Plötzlich Pflegefall – was tun?  

Tipps für pflegende Angehörige

Ein möglichst langes Leben in Gesundheit – das wünscht sich wohl jeder Mensch. Was ist aber, wenn ein geliebtes Familienmitglied plötzlich auf Pflege angewiesen ist? Ob durch Krankheit, Unfall oder im Alter − Pflegebedürftigkeit kann jeden treffen und in allen Lebensabschnitten auftreten. Wenn dieser Fall eintritt, haben Angehörige immer viele Fragen und einiges zu organisieren. Welche Schritte jetzt wichtig sind, welche Ansprüche Sie haben und wo Sie Hilfe bekommen können, erfahren Sie hier. 

Wer gilt als pflegebedürftig?

Gesetzliche Definition: Pflegebedürftigkeit

Eine Pflegebedürftigkeit kann jeden treffen, in jedem Lebensabschnitt auftreten, ob jung oder alt. Seit dem 1. Januar 2017 gelten nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) XI Personen als pflegebedürftig, die

  • gesundheitlich bedingt
  • in ihrer Selbstständigkeit oder ihren Fähigkeiten beeinträchtigt sind
  • und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen.
  • Es muss sich um Personen handeln, die ihre körperlichen, kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingten Belastungen oder Anforderungen nicht selbstständig kompensieren oder bewältigen können.
  • Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer bestehen, voraussichtlich für mindestens sechs Monate.

Wissenswertes:
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es zum Ende des Jahres 2017 in Deutschland insgesamt knapp 3,4 Millionen Pflegebedürftige.

Stationäre Versorgung:
820.000 Menschen wurden in Heimen vollstationär versorgt.

Ambulante Versorgung:
Der Großteil mit knapp 2,6 Millionen Pflegebedürftigen wurde zu Hause versorgt. Dieser Teil splittet sich nochmal auf: Knapp 1,8 Millionen wurden ausschließlich durch Angehörige gepflegt. 830.000 wurden von Angehörigen zusammen mit oder vollständig von ambulanten Pflegediensten versorgt.

Welche Schritte jetzt wichtig sind!

Checkliste „Pflegebedürftig? Was jetzt zu tun ist!“

Schritt 1: Rechtliche Vertretung klären
Familienangehörige können nur dann für ihre pflegebedürftigen Angehörigen Leistungen aus der Pflegeversicherung beantragen, wenn sie dazu bevollmächtigt sind, zum Beispiel in Form einer Vorsorgevollmacht. Falls Pflegebedürftige wichtige Entscheidungen nicht mehr selbst treffen können: Gibt es eine Patientenverfügung, Betreuungsverfügung sowie eine Vorsorgevollmacht? Für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige sind diese Unterlagen eine wichtige Grundlage für sämtliche Entscheidungen! Tipp: Lassen Sie sich hierzu beraten.

Schritt 2: Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung stellen
Ein Anspruch auf Pflegeleistungen setzt voraus, dass die versicherte und pflegebedürftige Person in den letzten 10 Jahren vor der Antragstellung mindestens zwei Jahre als Mitglied in der Pflegeversicherung versichert war oder familienversichert gewesen ist.  

Den Antrag stellen Sie bei der Pflegekasse. Die Pflegekasse befindet sich in der Regel bei der Krankenkasse, bei der der Pflegebedürftige versichert ist. Sie können den Antrag mit einem formlosen Schreiben, per E-Mail oder telefonisch stellen.

Was passiert dann?
Nachdem die Pflegekasse den Antrag aufgenommen hat, prüft sie ihn. Die Prüfung, ob und in welchem Ausmaß (Pflegegrad) die Voraussetzungen der Pflegebedürftigkeit tatsächlich vorliegen, übernimmt der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK). Auch andere von der Pflegekasse beauftragte Gutachter (zum Beispiel Pflegefachpersonen oder Ärzte und Ärztinnen) können dies im Rahmen eines Hausbesuches prüfen (siehe Schritt 5: Der Gutachter kommt).

Schritt 3: Ein Pflegetagebuch führen
Ein Pflegetagebuch kann pflegenden Angehörigen und zusätzlichen Betreuern und Betreuerinnen helfen, im kommenden Termin mit dem Gutachter besser darzustellen, in welchem Umfang der pflegebedürftige Mensch Unterstützung benötigt.

