Pflegereform 2017:

Was hat sich für pflegende Angehörige geändert?  

Anfang 2017 wurden die zuvor gültigen Pflegestufen (3 Stufen plus Stufe „Null“) in 5 Pflegegrade umgewandelt. Dabei sollen auch die Bedürfnisse von Menschen mit geistigen und psychischen Einschränkungen – vor allem Demenzkranke – stärker berücksichtigt werden. Früher spielten bei der Beurteilung der Pflegebedürftigkeit in erster Linie körperliche Einschränkungen eine Rolle. Im Vordergrund steht nun der Grad der Selbstständigkeit einer Person – also die Frage, wie viel Hilfe sie bei der Bewältigung ihres alltäglichen Lebens benötigt.

Von dieser Neuerung profitieren auch die pflegenden Angehörigen. Denn viele Pflegebedürftige erhalten seit 2017 höhere Pflegegeldbeträge, die sie an ihre Angehörigen weitergeben können. Das Pflegegeld können Pflegebedürftige mit Pflegesachleistungen kombinieren, wenn die Angehörigen bei der Versorgung des Pflegebedürftigen durch einen ambulanten Pflegedienst unterstützt werden.

Neu: Seit dem 11. Mai 2019 können auch reine Betreuungsdienste den Pflegebedürftigen im Rahmen der Pflegesachleistung unterstützen. So dürfen nunmehr auch Fachkräfte von Betreuungsdiensten bestimmte häusliche Betreuungsleistungen übernehmen und beispielweise mit den Pflegebedürftigen spazieren gehen oder Gespräche führen. Zuvor war das Pflegekräften vorbehalten.

Wer zahlt die Beiträge?

Pflicht zur Arbeitslosenversicherung

Pflicht zur Arbeitslosenversicherung
Berufstätige, die sich um einen pflegebedürftigen Angehörigen kümmern möchten, können zu diesem Zweck eine sechsmonatige Auszeit vom Beruf (Pflegezeit) in Anspruch nehmen. Für diesen Zeitraum übernimmt die Pflegeversicherung ihre Beiträge für die Arbeitslosenversicherung. Dauert die Auszeit länger, bleiben die Pflegenden Mitglied in der Arbeitslosenversicherung. Seit dem 1. Januar 2017 ist die Absicherung für alle pflegenden Angehörigen möglich. Die Pflegeversicherung übernimmt dann die Beiträge über die gesamte Dauer der Pflegetätigkeit. Auf diese Weise haben die Betroffenen nach dem Ende der Pflegetätigkeit das Recht, Arbeitslosengeld zu beantragen. Zudem können sie Leistungen der Arbeitsförderung in Anspruch nehmen, zum Beispiel Hilfe bei der Arbeitsvermittlung oder berufliche Weiterbildungen.

Allerdings muss eine der beiden Bedingungen erfüllt sein:

  • Unmittelbar bevor sie mit der Pflege begonnen hat, bestand bei der Pflegeperson eine Versicherungspflicht in der Arbeitslosenversicherung.
  • Unmittelbar bevor sie mit der Pflege begonnen hat, hat die Pflegeperson eine Leistung nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) III bezogen. Dazu zählt zum Beispiel das Arbeitslosengeld.

Was steht mir im Alter zu?

Höhere Beiträge zur Rentenversicherung

Auch im Alter werden pflegende Angehörige besser abgesichert. Die Rentenbeiträge steigen mit zunehmender Pflegebedürftigkeit. Ein Beispiel: Wer eine/n Angehörige/n mit Pflegegrad 5 pflegt, erhält um 25 Prozent höhere Rentenbeiträge als früher.

Seit 2017 gelten folgende Bedingungen für die Rentenbeitragszahlung:

  • Der Pflegebedürftige wird in häuslicher Umgebung versorgt.
  • Der Pflegebedürftige hat mindestens den Pflegegrad 2.
  • Für die Pflege des Angehörigen werden pro Woche mindestens zehn Stunden aufgebracht. Pflegt die Person mehrere Angehörige, ist es möglich, die erforderlichen Stunden zu addieren.
  • Die für die Pflege aufgebrachte Zeit verteilt sich regelmäßig auf mindestens zwei Tage in der Woche.
  • Die pflegenden Angehörigen sind nicht mehr als 30 Stunden pro Woche erwerbstätig.

Wer hilft bei Urlaub und Krankheit?

Mehr Entlastung im Alltag

  • Kurzzeit- und Verhinderungspflege
    Auch pflegende Angehörige können krank werden und haben ein Recht auf Urlaub. In diesen Fällen können Pflegebedürftige unter bestimmten Voraussetzungen eine Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen. Sie werden dann für bis zu acht Wochen pro Jahr vollstationär in einem Pflegeheim betreut. Der Anspruch besteht für Pflegebedürftige ab dem Pflegegrad 2. Gleiches gilt für die sogenannte Verhinderungspflege. Diese kann auch stundenweise abgerechnet werden und gibt pflegenden Angehörigen die Möglichkeit, sich zum Beispiel für einige Stunden am Tag eine Auszeit zu nehmen. In dieser Zeit kümmert sich eine Ersatzpflegeperson zu Hause um die Pflegebedürftigen.
  • Tages- und Nachtpflege
    Manche Pflegebedürftige müssen rund um die Uhr betreut werden. Für viele pflegende Angehörige ist dies allein nicht machbar. Um sie zu entlasten, gibt es die teilstationäre Tages- und/oder Nachtpflege, die in spezialisierten Einrichtungen durchgeführt wird. In diesen verbringen die Pflegebedürftigen tagsüber und/oder nachts einige Stunden.

Pflegegrad

Betrag seit 01.01.2017

Pflegegrad 1

0,00 Euro

Pflegegrad 2

689,00 Euro

Pflegegrad 3

1.298,00 Euro

Pflegegrad 4

1.612,00 Euro

Pflegegrad 5

1.995,00 Euro

 

Gut zu wissen: Personen mit dem Pflegegrad 1 haben keinen Anspruch auf die oben genannten Leistungen. Sie können jedoch den sogenannten Entlastungsbetrag nutzen, um zum Beispiel Kurzzeitpflege sowie Tages- und Nachtpflege zu finanzieren. Einen Anspruch auf den Entlastungsbeitrag haben alle Pflegebedürftigen in den Pflegegraden 1 bis 5, die im häuslichen Umfeld gepflegt werden. Der Betrag liegt bei 125 Euro monatlich.

Wo finde ich Informationen?

Professionelle Pflegeberatung

Pflegende Angehörige haben einen eigenen Anspruch auf eine kostenlose, qualifizierte Pflegeberatung. Pflegekassen benennen für die Beratung feste Ansprechpartner vor Ort, zum Beispiel unabhängige Pflegestützpunkte. Diese klären die Pflegenden unter anderem darüber auf, welche Leistungen den Pflegebedürftigen zustehen. Die Beratung soll ihnen dabei helfen, eine Pflegeplanung zu erstellen und die nötigen Maßnahmen zur organisieren.


Erstellungsdatum: 01.11.2016
Letzte Aktualisierung: 24.09.2019

Herausgeber: UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH

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