Ärztliche Informations- und Aufklärungspflichten

Allgemeine Informationen rund um die Behandlung
Wenn Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen, muss diese oder dieser Sie umfassend und in für Sie verständlicher Form über alle wichtigen Fakten rund um die geplante Behandlung informieren. Sie oder er muss Ihnen beispielsweise die Diagnose, die beabsichtigte Therapie und Ihre voraussichtliche gesundheitliche Entwicklung erläutern. Und das nicht nur zu Beginn der Behandlung, sondern auch in deren Verlauf.

Informationen über die Kosten
Ihr Arzt beziehungsweise Ihre Ärztin muss Sie unter Umständen über die Kosten der geplanten Behandlung informieren. Wenn der Arzt oder die Ärztin weiß, dass die Krankenkasse oder Versicherung nicht alle Kosten Ihrer Behandlung übernimmt, müssen Sie vor Beginn der Behandlung über die Ihnen voraussichtlich entstehenden Kosten in Textform informiert werden. Textform bedeutet speicherbar, also zum Beispiel auch per E-Mail, Fax oder SMS. Dass die Information in dieser Form gefasst sein muss, dient der Beweissicherung und Ihrem Informationsinteresse.

Ein allgemeiner Hinweis, dass Sie die Kosten selbst tragen müssen, reicht nicht aus. Ebenso wenig wie eine nachträgliche Information. Denn Sie sollen auch die wirtschaftliche Tragweite Ihrer Entscheidung überschauen können.

Dieses Thema spielt vor allem für Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) eine Rolle. Weitere Informationen zu diesem Thema lesen Sie hier.

Aufklärung vor dem ärztlichen Eingriff
Vor einem konkreten ärztlichen Eingriff muss der Arzt oder die Ärztin Sie zudem über die Bedeutung und Tragweite der Maßnahme umfassend aufklären. Denn nur, wenn Sie wissen, was auf Sie zukommen kann und wenn Sie auf Basis dieser Informationen in den Eingriff einwilligen, darf der Arzt oder die Ärztin diesen durchführen.

Umfang des Aufklärungsgesprächs
Wie viel Zeit sich Ihr Arzt oder Ihre Ärztin für das Aufklärungsgespräch nehmen sollte, hängt natürlich immer vom Einzelfall ab: So wird es bei einem komplizierten operativen Eingriff vermutlich länger dauern als bei einer einfachen Erkältung. Doch der Arzt oder die Ärztin muss trotzdem jeden einzelnen der folgenden Punkte im Arztgespräch berücksichtigen:

  • Art, Umfang und Durchführung der Maßnahme
  • zu erwartende Folgen und Risiken der Maßnahme
  • Notwendigkeit, Dringlichkeit, Eignung und Erfolgsaussichten der Maßnahme
  • eventuelle Alternativen zur Maßnahme

Im Einzelfall kann es erforderlich sein, über weitere Umstände aufzuklären.

Zwingend beim Aufklärungsgespräch: die Möglichkeit zum Nachfragen
Das Aufklärungsgespräch soll Sie in die Lage versetzen, die Vorteile und Risiken einer Behandlung gegeneinander abzuwägen. Das setzt natürlich voraus, dass Sie die Einzelheiten der vorgeschlagenen Therapie verstanden haben. Die Aufklärung muss in einem persönlichen Gespräch erfolgen, damit Sie direkt nachfragen können. Der Arzt oder die Ärztin darf Ihnen zwar zur Vorbereitung Unterlagen überreichen oder diese während des Gesprächs zur Hilfe nehmen. Sie müssen aber die Gelegenheit bekommen, sich die Informationen in Ruhe durchzulesen und anschließend Fragen zu stellen. Dabei muss Ihr Arzt oder Ihre Ärztin sich so verständlich ausdrücken, dass Sie dem Inhalt seiner oder ihrer Aussagen gut folgen können. Im Zweifel sollten Sie ihn oder sie darum bitten, andere Worte zu verwenden und auf Fachbegriffe zu verzichten. Fragen Sie so lange nach, bis Sie sicher sind, alles genau verstanden zu haben.

Dieses Aufklärungsgespräch muss nicht zwingend Ihr behandelnder Arzt oder Ihre Ärztin mit Ihnen führen. Das kann auch ein anderer Arzt oder eine andere Ärztin aus der Praxis oder dem Krankenhaus übernehmen. Anderes Personal wie zum Beispiel eine Sprechstundenhilfe dürfen ihn oder sie dagegen nicht ersetzen.

Sofern Sie im Zusammenhang mit der Aufklärung Unterlagen unterzeichnet haben, muss die Praxis oder das Krankenhaus Ihnen davon eine Kopie aushändigen.