In diesem Tagebuch können Sie zum Beispiel Folgendes dokumentieren:

  • Wie selbstständig ist die pflegebedürftige Person?
  • Was kann die pflegebedürftige Person im Alltag noch alleine umsetzen? Welche Fähigkeiten sind noch vorhanden?
  • Wobei genau braucht sie Hilfe?
  • Beim Aufstehen aus dem Bett?
  • Bei der täglichen Morgentoilette?
  • Beim Anziehen, Essen oder Trinken? Oder bei anderen Dingen?

Notieren Sie alle Details und auch Ihren Zeitaufwand, damit keine Informationen verloren gehen.

Schritt 4: Alle Befunde zusammensuchen
Zusätzliche Informationen erhält der Gutachter zudem durch die Auswertung von Befunden, unter anderem Krankenhaus-Entlassungsbriefe, Befundberichte, sozialmedizinische Gutachten.
Vergessen Sie auch nicht das Pflegetagebuch und sonstige Dokumente, die für die Einordnung eine Rolle spielen können. Halten Sie deshalb solche Unterlagen für den Pflegebegutachtungstermin bereit.

Schritt 5: Das Gespräch mit dem Gutachter vorbereiten
Versuchen Sie einzuschätzen, welche Unterstützungsmöglichkeiten grundsätzlich infrage kommen:

  • Kann die Pflege längerfristig ausschließlich durch Sie/pflegende Angehörige gewährleistet werden?
  • Soll die Pflege ergänzt werden durch einen ambulanten Pflegedienst oder durch eine Tagespflegeeinrichtung?
  • Oder kommt – abhängig vom Pflegegrad – doch eine stationäre Einrichtung infrage?

Haben Sie Zweifel? Es gibt Pflegestützpunkte, bei denen Sie sich kostenfrei beraten lassen können. Darüber hinaus haben Sie einen gesetzlichen Anspruch auf eine kostenfreie Beratung durch die zuständige Pflegekasse. Nutzen Sie das Beratungsangebot, informieren Sie sich ausführlich.

Gut zu wissen: Diese sogenannte Pflegebegutachtung erfolgt üblicherweise im Rahmen eines angemeldeten Hausbesuches beim/bei der Antragsteller/in. Der Gutachter kommt also nie unangekündigt.

Schritt 6: Beim Termin dabei sein
Um feststellen zu können, ob und in welchem Ausmaß der/die Antragsteller/in tatsächlich pflegebedürftig ist, benötigt der Gutachter Informationen, die über den Augenschein hinausgehen. Diese erhält er durch das Gespräch mit dem/der Antragsteller/in selbst und durch die Pflegeperson(en): durch das pflegende Familienmitglied und/oder durch Pflegefachpersonen des betreuenden Pflegedienstes.

Schritt 7: Gutachten prüfen
Der Gutachter leitet das Gutachten anschließend an die Pflegekasse weiter. Auf Basis dieses Gutachtens entscheidet die Pflegekasse über den Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung. Spätestens 25 Arbeitstage nach Eingang des Antrags muss die Pflegekasse Ihnen das Ergebnis der Begutachtung schriftlich mitteilen.

Gut zu wissen:
Mit der Entscheidung der Pflegekasse erhalten Sie auch das Gutachten, das dieser Entscheidung zugrunde liegt.

Schritt 8: Bei Ablehnung Widerspruch einlegen

Der Antrag auf Pflegeleistungen ist abgelehnt worden oder der Pflegegrad ist zu niedrig? Legen Sie schriftlich – innerhalb eines Monats – Widerspruch ein und machen Sie Ihren Anspruch auf Einsicht in das MDK-Gutachten geltend, falls Sie es nicht erhalten haben. Gehen Sie das Pflegegutachten Schritt für Schritt durch und prüfen Sie, ob die jeweils zutreffende Punktzahl angekreuzt worden ist. Wenn Sie Fehler feststellen, können Sie damit einen Antrag auf Neubegutachtung begründen. Ein ärztliches Attest kann dies untermauern. So können Sie erreichen, dass der Antrag neu geprüft und doch noch der gewünschte Pflegegrad festgestellt wird.

Nach welchen Kriterien wird das Pflegegutachten erstellt?
Grundlage der Begutachtung und Einstufung ist der Pflegebedürftigkeitsbegriff. Es werden nicht nur körperliche, sondern auch geistige und seelische Beeinträchtigungen bei der Begutachtung berücksichtigt. Es kommt nicht in erster Linie auf Krankheiten oder Behinderungen an, sondern darauf, wie selbständig jemand mit diesen Einschränkungen noch ist.

Im Rahmen der Begutachtung werden folgende sechs Lebensbereiche einbezogen:

1. Mobilität

2. kognitive und kommunikative Fähigkeiten

3. Verhaltensweisen und psychische Beeinträchtigungen

4. Selbstversorgung

5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen und Belastungen

6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
 

  • Die Einstufung erfolgt in 5 Pflegegrade.

Pflege zu Hause

Welche Ansprüche und Rechte haben pflegende Angehörige?

Pflegebedürftige und pflegende Angehörige haben grundsätzlich einen Anspruch auf verschiedene Pflegeleistungen. Die Höhe der Leistungen für die häusliche Pflege richtet sich zum Teil nach dem jeweils festgestellten Pflegegrad.  

Wichtige Leistungen bei häuslicher Pflege:

1. Entlastungsbetrag
Ab dem Pflegegrad 1 gibt es einen einheitlichen Entlastungsbetrag von 125 Euro monatlich. Dieser wird nicht ausgezahlt, sondern ist zweckgebunden einzusetzen, zum Beispiel für Angebote zur Unterstützung im Alltag. Diese sollen dazu beitragen, pflegende Angehörige zu entlasten und helfen, dass Pflegebedürftige so lange wie möglich in der vertrauten häuslichen Umgebung bleiben können.

Die Landesverbände der Krankenkassen haben Vergleichslisten über Leistungen und Vergütungen der zugelassenen Pflegeeinrichtungen und Angebote zur Unterstützung im Alltag zusammengestellt.

Diese Vergleichslisten können Sie bei der Pflegekasse anfordern, bei der Sie den Antrag gestellt haben.

2. Pflegegeld
Ab dem Pflegegrad 2 besteht Anspruch auf Pflegegeld. Über das Pflegegeld können Pflegebedürftige frei verfügen, um ihre Pflege sicherzustellen. Diese Geldleistung können sie mit der Pflegesachleistung für einen ambulanten Pflegedienst kombinieren. In so einem Kombinationsfall wird das Pflegegeld allerdings nicht mehr in voller Höhe, sondern anteilig ausbezahlt.

Gut zu wissen: Diese Leistung gibt es nur im Rahmen der häuslichen Pflege (selbstbeschaffte Pflegehilfen, zum Beispiel Angehörige), nicht also, wenn Pflegebedürftige in einer stationären Einrichtung untergebracht sind.

3. Pflegesachleistung
Ab dem Pflegegrad 2 besteht der Anspruch auf Pflegesachleistung. Das heißt, dass hier ein ambulanter Pflegedienst die Pflegebedürftigen und gegebenenfalls die pflegenden Angehörigen im Alltag unterstützt, zum Beispiel bei der Körperpflege, Ernährung, Haushaltwirtschaft etc.

Übrigens: Seit dem 11. Mai 2019 können auch reine Betreuungsdienste den Pflegebedürftigen im Rahmen der Pflegesachleistung unterstützen. So dürfen nunmehr auch Fachkräfte von Betreuungsdiensten bestimmte häuslichen Betreuungsleistungen übernehmen und beispielweise mit den Pflegebedürftigen spazieren gehen oder Gespräche führen.

4. Verhinderungspflege
Die Pflegekasse zahlt eine notwendige Ersatzpflege. Die Pflegeperson wird zum Beispiel im Krankheitsfall oder bei Urlaub vertreten. Diese Leistung kann ab Pflegegrad 2 und bis zu sechs Wochen im Kalenderjahr, aber auch stundenweise, genutzt werden.

5. Kurzzeitpflege
Wenn Pflegebedürftige für eine begrenzte Zeit auf eine vollstationäre Pflege angewiesen sind, zum Beispiel im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt, kann die Kurzzeitpflege infrage kommen. Das heißt, Pflegebedürftige werden kurzzeitig in einer stationären Einrichtung versorgt. Diese Leistung kann bis zu acht Wochen im Kalenderjahr genutzt werden und gilt ab Pflegegrad 2.  

6. Teilstationäre Tagespflege und Nachtpflege
Diese unterstützenden Pflegeleistungen gibt es ab Pflegegrad 2. Unter teilstationärer Tages- und/oder Nachtpflege ist eine zeitweise Betreuung in einer Pflegeeinrichtung zu verstehen.

7. Pflegehilfsmittel
Pflegehilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind:
Bis zu 40 Euro stehen im Monat zur Verfügung, um Verbrauchsprodukte zu kaufen (zum Beispiel Einmalhandschuhe, Bettschutzeinlagen, Desinfektionsmittel). Dies ist ein einheitlicher Betrag ab Pflegegrad 1.

Technische oder sonstige Pflegehilfsmittel:
Dies kann beispielsweise ein Badewannenlifter sein.

Die Kosten der Aufwendungen je Hilfsmittel werden zu 100 Prozent übernommen, gegebenenfalls müssen Sie eine Zuzahlung von 10 Prozent, höchstens 25 Euro, leisten. Der Anspruch besteht ab Pflegegrad 1.

8. Zuschüsse für Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes
Es gibt Zuschüsse für bauliche Anpassungsmaßnahmen in der Wohnung, zum Beispiel für eine Absenkung der Türschwellen oder für den Einbau einer bodengleichen Dusche. Es können bis zu 4.000 Euro je Maßnahme beantragt werden. Der Anspruch besteht ab Pflegegrad 1.

9. Zusätzliche Leistungen für Pflegebedürftige in ambulant betreuten Wohngruppen
Falls es in den eigenen vier Wänden doch nicht (mehr) funktioniert, eine Versorgung in einer stationären Einrichtung aber nicht erwünscht ist, kann auch eine alternative Wohnform in Betracht gezogen werden – beispielsweise in Form einer ambulant betreuten Wohngruppe, zum Beispiel in einer Pflege-WG.

Sie können 214 Euro pro Monat (einheitlicher Betrag für alle Pflegegrade) als Zuschuss beantragen. Diese zusätzliche Leistung gibt es ab Pflegegrad 1.

Leistungen bei häuslicher Pflege im Überblick:

Pflegegrade

Pflegegeld

Pflegesachleistung 

Entlastungsbetrag 

Pflegegrad 1

-

-

125 Euro

Pflegegrad 2

316 Euro

689 Euro

125 Euro

Pflegegrad 3

545 Euro

1.298 Euro

125 Euro

Pflegegrad 4

728 Euro

1.612 Euro

125 Euro

Pflegegrad 5

901 Euro

1.995 Euro

125 Euro


Pflegekurse für Angehörige: Personen, die sich um Pflegebedürftige kümmern, haben Anspruch auf unentgeltliche Schulungskurse, auch bei Pflegebedürftigen zu Hause. Diese werden von den Pflegekassen angeboten. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Pflegekasse.

Plötzlich Pflegefall: 

Wie vereinbare ich jetzt Familie, Beruf und Pflege? 

Ihr gutes Recht
Damit sich nahe Angehörige um die Pflegebedürftigen kümmern können, gibt es rechtliche Ansprüche nach dem Pflegezeitgesetz und dem Familienpflegezeitgesetz. Wer pflegt und berufstätig ist, kann sich unter bestimmten Voraussetzungen und zeitlich befristet vom Beruf freistellen lassen (entweder teilweise oder vollständig) und zum Beispiel eine Pflegezeit nehmen.

1. Kurzzeitige Arbeitsverhinderung und Pflegeunterstützungsgeld
Beschäftigte haben das Recht, bis zu zehn Arbeitstage der Arbeit fernzubleiben. Voraussetzung: Dies ist erforderlich, um für einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen in einer akut aufgetretenen Pflegesituation eine bedarfsgerechte Pflege zu organisieren oder eine pflegerische Versorgung in dieser Zeit sicherzustellen. Sie sind verpflichtet, dem Arbeitgeber Ihre Verhinderung an der Arbeitsleistung und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen. Diesen Anspruch haben alle Arbeitnehmer – unabhängig von der Mitarbeiterzahl eines Unternehmens.
Zahlt der Arbeitgeber während der kurzzeitigen Arbeitsverhinderung kein Entgelt, kann ein Pflegeunterstützungsgeld bei der Pflegekasse beantragt werden.

2. Pflegezeit
Pflegende Angehörige können bis zu sechs Monate Pflegezeit nehmen – und entweder eine vollständige oder teilweise Freistellung von der Arbeitsleistung beantragen. Ankündigungsfrist gegenüber dem Arbeitgeber: Zehn Tage.
Den Anspruch auf Pflegezeit haben allerdings nur Arbeitnehmer gegenüber Arbeitgebern ab einer Mitarbeiterzahl von 16. 
Zudem kann ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) beantragt werden, um den Lohnausfall abzufedern.

3. Familienpflegezeit
Wenn die sechs Monate nicht ausreichen sollten, gibt es die Möglichkeit, eine bis zu 24-monatige teilweise Freistellung als Familienpflegezeit zu beantragen. Ankündigungsfrist gegenüber dem Arbeitgeber: acht Wochen. Den Anspruch auf Familienpflegezeit haben allerdings nur Arbeitnehmer gegenüber Arbeitgebern ab einer Mitarbeiterzahl von 26. 
Der Antragsteller kann zudem ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) beantragen, um den Lohnausfall abzufedern.

Gut zu wissen
Der Begriff der nahen Angehörigen wurde erweitert. Damit können nun auch weitere Familienmitglieder die oben genannten Rechtsansprüche nutzen. Dazu zählen:

  • Großeltern, Eltern, Schwiegereltern, Stiefeltern
  • Ehepartner, Lebenspartner, Partner in ehe- oder lebenspartnerschaftsähnlichen Gemeinschaften, Geschwister
  • Schwägerinnen und Schwäger
  • (Adoptiv-/Pflege-) Kinder (eigene oder die des Ehegatten oder Lebenspartners)
  • Schwiegerkinder, Enkelkinder

Die Regelungen gelten allerdings nicht für Beamte.

Wer zahlt bei Pflegefall der Eltern?
Zunächst einmal: Je nach Pflegegrad übernimmt die gesetzliche Pflegekasse oder private Pflegeversicherung einen gewissen Teil der Pflegekosten. Diese Leistungen sind lediglich eine Grundversorgung. Für die restlichen Kosten müssen Pflegebedürftige selbst aufkommen. Können Pflegebedürftige dies nicht oder nicht mehr, kann Hilfe zur Pflege beim Sozialhilfeträger beantragt werden. Dann wird geprüft, welche Unterhaltspflichtigen herangezogen werden können. Das können der Ehepartner und die Kinder sein.

Für Kinder gilt: Unterhaltspflicht gegenüber den Eltern
Werden Eltern pflegebedürftig, sind die Kinder für die Kosten mitverantwortlich, sofern das elterliche Vermögen nicht (mehr) ausreicht. Das heißt Elternunterhalt. Es gibt allerdings Freigrenzen für Angehörige.

Tipp: Lassen Sie sich familienrechtlich beraten, was in Ihrem individuellen Pflegefall von Bedeutung ist.

Pflegefall und Vorsorge

Was Sie vorbereiten können! 

Checkliste „Was kann ich selbst für den Ernstfall vorbereiten, um meine Angehörigen zu entlasten?“
Mit seinem eigenen Tod oder Pflegefall möchte sich niemand gerne auseinandersetzen. Nichtsdestotrotz sollte jeder vorsorgen, um für sich und seine Angehörigen Klarheit zu schaffen.  

Haben Sie eine Patientenverfügung?
In einer Patientenverfügung halten Sie schriftlich fest, welche medizinische und pflegerische Behandlung Sie in welchen Erkrankungssituationen wünschen – und welche nicht. Damit stellen Sie sicher, dass Sie im Ernstfall darüber entscheiden, was mit Ihnen geschieht – auch, wenn Sie selbst sich in dieser Situation nicht mehr dazu äußern können. Beschreiben Sie also so konkret wie möglich, wann und in welchem Umfang Sie lebenserhaltende Maßnahmen, künstliche Ernährung oder die Behandlung von Schmerzen wünschen.

