Mangelhafter Zahnersatz – welche Rechte habe ich?

Der Gang zum Zahnarzt oder zur Zahnärztin ist für viele Patientinnen und Patienten nicht einfach. Besonders ärgerlich ist es, wenn der Zahnersatz dann auch noch Probleme bereitet. Die gute Nachricht: Wenn Sie gesetzlich versichert sind, haben Sie grundsätzlich innerhalb der ersten 2 Jahre Gewährleistungsansprüche gegenüber Ihrem Zahnarzt oder Ihrer Zahnärztin.

Gesetzliche Gewährleistung für mangelhaften Zahnersatz
Sind Sie gesetzlich versichert, muss Ihnen Ihr Zahnarzt oder Ihre Zahnärztin bei Mängeln innerhalb der ersten 2 Jahre kostenfrei die Füllung beziehungsweise den Zahnersatz erneuern oder ihn wiederherstellen. Die Frist beginnt an dem Tag zu laufen, an dem er oder sie den Zahnersatz endgültig eingefügt hat. Dabei kommt es nicht darauf an, ob er oder sie für den Schaden verantwortlich ist. Wichtig: Korrigiert er oder sie den Zahnersatz, beginnt keine neue Gewährleistungsfrist zu laufen.

Beispiel: Ihre Zahnärztin hat Ihnen am 15.8.2018 eine Prothese am Oberkiefer eingesetzt. Noch Wochen später haben Sie Schmerzen und können nicht richtig zubeißen. Die Prothese sitzt einfach nicht! Ihre Zahnärztin passt daraufhin die Prothese an. Im Juli 2020 treten wieder Probleme auf, sodass Sie erneut Ihre Zahnärztin aufsuchen. Diese erneuert die Prothese und schließt die Behandlung am 14.8.2020 ab. Da die Gewährleistungsfrist an diesem Tag abläuft, ist die Zahnärztin zu weiteren Korrekturen nicht mehr verpflichtet.

Wie oft Sie Ihrem Zahnarzt oder Ihrer Zahnärztin die Gelegenheit geben müssen, den Zahnersatz zu erneuern beziehungsweise wiederherzustellen, hängt von den konkreten Umständen ab und muss im Einzelfall beurteilt werden. Eine Höchstzahl von Nachbesserungen ist nicht festgelegt.

Ich bin gesetzlich versichert und habe Schwierigkeiten mit meinem Zahnersatz. Dieser ist bereits endgültig eingegliedert. Kann ich den Zahnarzt oder die Zahnärztin wechseln?
Innerhalb der 2-jährigen Gewährleistungsfrist müssen Sie erst einmal zu dem Zahnarzt oder der Zahnärztin gehen, der oder die den Zahnersatz eingegliedert hat. Ihre Krankenkasse wird nämlich vor Ablauf der 2-jährigen Gewährleistungszeit keinem neuen Heil- und Kostenplan zustimmen. Grund: Der behandelnde Zahnarzt oder die Zahnärztin garantiert für die 2 Jahre die Funktionsfähigkeit des Zahnersatzes. Dem nachfolgend behandelnden Zahnarzt oder der Zahnärztin würde aber Geld für die Behandlung zustehen. Die Kosten würden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht durch die Krankenkasse übernommen werden, sodass ein Wechsel des Zahnarztes oder der Zahnärztin mit zusätzlichen eigenen Kosten für Sie verbunden sein könnte.

Tipp: Sprechen Sie zunächst mit Ihrem Zahnarzt oder Ihrer Zahnärztin über Ihre Beschwerden und Probleme. Sollte sich das Problem nicht lösen lassen, können Sie sich an Ihre Krankenkasse wenden und um eine kostenfreie Mängelbegutachtung bitten.

Wie läuft so ein Mängelbegutachtungsverfahren ab?
Ihre Krankenkasse kann innerhalb der 2-jährigen Frist den Zahnersatz begutachten lassen, wenn Sie einen Mangel vermuten. Eine Verpflichtung der Krankenkasse dazu besteht allerdings nicht. Der Ablauf: Die Krankenkasse erteilt einem Gutachter oder einer Gutachterin den Auftrag und benachrichtigt den Vertragszahnarzt oder die Vertragszahnärztin über die anberaumte Begutachtung. Der Gutachter oder die Gutachterin wird eine Untersuchung bei Ihnen durchführen. Der Untersuchungstermin wird vom Gutachter oder der Gutachterin in Abstimmung mit Ihnen festgelegt. Auch der Zahnarzt oder die Zahnärztin und die Krankenkasse sind vom Gutachter oder der Gutachterin hiervon zu unterrichten. Der Zahnarzt oder die Zahnärztin kann an der Untersuchung teilnehmen. Das Verfahren ist für Sie kostenlos.

Ein Mängelgutachten hat bestätigt, dass der Zahnersatz mangelhaft war. Welche Rechte habe ich jetzt?
Bestätigt das Gutachten Mängel, haben Sie Anspruch auf Nachbesserung, gegebenenfalls auch auf Neuanfertigung des Zahnersatzes. Sprechen Sie unbedingt mit Ihrer Krankenkasse. Für Nachbesserungen kann Ihre Krankenkasse entweder den Wechsel des Zahnarztes oder der Zahnärztin genehmigen, oder erneut Ihren Zahnarzt oder Ihre Zahnärztin zur Nachbesserung verpflichten. Ein Wechsel des Zahnarztes oder der Zahnärztin sollte also grundsätzlich nur mit Genehmigung der Krankenkasse erfolgen. Bei einem Zahnarztwechsel fordert die Krankenkasse ihren Festzuschuss vom Zahnarzt oder von der Zahnärztin wieder zurück und stellt diesen dem neuen Zahnarzt oder der Zahnärztin für Ihre Weiterbehandlung zur Verfügung. Ihren Eigenanteil, den Sie dem ersten Zahnarzt oder der ersten Zahnärztin bereits überwiesen haben, müssen Sie selbst von ihm oder ihr zurückfordern.
Ferner kann im Einzelfall auch die Zahlung von Schadensersatz und beziehungsweise oder Schmerzensgeld in Betracht kommen.

Ich bin mit dem Mängelgutachten nicht einverstanden. Was kann ich tun?
Parteien in diesem Verfahren sind nur der Zahnarzt oder die Zahnärztin und die Krankenkasse. Hier geht es nämlich um die eventuelle Rückforderung des Festzuschusses vom Zahnarzt oder der Zahnärztin und nicht um eine Leistungsgewährung für den Patienten oder die Patientin, denn die Leistung an sich ist bereits bewilligt worden. Darum ist die Einlegung eines Rechtsmittels für Sie nicht möglich. Sie haben aber die Option, die Einschaltung der jeweils nächsthöheren Instanz bei der Krankenkasse zu beantragen, wenn Sie mit dem Ergebnis der vorangegangenen Instanz nicht zufrieden waren.
Die Krankenkasse oder auch der Zahnarzt oder die Zahnärztin können gegen das Gutachten innerhalb eines Monats nach Zugang Einspruch einlegen, um, je nach Kasse, ein Zahnersatz-Obergutachten einzuholen oder eine Einigung vor dem Prothetik-Einigungsausschuss herbeizuführen.

Ich bin privat versichert und habe vor Kurzem neuen Zahnersatz bekommen. Dieser wackelt und drückt. Muss mein Zahnarzt oder meine Zahnärztin kostenfrei nachbessern?
Für Privatversicherte gelten die oben beschriebenen gesetzlichen Gewährleistungsansprüche nicht. Eine Ausnahme kann nur bei technisch fehlerhaft hergestelltem Zahnersatz (Material, Art der Herstellung) bestehen, also wenn der Zahntechniker oder die Zahntechnikerin nicht korrekt gearbeitet hat. In diesem Fall besteht grundsätzlich eine Nachbesserungspflicht des Zahnarztes oder der Zahnärztin gegenüber dem Patienten oder der Patientin – egal, ob er oder sie gesetzlich oder privatversichert ist. Dieses Recht kann bis zur Neuanfertigung reichen – je nachdem, wie brauchbar der zahntechnische Teil der Behandlung ist. Der Anspruch besteht für einen Zeitraum von 2 Jahren seit Abnahme der Arbeit beziehungsweise seit endgültiger Eingliederung des Zahnersatzes.
Soweit es keine individuelle Absprache mit Ihrem Zahnarzt oder Ihrer Zahnärztin gibt, besteht grundsätzlich kein Anspruch auf kostenfreie Nachbesserung am Zahnersatz wie bei gesetzlich Versicherten.


Erstellungsdatum: 01.09.2019
Letzte Aktualisierung: 01.09.2019

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