht arbeiten könnten – was bei eventuellen Sprachbarrieren schwierig werden kann. Zudem müssen Sie daran denken, die Unterlagen an Ihre Krankenkasse weiterzuleiten. Im EU-Ausland können Sie dafür zu einer örtlichen Kasse gehen. Die Mitarbeiter leiten Ihre Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung an die deutsche Kasse weiter. Ihr Urlaub verlängert sich dadurch übrigens nicht, aber Sie können die Urlaubstage, an denen Sie krank waren, später nachholen.

Das dürfen Sie, wenn Sie krankgeschrieben sind:

Arbeiten trotz Krankschreibung

Der Verlauf einer Erkrankung lässt sich nicht vorhersagen. Ihr Arzt stellt Ihnen mit der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung also nur eine Prognose aus. Falls Sie früher wieder fit sein sollten, können Sie zur Arbeit gehen, eine „Gesundschreibung“ ist nicht erforderlich. Allerdings kann der Arbeitgeber – falls er Ihrer Einschätzung nicht folgt – Sie wieder nach Hause schicken, um zum Beispiel zu verhindern, dass Sie mit einer noch nicht auskurierten Grippe Kollegen anstecken.

Spazieren gehen trotz Krankschreibung?

Sie sind bei einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung dazu verpflichtet, alles zu unterlassen, was Ihre Krankheitsphase verlängern könnte. Was Ihnen erlaubt ist, wenn Sie krankgeschrieben sind, hängt also von Ihrem Beruf und von der Diagnose ab. Bettruhe müssen Sie nur halten, wenn der Arzt sie anordnet. Für die Krankschreibung ist es lediglich entscheidend, dass Sie die vertraglich vereinbarte Tätigkeit wegen Ihrer Erkrankung nicht ausüben können – oder zu befürchten ist, dass sich Ihr Zustand durch die Arbeit verschlechtert.

Zweifel an der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

Wenn Ihr Arbeitgeber Zweifel daran haben sollte, dass eine Krankschreibung korrekt ist, kann er eine Überprüfung einfordern. Dafür wendet er sich an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen, der ein unabhängiges Gutachten erstellt.

Wenn die Krankschreibung nicht vorliegt

Das kann weitreichende Folgen für Sie haben. Der Arbeitgeber kann zum Beispiel die Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall aussetzen und unter bestimmten Umständen sogar Schadenersatz von Ihnen fordern. Wenn Sie die Krankschreibung trotz Aufforderung nicht einreichen, müssen Sie mit einer Abmahnung rechnen – das gilt auch für eine eventuelle Lücke zwischen zwei Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. Gegebenenfalls kann der Arbeitgeber sogar die Kündigung aussprechen, wenn Sie Ihre Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht nachreichen oder die Krankschreibung wiederholt Lücken aufweist.

Wichtig: Falls Sie bereits länger als sechs Wochen krankgeschrieben sind und Krankengeld beziehen, müssen Sie damit rechnen, dass Sie das Krankengeld schon durch eine Lücke von nur einem Tag dauerhaft verlieren. Hier nützt auch ein rückwirkende Krankschreibung nichts, da es beim Krankengeld auf den Tag der Feststellung der Arbeitsunfähigkeit durch den Arzt ankommt.

Sie haben Fragen und wünschen eine persönliche Beratung zu gesundheitlichen und gesundheits- sowie sozialrechtlichen Themen?

Unsere UPD-Experten beantworten Ihre Fragen:

Wichtiger Hinweis: Bitte schicken Sie uns keine Original-Unterlagen mit der Post zu, sondern ausschließlich Kopien. Wir können leider keine Rücksendung Ihrer Unterlagen vornehmen. Aus Datenschutzgründen werden Ihre Dokumente nach der Bearbeitung Ihres Anliegens ordnungsgemäß vernichtet.

© 2016 UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH – Dieses rechtliche Informationsangebot dient lediglich Ihrer allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung im Einzelfall dar. Zur Lösung von konkreten Rechtsfällen konsultieren Sie bitte die hierfür üblichen Anlaufstellen, wie zum Beispiel einen Rechtsanwalt, eine Beratungs- oder Schlichtungsstelle et cetera.