Übrigens: Sie können hier auch festlegen, wo Sie sterben möchten, zum Beispiel zu Hause oder in einem Hospiz.

Tipp: Beim Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz können Interessierte die Info-Broschüre „Patientenverfügung“ kostenfrei anfordern und auf der Internetseite in der Rubrik „Publikationen“ herunterladen: http://www.bmjv.de/SiteGlobals/Forms/Suche/Publikationensuche_Formular.html;jsessionid=471E004F78DA7A2CD99678FAEDA464AF.1_cid297?nn=6425014

Betreuungsverfügung oder Vorsorgevollmacht?
Für eine volljährige Person können die Angehörigen nur in zwei Fällen Entscheidungen treffen oder Erklärungen abgeben: Entweder aufgrund einer rechtsgeschäftlichen Vollmacht oder wenn sie gerichtlich bestellte Betreuer sind.

Mithilfe einer Betreuungsverfügung oder einer Vorsorgevollmacht können Sie also frühzeitig festlegen und regeln, wer für Sie grundlegende Entscheidungen treffen darf!

Das heißt: Wenn Sie durch eine Pflegebedürftigkeit handlungsunfähig werden, wer darf für Sie

  • zum Bespiel Bankgeschäfte, Behördengänge, Versicherungsangelegenheiten erledigen?
  • über medizinische Behandlungen und über die Organisation der Pflege entscheiden?

Tipp: Beim Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz können Interessierte die Info-Broschüre „Betreuungsrecht“ kostenfrei anfordern und auf der Internetseite in der Rubrik „Publikationen“ herunterladen: http://www.bmjv.de/SiteGlobals/Forms/Suche/Publikationensuche_Formular.html;jsessionid=471E004F78DA7A2CD99678FAEDA464AF.1_cid297?nn=6425014

Testament?
Ob Sie einen letzten Willen aufsetzen, liegt ganz bei Ihnen. Liegt nach dem Tod kein Testament vor, greift die gesetzliche Erbfolge. Das Erbe wird unter den Hinterbliebenen aufgeteilt. In einem Testament können Sie bestimmen, wer was erben soll und wie viel. Ab einem Alter von 18 Jahren darf jeder seinen letzten Willen eigenhändig verfassen. Wichtig: Verfassen Sie Ihren letzten Willen komplett handschriftlich und mit eindeutigem Titel wie „Testament“ oder „Mein letzter Wille“. Nicht vergessen: aktuelles Datum, Ort und Unterschrift. Das Testament kann notariell hinterlegt werden.


Erstellungsdatum: 01.08.2017
Letzte Aktualisierung: 24.09.2019

Herausgeber: UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH

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  • § 15 Sozialgesetzbuch Elftes Buch (SGB XI)
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  • § 36 Sozialgesetzbuch Elftes Buch (SGB XI)
  • § 37 Sozialgesetzbuch Elftes Buch (SGB XI)
  • § 38 Sozialgesetzbuch Elftes Buch (SGB XI)
  • § 39 Sozialgesetzbuch Elftes Buch (SGB XI)
  • § 41 Sozialgesetzbuch Elftes Buch (SGB XI)
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Jeder Text durchläuft einen strengen mehrstufigen Prozess, damit die Qualität der Informationen gesichert ist. Auch für unsere Texte gelten unsere Beratungsgrundsätze: neutral, unabhängig, wissenschaftlich basiert. Für gesundheitliche Informationen arbeiten wir nach den Prinzipien der evidenzbasierten Medizin. Dabei greifen wir in der Regel auf bereits aufbereitete hochwertige Information zurück, zum Beispiel auf die Texte des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und AWMF-Leitlinien. Sozial- und gesundheitsrechtliche Themen basieren auf sogenannten Primärquellen wie Gesetzen, Verwaltungsvorschriften oder Bundestagsdrucksachen. Die verwendeten Quellen sowie den Stand der letzten Aktualisierung geben wir am Ende des Textes an.
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