Der richtige Zeitpunkt für ein Aufklärungsgespräch
Als Grundregel gilt: Sie müssen vor dem Eingriff genug Zeit haben, sich über das Gehörte Gedanken zu machen, um eine wohlüberlegte Entscheidung treffen zu können. Wenn eine große Operation ansteht, muss das Aufklärungsgespräch einige Tage zuvor erfolgen. So haben Sie die Möglichkeit, alles zu überdenken und sich gegebenenfalls eine Zweitmeinung einzuholen. Keinesfalls dürfen Sie unter dem Einfluss von Schmerz- oder Beruhigungsmitteln stehen, wenn der Arzt oder die Ärztin Risiken mit Ihnen bespricht.

In welchen Fällen bedarf es keiner Aufklärung?
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin darf beispielsweise in folgenden Fällen auf das Aufklärungsgespräch verzichten:

  • Medizinische Notfälle: Sind Sie beispielsweise bewusstlos und kann die Behandlung nicht aufgeschoben werden, darf der oder die Behandelnde ohne Aufklärung Erste Hilfe leisten.
  • Verzicht des Patienten oder der Patientin: Sie verzichten ausdrücklich auf das Aufklärungsgespräch.
  • Voraufklärung: Bei wiederkehrenden Untersuchungen oder Behandlungen, in deren Rahmen schon Aufklärungsgespräche stattgefunden haben, kann auf die Voraufklärung Bezug genommen werden.
  • Medizinische Vorbildung: Sie sind aufgrund Ihrer Ausbildung informiert.

Erstellungsdatum: 20.08.2019
Letzte Aktualisierung: 20.08.2019

Herausgeber: UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH

Sie haben Fragen und wünschen eine persönliche Beratung zu gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Themen?

Unser Beratungsteam beantwortet Ihre Fragen gern:

•             telefonisch unter Tel. 0800 0 11 77 22  (gebührenfrei aus allen Netzen)

•             im Rahmen der Online-Beratung

•             in unseren Vor-Ort-Büros, dem UPD-Beratungsmobil, per App, Post oder Fax.

Eine Übersicht über unser Beratungsspektrum und unsere Kontaktmöglichkeiten finden Sie hier.

quellen

  • § 630c Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
  • § 630e Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)

so arbeiten wir

Oftmals fühlen sich Menschen im Gespräch mit Krankenkassen oder Ärzten und Ärztinnen überfordert: Sie brauchen Unterstützung bei Fragen und Problemen im Zusammenhang mit ihrer Gesundheit. Unser Ziel ist es, Betroffenen die Informationen zu liefern, die sie benötigen, um sich zurechtzufinden und selbst die für sie beste Entscheidung zu treffen. Die Informationstexte auf unserer Homepage sollen dazu einen Beitrag leisten.
Jeder Text durchläuft einen strengen mehrstufigen Prozess, damit die Qualität der Informationen gesichert ist. Auch für unsere Texte gelten unsere Beratungsgrundsätze: neutral, unabhängig, wissenschaftlich basiert. Für gesundheitliche Informationen arbeiten wir nach den Prinzipien der evidenzbasierten Medizin. Dabei greifen wir in der Regel auf bereits aufbereitete hochwertige Information zurück, zum Beispiel auf die Texte des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und AWMF-Leitlinien. Sozial- und gesundheitsrechtliche Themen basieren auf sogenannten Primärquellen wie Gesetzen, Verwaltungsvorschriften oder Bundestagsdrucksachen. Die verwendeten Quellen sowie den Stand der letzten Aktualisierung geben wir am Ende des Textes an.
Unser Anspruch ist es verständliche Texte für alle Menschen zu schreiben. Um unserem Ziel gerecht zu werden, binden wir medizinische beziehungsweise  juristische Laien als Testleser ein, bevor wir die Texte veröffentlichen. Die Texte sind sachlich und frei von rechtlichen und gesundheitsbezogenen Wertungen. Wir aktualisieren unsere Texte zeitnah, wenn dies erforderlich ist, und prüfen alle Texte mindestens einmal jährlich.
Details zu unserer Vorgehensweise finden Sie in unserem Methodenpapier zur Erstellung und Präsentation von gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Informationen in der Patientenberatung der UPD.

Bitte beachten Sie:
Unsere Informationstexte und unsere individuelle Beratung dienen dazu, gesundheitliche und gesundheitsrechtliche Inhalte zu vermitteln, Zusammenhänge zu erläutern und Möglichkeiten aufzeigen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir im Rahmen unseres gesetzlichen Auftrages keine konkrete Bewertung beziehungsweise Einschätzung im Einzelfall vornehmen können. Information und Beratung durch die UPD ersetzen weder einen Arztbesuch noch eine anwaltliche Vertretung.
© 2019 UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH